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	<title>Du hast nach Distributed Ledger gesucht - Nerdwärts.de</title>
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	<description>Digitaler Wandel &#38; Digitale Bildung</description>
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	<title>Du hast nach Distributed Ledger gesucht - Nerdwärts.de</title>
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		<title>Carl Schmitt und die Technolibertarians im SIlicon Valley</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 12:45:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lange Zeit galt das Silicon Valley als Bastion eines optimistischen Liberalismus. Das Versprechen lautete: Technologie demokratisiert die Welt, vernetzt die Menschen und macht alte Hierarchien obsolet. Doch aktuell erleben wir einen fundamentalen Wertewandel. Eine wachsende Fraktion einflussreicher Akteure oft als „Technolibertarians“ oder „Neoreaktionäre“ (NRx) bezeichnet, stellt die Grundfesten der liberalen Demokratie infrage. Auf der Suche [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2025/12/von-der-digitalen-zur-gesellschaftsideologischen-transformation-carl-schmitt-und-die-technolibertarians/">Carl Schmitt und die Technolibertarians im SIlicon Valley</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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<p></p>



<p id="block-c0287507-24b4-4fbe-a266-0d201c9727a0"><strong>Lange Zeit galt das Silicon Valley als Bastion eines optimistischen Liberalismus. Das Versprechen lautete: Technologie demokratisiert die Welt, vernetzt die Menschen und macht alte Hierarchien obsolet. Doch aktuell erleben wir einen fundamentalen Wertewandel. Eine wachsende Fraktion einflussreicher Akteure oft als „Technolibertarians“ oder „Neoreaktionäre“ (NRx) bezeichnet, stellt die Grundfesten der liberalen Demokratie infrage. Auf der Suche nach einer neuen politischen Ordnung stoßen sie dabei immer wieder auf einen denkbar unwahrscheinlichen Gewährsmann aus Deutschland: Carl Schmitt (1888 1985), den „</strong><a href="https://lawcat.berkeley.edu/record/155031"><strong>Kronjuristen des Dritten Reiches</strong></a><strong>“<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><strong>[1]</strong></a>.</strong></p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<span id="more-2486"></span>



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<p>Die Wiederentdeckung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt">Carl Schmitts</a> im Silicon Valley ist dabei keine bloße rezeptorische Kopie. Sie beruht vielmehr auf einer adaptiven Neukontextualisierung. Protagonisten dieser ideologischen Wertverschiebung &#8211; wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel">Peter Thiel</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Curtis_Yarvin">Curtis Yarvin</a> (Mencius Moldbug) oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nick_Land">Nick Land</a> scheinen das Autoritäre in Schmitts Werk als Blaupause für eine neue Gesellschaftsordnung zu ästhetisieren. Schmitts Konzepte &#8211; die Freund-Feind-Unterscheidung, der Ausnahmezustand, die Absolutheit des Souveräns &#8211; werden aus dem Kontext der europäischen Staatskrise des 20. Jahrhunderts herausgelöst und auf die digitale Topographie des 21. Jahrhunderts angewandt.</p>



<p>Der &#8222;Souverän&#8220; ist nicht mehr der Reichspräsident, sondern der „<a href="https://edition.cnn.com/2025/05/30/politics/curtis-yarvin-wants-to-replace-american-democracy-with-a-form-of-monarchy-led-by-a-ceo">CEO-Monarch</a>“ oder der innovative und durchsetzungsstarke Gründer; der &#8222;Großraum&#8220; ist nicht mehr Mitteleuropa, sondern die digitale Plattform oder der &#8222;<a href="https://thenetworkstate.com/">Network State</a>&#8222;, und der &#8222;Feind&#8220; ist nicht mehr eine fremde Nation, sondern &#8222;<a href="https://graymirror.substack.com/p/a-brief-explanation-of-the-cathedral">The Cathedral</a>&#8222;<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a>, das akademisch-mediale Establishment, das den Progressivismus als säkulare Staatsreligion durchsetzt.</p>



<ol class="wp-block-list">
<li></li>
</ol>



<h1 class="wp-block-heading">1. <strong>Carl Schmitts Begriff des Politischen: Die Unausweichlichkeit des Freund-Feind-Kriteriums</strong></h1>



<p>Schmitts berühmtestes Diktum aus <a href="https://ia800208.us.archive.org/3/items/carl-schmitt-der-begriff-des-politischen-1932/Carl%20Schmitt%20Der%20Begriff%20des%20Politischen%2C%201932.pdf">Der Begriff des Politischen</a> (1932) lautet: „Die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind“. <a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> Darin definiert er das Politische nicht über Institutionen, Normen oder Ethik sondern über die existentielle Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Politik beginnt dort, „wo die Bereitschaft zum tödlichen Kampf“ möglich ist. Schmitt führt aus, dass ein Feind nicht notwendig „moralisch böse“ sein müsse. Er sei vielmehr „in besonders intensiver, existentieller Weise anders“ und fremd, sodass im Extremfall der Konflikt zwischen Gruppen unvermeidlich sei.<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> Die Zugehörigkeit zu einer politischen Gemeinschaft (einem „Volk“, einer „Nation“, einer „Identität“) werde erst durch solche Ausschlüsse klar definiert. Für Schmitt ist diese Unterscheidung ontologisch: Der politische Raum ist grundlegend antagonistisch; Neutralität, Konsens oder Kompromissdenken, wie sie etwa der liberalen Demokratie zugrunde liegen, werden als verfehlt angesehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Souveränität und Ausnahmezustand: das Entscheidungsprivileg</strong></h2>



<p>Eng verwoben mit dem Freund-/Feind-Kriterium ist bei Schmitt der Gedanke der souveränen Entscheidung. Der „Souverän“, derjenige, der nach Schmitt über den Ausnahmezustand entscheidet<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a>, ist ebenfalls konstitutiv für das Politische.</p>



<p>Staatliche Legalität und verfassungsrechtliche Ordnung sind aus Schmitts Sicht nicht primär normative Garantien, sondern Ausdruck politischer Macht. Wer entscheidet, wer Freund und wer Feind ist und damit, wer dazugehören darf und wer ausgeschlossen oder bekämpft wird, war für Schmitt unbedingt ein Akt der politischen Entscheidung und nicht bloße Anwendung abstrakter Rechtsnormen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ablehnung liberaler Neutralität</strong></h2>



<p>Schmitt kritisiert liberale Ansätze, die glauben, Konflikte durch zivilisierte Debatte, Rechtssysteme oder Fortschritt entpolitisierten zu können. Für ihn verkennen solche Ideologien die tief verwurzelte, anthropologische Dimension des Politischen: Den Menschen als Gemeinschaftswesen, das Identität und Existenz durch Abgrenzung und Bereitschaft zur Feindschaft erlangt.</p>



<p>Für Schmitt ist Politik keine deliberative Verwaltung oder Regulierung von Interessen, sondern existenzielle Abgrenzung und Entscheidung über das „Wir“ &#8211; mit allem Ausschluss, der notwendig ist, um Gemeinschaft zu konstituieren. Identitätsbildung erfolgt demnach durch Abgrenzung gegenüber „Den Anderen“</p>



<ul class="wp-block-list">
<li></li>
</ul>



<h1 class="wp-block-heading">2. <strong>Rezeption von Carl Schmitt im Silicon Valley</strong></h1>



<p>Die Rezeption Schmitts im Silicon Valley, lässt sich nicht als „katechistischer Block“ erfassen, sondern muss als Netzwerk aus direkten Zitaten, strukturellen Analogien und persönlichen Verbindungen begriffen werden, die sich erst in der Gesamtbetrachtung zu einem Muster zusammensetzen.</p>



<p>Als einer der Ausgangs- und Angelpunkte ist sicherlich die Neoreactionary (NRx)-Bewegung und das damit verbundene Konzept der Dark Enlightenment zu identifizieren, als deren wichtigste Vertreter Curtis Yarvin (unter dem Pseudonym Mencius Moldbug) und Nick Land zu nennen sind.</p>



<p>Yarvin argumentiert für &#8222;Neocameralism&#8220;, eine Rückkehr zu korporativ organisierten Gesellschaften, wo Unternehmen wie Staaten funktionieren. Nick Land, dessen Wurzeln eigentlich in der kritischen Theorie (Deleuze, Marx) liegen, wandelte sich in den 2000ern zum Verfechter eines rechten &#8222;Akzelerationismus&#8220; („Landianism“ oder „Landian Accelerationism“), der davon ausgeht, dass sich Kapitalismus im Zusammenspiel mit Technologie immer weiter beschleunigen wird und die durchaus erstrebenswerte Folge davon die Auflösung bestehender, insbesondere liberaler und egalitärer Strukturen sein muss.</p>



<p>Die NRx-Bewegung wird verstanden als &#8222;<a href="https://thesociologicalreview.org/projects/undisciplining/talks-discussions-and-debates/on-neoreaction/">Application of Land&#8217;s accelerationist framework to Moldbug&#8217;s neocameralism</a>&#8222;, und sie sieht Darwinismus, nicht liberale Gleichheit, als die Grundlage von Gesellschaft.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a>&nbsp;</p>



<p>Beide, Yarvin und Land, argumentieren im Schmittschen Sinne. Die Absolutheit des Freund-Feind-Kriteriums spiegelt sich in der Abgrenzung gegenüber der „Kathedrale“ &#8211; den liberalen Gesellschaftsteilen &#8211; und der Ablehnung ihrer Werte wider. Die Verwischung vermeintlich klarer Grenzen entspricht damit einer „Depolitisierung“ im Sinne Schmitts &#8211; eine Situation, die einen mächtigen Souverän erfordere. Für Yarvin steht dieser im Zweifelsfall über dem Gesetz. Damit ist er derjenige, der bei Schmitt über den „Ausnahmezustand“ entscheiden kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Silicon Valley als Brutkasten für libertäre und neoreaktionäre Ideen</strong></h2>



<p>Für viele Akteure im Silicon Valley, die sich auch gesellschaftsphilosophisch äußern, sind die Ausführungen dieser Neoreaktionären und rechten Akzelerationisten offenbar sehr prägend gewesen. Verweise finden sich beispielsweise beim <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Netscape">Netscape</a>-Gründer und heute vermutlich wichtigstem Venture Capitalist Manager <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Andreessen">Marc Andreessen</a> der in seinem oft zitierten „<a href="https://a16z.com/the-techno-optimist-manifesto/">Techno-Optimist Manifesto</a>“ explizit Nick Land als einen der „Patron Saints of Techno-Optimism“ anführt. Auch <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Balaji_Srinivasan">Balaji Srinivasan</a>, Investor und Autor des breit rezipierten Buches „The Network State“<a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> versucht, Yarvins Ideen digital umzusetzen: Srinivasans Konzept des „<a href="https://thenetworkstate.com/">Network State</a>“ basiert auf der Idee, dass ein Gründer (Founder) stark konzentrierte Autorität über seine Community haben sollte, ähnlich wie Yarvins monarchischer CEO. Der Charakter dieses Führertyps und dessen Rolle im System erinnert dabei ebenfalls stark an Schmitts Souverän.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Peter Thiel und Carl Schmitt</strong></h2>



<p>Der Gedanke, dass Liberalität und (deliberative) Demokratie im Kern Richtung Unfreiheit streben, wird auch von Peter Thiel, dem einflussreichen Investor (u.a. Paypal. Facebook, Nvidia, Palantir), Mentor und Förderer des Vizepräsidenten<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/JD_Vance"> J.D. Vance</a> und (ehemaligem?) Trump-Vertrauten geteilt. Schon In seinem 2007 erschienenen Essay &#8222;<a href="https://gwern.net/doc/politics/2007-thiel.pdf">The Straussian Moment</a>&#8220; (Konferenzbeitrag von 2004) &nbsp;greift Thiel auf Carl Schmitt zurück, um die Hilflosigkeit des liberalen Westens nach den Anschlägen vom 11. September zu erklären.<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> Er vertritt die These, dass die Aufklärung in eine intellektuelle Selbstentwaffnung gemündet sei, und fordert, die Existenz von Gewalt als anthropologische Konstante anzuerkennen, um die Zivilisation wirksam verteidigen zu können.</p>



<p>Im Jahr 2009 veröffentlichte Thiel auf Cato Unbound den Text &#8222;<a href="https://www.cato-unbound.org/2009/04/13/peter-thiel/education-libertarian/">The Education of a Libertarian</a>&#8222;, in dem er den inzwischen berühmten-berüchtigt gewordenen Satz schrieb: &#8222;I no longer believe that freedom and democracy are compatible&#8220;.<a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a> Diese Aussage erscheint in ihrem Kern zutiefst Schmittianisch. Sie spiegelt Schmitts Argumentation aus „<a href="https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428550302.pdf">Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus</a>“ wider, wonach Demokratie (die Identität von Regierenden und Regierten) und Liberalismus (individuelle Freiheitsrechte) zwei verschiedene Dinge sind, die sich widersprechen können.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a> Schmitt argumentierte, dass eine Demokratie sich entscheiden kann, die Freiheit abzuschaffen, etwa durch Enteignung oder Sozialismus, was Thiel auf die moderne US-Politik überträgt. Diese Argumentation, die typisch für den US-amerikanischen Technolibertarianism ist, folgt einer Logik, die Schmitts Kritik am Parlamentarismus als „ewige Diskussion“<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a> aufgreift: Thiel diagnostiziert, dass politische Reformen gescheitert sind, da die Erweiterung des Wahlkreises (etwa auf Frauen oder Empfänger staatlicher Leistungen) zu mehr Regulierung und weniger Freiheit geführt habe. Als Konsequenz wird der „Exit“ propagiert &#8211; das Verlassen des bestehenden politischen Systems, um neue Räume für Freiheit zu schaffen -, etwa im Cyberspace, im Weltraum oder durch „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Seasteading">Seasteading</a>“, das Bestreben vieler Technolibertarians, Alternativstaaten, oft auf dem Meer in internationalen Gewässern zu errichten, um sich den Regeln etablierter Regierungsformen zu entziehen und neue Souveränitäten zu begründen, die nicht demokratisch, sondern libertär-monarchisch organisiert sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Technologischer Exit aus der deliberativen Demokratie</strong></h2>



<p>Diese „Exit“-Strategie lässt sich als technologische Umsetzung von Schmitts Souveränitätslehre interpretieren. Indem diese neuen quasistaatlichen Räume geschaffen werden, in denen oft technische Verfahren wie <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Distributed+Ledger">Distributed-Ledger</a> (<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain">Blockchain</a>, <a href="https://nerdwaerts.de/?s=DAO">DAO</a>) an die Stelle staatlicher Rechtsnormen treten, versuchen die entsprechenden Akteure, eine neue Form der Souveränität zu etablieren, die sich über den „Normalzustand der staatlichen Ordnung hinwegsetzt. Diese Vision entspräche der radikalisierten Umsetzung von Lawrence Lessigs berühmten Diktum „Code is Law“<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a> als gesellschaftspolitischem Gestaltungsprinzip. Indem nicht mehr demokratisch erlassene Gesetze, sondern der Code oder auch der CEO bzw. Gründer souverän entscheiden, käme die Schaffung solcher exterritorialen oder digitalen Räume der Etablierung des „Ausnahmezustands im Sinne Schmitts gleich.</p>



<h1 class="wp-block-heading"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-black-color">3. <strong>Synopse: Carl Schmitt und die Technolibertarians</strong></mark></h1>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neutralisierung und Depolitisierung</strong></h2>



<p>Im Zentrum von Schmitts Denken steht die Beobachtung, dass das 19. und 20. Jahrhundert von einer Tendenz zur &#8222;Neutralisierung&#8220; geprägt waren.<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a> Der Liberalismus, so Schmitt, versucht, den harten Kern des Politischen die Entscheidung über Macht und Existenz aufzulösen. Er verwandelt den politischen Kampf in zwei harmlose Sphären:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong><em>Ethik/Diskussion:</em></strong> Im Parlament wird der politische Wille in eine ewige Diskussion über das &#8222;Richtige&#8220; verwandelt.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li></li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong><em>Ökonomie/Tausch:</em></strong> Auf dem Markt wird der Konflikt in Wettbewerb und Tausch verwandelt. <a id="_ftnref14" href="#_ftn14">[14]</a></li>
</ul>



<p>Für die Technolibertarians spiegelt dies exakt die Situation der westlichen Demokratien wider. Sie sehen eine politische Klasse, die unfähig ist, echte Entscheidungen zu treffen, weil sie in bürokratischen Prozeduren und moralischen Debatten gefangen ist, ein System, das so komplex und voller &#8222;Checks and Balances&#8220; ist, dass es keinen Output mehr liefert.<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a></p>



<p>Schmitts These, dass der Liberalismus dem &#8222;Ernstfall&#8220; nicht gewachsen ist, weil er die existenzielle Dimension des Konflikts leugnet<a href="#_ftn16" id="_ftnref16">[16]</a>, bildet das Fundament der neoreaktionären Staatskritik.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Freund-Feind-Kriterium</strong></h2>



<p>Zwei Aspekte aus dem schmittschen Freund/Feind-Kosmos, haben eine nachdrückliche Bedeutung für die Argumentation der Technolibertarians:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der existenzielle Feind: Der Feind ist nicht der private Gegner (inimicus), den man hassen muss, sondern der öffentliche Feind (hostis), der die eigene Art der Existenz negiert. Der Konflikt ist nicht normativ lösbar; er kann im Extremfall nur durch physische Vernichtung entschieden werden.<a id="_ftnref17" href="#_ftn17">[17]</a></li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Unausweichlichkeit: Man kann sich dem Politischen nicht entziehen. Wer sagt „Ich habe keine Feinde“, wird dennoch von anderen zum Feind erklärt werden.<a id="_ftnref18" href="#_ftn18">[18]</a></li>
</ul>



<p>Schmitts Warnung, dass derjenige, der „Menschheit&#8220; sagt, betrügen will, zielt darauf ab, dass universelle Werte oft nur als Waffe genutzt werden, um den Gegner als &#8222;Unmenschen&#8220; zu markieren und den Krieg gegen ihn total zu führen.<a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a></p>



<p>Für die Neoreaktionäre bietet dies den <a href="https://nymag.com/intelligencer/article/michael-antons-flight-93-election-trump-coup.html">Schlüssel </a>zum <a href="https://claremontreviewofbooks.com/digital/the-flight-93-election/">Verständnis der modernen Kulturkämpfe</a>. Sie argumentieren, dass der moderne Progressivismus (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Woke">Wokeism</a>) zwar Toleranz predigt, aber in Wahrheit eine gnadenlose Freund-Feind-Logik anwendet, in der Abweichler nicht als Diskussionspartner, sondern als existentielle Bedrohung („Nazis“, „Rassisten“) markiert und sozial vernichtet werden.<a href="#_ftn20" id="_ftnref20">[20]</a></p>



<p>Die Lektüre von Schmitt, scheint die Technolibertarians und Neoreaktionäre in ihrem Glauben zu bestärken, die Heuchelei des liberalen Universalismus durchschaut und die Notwendigkeit erkannt zu haben, sich selbst als politische Kampfgemeinschaft (&#8222;Stamm&#8220;) organisieren zu müssen.<a href="#_ftn21" id="_ftnref21">[21]</a></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Souverän und Ausnahmezustand</strong></h2>



<p>&nbsp;&#8222;Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.&#8220;<a href="#_ftn22" id="_ftnref22">[22]</a> Dieser erste Satz aus Politische Theologie (1922) gilt als vielgenutztes Zitat in neoreaktionären Kreisen, weil er als (vermeintlich) scharfes Schwert gegen die liberale Demokratie dient. Er wird als der ultimative „Realitätscheck“ genutzt, um zu beweisen, dass demokratische Prinzipien wie Gewaltenteilung oder Rechtsstaatlichkeit eine Illusion sind.<a href="#_ftn23" id="_ftnref23">[23]</a></p>



<p>Schmitt argumentiert gegen den juristischen Positivismus, dass das Gesetz sich nicht selbst anwenden kann. Es bedarf einer Person, einer Instanz, die im Moment des Chaos (wenn die Norm versagt) entscheidet, dass ein Ausnahmezustand vorliegt, und Maßnahmen trifft, um die Ordnung wiederherzustellen.<a href="#_ftn24" id="_ftnref24">[24]</a></p>



<p>Diese Konzeption ist zutiefst kompatibel mit der Mentalität des Silicon Valley:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Gründer-Mythos: Ein Start-up ist eine Monarchie. Der Gründer (Founder) hat die Vision und die Entscheidungsgewalt. Er diskutiert nicht demokratisch mit den Angestellten, ob der Pivot (die strategische Wendung) vollzogen wird; er entscheidet es.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Staat als Apparat: Insbesondere Yarvin und Thiel übertragen dieses Modell auf den Staat. Demokratie ist &#8222;User-Input&#8220;, der das System verlangsamt. Wahre Souveränität bedeutet, dass eine Exekutive (ein CEO-König) die Macht hat, außerhalb der erstarrten Protokolle zu handeln, um das System zu retten (&#8222;Reboot&#8220;).<a id="_ftnref25" href="#_ftn25">[25]</a></li>
</ul>



<p>Der Ausnahmezustand ist hier positiv besetzt: Er ist der Moment der Innovation, der Disruption, in dem alte Regeln gebrochen werden, um eine neue Ordnung zu schaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Überblick</strong></h2>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Konzept nach Carl Schmitt</strong></td><td><strong>Liberale Interpretation (abgelehnt)</strong></td><td><strong>Technolibertäre Interpretation (adaptiert)</strong></td></tr><tr><td><strong>Das Politische</strong></td><td>Diskurs, Kompromiss, Verfahren</td><td>Existentieller Kampf, Freund/Feind, Krieg</td></tr><tr><td><strong>Souveränität</strong></td><td>Rechtsstaatlichkeit, Verfassung</td><td>Dezisionismus, CEO-Exekutivgewalt, &#8222;The Reset&#8220;</td></tr><tr><td><strong>Gesellschaft</strong></td><td>Pluralismus, Zivilgesellschaft</td><td>Homogenität, Stammeszugehörigkeit (&#8222;Tribalism&#8220;)</td></tr><tr><td><strong>Legitimität</strong></td><td>Durch Verfahren (Wahlen)</td><td>Durch Ergebnis (Sicherheit/Wohlstand), Performance</td></tr></tbody></table></figure>



<p>Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Carl Schmitt mit seiner „absoluten“ Sichtweise generell im Trend zu liegen scheint, wenn man auf die scheinbar immer striktere politische Lagerbildung nicht nur in den USA, auch in Europa und hierzulande blickt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abgrenzung über Kapitalismus und Technisierung</strong></h2>



<p>Während jedoch Schmitt seine Ausführungen zu Freund-/Feind und zur Souveränität nutzen wollte, um für einen stärkeren, entpolitisierten Staat in seinem Sinne zu argumentieren – einen Staat, der die Fronten klar erkennt und handelt), verwenden Technolibertarians Schmitt, um das Gegenteil zu erreichen: die Abschaffung von Staatlichkeit durch Dezentralisierung, Exit-Optionen, private Souveränität durch Technik. Damit wird die Kritik am Liberalismus zu einer libertären Waffe umgewidmet. Durch Kryptographie, dezentrale Netzwerke, <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain">blockchain</a>-basierte <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Governance">Governance</a>-Strukturen, argumentieren Technolibertarians, könne man die politische Frage lösen. Und zwar indem man diese technisiert: Anstelle von Staaten oder Ideologien, die über Freund und Feind entscheiden, sollen <a href="https://nerdwaerts.de/2025/03/governance-of-things-ki-und-daos-in-der-politik/">Algorithmen und kryptographische Systeme treten</a>.</p>



<p>Marktwirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kommt dabei eine ganz entscheidende Rolle zu. Sie dürfte zum wichtigsten Maßstab bei der Polis-Bildung werden. Die dem Freund-Feind-Ansatz zugrunde liegende Andersartigkeit, definiert sich dann ganz erheblich an den ökonomischen Voraussetzungen des Einzelnen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a>&nbsp;Söllner, Alfons (1992). Kronjurist des Dritten Reiches – Das Bild Carl Schmitts in den Schriften der Emigranten, in:&nbsp;Jahrbuch für Antisemitismusforschung, 1992, Band 1. S. 191-216</p>



<p><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Moldbug, Mencius (Curtis Yarvin) (2009)., A Gentle Introduction to Unqualified Reservations, S. 129/249; Moldbug, Mencius (Curtis Yarvin) (2021). Gray Mirror: A brief explanation of the cathedral, <a href="https://graymirror.substack.com/p/a-brief-explanation-of-the-cathedral">https://graymirror.substack.com/p/a-brief-explanation-of-the-cathedral</a></p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 14</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 14f</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Schmitt, Carl (1922): Politische Theologie, S. 13</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Burrows, Roger (2018). On Neoreaction And other romantic delusions. The Sociological Review Magazine. 29.09.2018, <a href="https://thesociologicalreview.org/projects/undisciplining/talks-discussions-and-debates/on-neoreaction/">https://thesociologicalreview.org/projects/undisciplining/talks-discussions-and-debates/on-neoreaction/</a></p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Srinivasan, Balaji (2022). The Network State: How To Start a New Country, Amazon Kindle</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Thiel, Peter (2007). The Straussian Moment. In: Thiel, Peter (Hrsg.). Politics and the Apocalypse, S. 189 &#8211; 218</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Thiel, Peter (2009). The Education of a Libertarian. In. Cato Unbound, 13.04.2009, <a href="https://www.cato-unbound.org/2009/04/13/peter-thiel/education-libertarian/">https://www.cato-unbound.org/2009/04/13/peter-thiel/education-libertarian/</a></p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Schmitt, Carl (1923): Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. <a href="https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428550302.pdf">https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428550302.pdf</a>, S. 13</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Schmitt, Carl (1923): Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. <a href="https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428550302.pdf">https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428550302.pdf</a>, S. 5f</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Lessig, Lawrence (1999): Code and Other Laws of Cyberspace. New York.</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 67</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 69f</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Moldbug, Mencius (Curtis Yarvin) (2007). How Dawkins got pawned. <a href="https://www.unqualified-reservations.org/pdfs/how_dawkins_got_pwned.pdf">https://www.unqualified-reservations.org/pdfs/how_dawkins_got_pwned.pdf</a>, S. 102</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 16, 23f</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Mace, Samuel (2023). Carl Schmitt Is Not Your Friend, in: FUSION, https://fusionaier.org/2023/carl-schmitt-is-not-your-friend/</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 60: „Erklärt ein Teil des Volkes, keinen Feind mehr zu kennen, so stellt er sich nach Lage der Sache auf die Seite der Feinde und hilft ihnen, aber die Unterscheidung von Freund und Feind ist damit nicht aufgehoben.“</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a>Schmitt, Carl (1932). Der Begriff des Politischen, München/Leipzig, Duncker &amp; Humblot, S. 43</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Anton, Michael unter Publius Decius Mus) (2016). The Flight 93 Election. In: Claremont Review of Books, 05.09.2016, <a href="https://claremontreviewofbooks.com/digital/the-flight-93-election/">https://claremontreviewofbooks.com/digital/the-flight-93-election/</a> , vgl. auch <a href="https://nymag.com/intelligencer/article/michael-antons-flight-93-election-trump-coup.html">https://nymag.com/intelligencer/article/michael-antons-flight-93-election-trump-coup.html</a></p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Duran, Gil (2024). The Tech Baron Seeking to Purge San Francisco of “Blues” <a href="https://newrepublic.com/article/180487/balaji-srinivasan-network-state-plutocrat">https://newrepublic.com/article/180487/balaji-srinivasan-network-state-plutocrat</a></p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Schmitt, Carl (1922): Politische Theologie, S. 13</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Jurecic, Quinta (2016). Donald Trump’s State of Exception, <a href="https://www.lawfaremedia.org/article/donald-trumps-state-exception">https://www.lawfaremedia.org/article/donald-trumps-state-exception</a></p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Schmitt, Carl (1922): Politische Theologie, S. 8</p>



<p id="block-c0287507-24b4-4fbe-a266-0d201c9727a0"><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Schneider, Szuanne (2024): Beyond Athens and Jerusalem. Far-right intellectuals love to steal left-wing economic ideas. But what’s their real agenda? In: Strange Matters, Issue 3, <a href="https://strangematters.coop/fascist-economic-debates-peter-thiel-curtis-yarvin/">https://strangematters.coop/fascist-economic-debates-peter-thiel-curtis-yarvin/</a></p>



<p id="block-e3189a46-bcc0-4d92-a927-f39819ed3344"></p>



<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Von Cyborgs und Digitalen Lebewesen: Wie generative KI&amp;VR menschliches Leben (und Sterben) verändern&#8220;:    </strong></p>



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		<title>Plattformökonomie ohne Plattform: Wie DAOs die Industrie 4.0 effizienter gestalten könnten.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 10:42:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Daten- & Algorithmusökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie 4.0]]></category>
		<category><![CDATA[Internet of Things]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Einsatz von Blockchain und Smart Contracts ermöglicht auch den Aufbau und Betrieb dezentraler autonomer Organisationen, sogenannter DAOs, die auf Grundlage eines zuvor fixierten Regelsystems automatisiert Entscheidungen treffen und an den Märkten als eigenständige Institution agieren können. Während DAOs in anderen Bereichen – in der Finanzwirtschaft und in der Creator-Economy – bereits regelmäßig zum Einsatz [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2025/12/plattformoekonomie-ohne-plattform-wie-daos-die-industrie-4-0-effizienter-gestalten-koennten/">Plattformökonomie ohne Plattform: Wie DAOs die Industrie 4.0 effizienter gestalten könnten.</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Der Einsatz von Blockchain und Smart Contracts ermöglicht auch den Aufbau und Betrieb dezentraler autonomer Organisationen, sogenannter DAOs, die auf Grundlage eines zuvor fixierten Regelsystems automatisiert Entscheidungen treffen und an den Märkten als eigenständige Institution agieren können. Während DAOs in anderen Bereichen – in der Finanzwirtschaft und in der Creator-Economy – bereits regelmäßig zum Einsatz kommen, ist im industriellen Umfeld eine entsprechende Nutzbarmachung bislang kaum zu verzeichnen. Dabei bietet gerade die Vernetzung durch das „Internet der Dinge“ hierfür sinnvolle Anknüpfungspunkte. Der Beitrag befasst sich mit den möglichen wirtschaftlichen Adaptionsansätzen und lotet potenzielle Geschäftsmodelle aus, die sich aus der Errichtung von DAOs in der „Industrie 4.0“ ergeben könnten.</strong></p>



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<span id="more-2100"></span>



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<p>Die vermutlich erstmalig bei der Kryptowährung Bitcoin – mit dem Rückgriff auf die <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-ohne-mining-wie-der-blick-auf-bitcoin-blockchain-unnoetig-verkompliziert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blockchain</a>-basierten Verfahren zur Verifzierung von Transaktionen &#8211; zum Einsatz gekommene „Distributed-Ledger-Technology“ („DLT“) hat sich heute auch jenseits finanzwirtschaftlicher Szenarien etabliert – etwa bei der Fixierung von „Eigentumsrechten“ an digitalen Gütern (NFTs) oder auch im Rahmen der Diskussion um ein zu errichtendes dezentrales „Web3“. Besonders vielversprechend erscheint der Rückgriff auf DLT im Rahmen industrieller Prozesse im Rahmen der „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Industrie+4&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Industrie 4.0</a>“. Eine große Zahl an entsprechenden „Blockchain-Projekten“ wurde in den vergangenen Jahren losgetreten. Häufig geschah dies allerdings mit der Umsetzung in Form von „Private Blockchains“, eigentlich einer Negierung des auf Dezentralisierung beruhenden DLT-Prinzips, welches ja eben gerade auf die Ausschaltung mächtiger Gatekeeper im System zielt. Andere Ansätze, beispielsweise im Supply-Chain-Bereich, nutzten die Technologie zur „fixierten“ Dokumentierung von Übergabepunkten, wobei hier in den allermeisten Fällen eine herkömmliche zentrale Datenbank vermutlich die bessere und effizientere Lösung gewesen wäre. Man kann wohl behaupten, dass das Potenzial der DLT bislang im Industrieumfeld noch nicht voll ausgeschöpft worden ist. Und womöglich bedarf es hier weiterführender Denkansätze und Strategien, die den aktuellen Entwicklungsstand aufnehmen und gezielt auf neue Anwendungsszenarien übertragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Automatische Exekution von Verträgen: Smart Contracts</h2>



<p>Im Rahmen von industriellen und ökonomischen Prozessen wird seit geraumer Zeit bereits auf sogenannte „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Smart+Contracts&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Smart Contracts</a>“ zurückgegriffen: Darunter versteht man technische Transaktionsprotokolle, welche die Einhaltung zuvor definierter Vertragsbestimmungen überwachen sowie autonom und mechanisiert die vereinbarten Konsequenzen ausführen. Die Anwendung des hier zugrundeliegenden, der Computerprogrammierung entlehnten IFTTT-Prinzips („if this … then that…“, „Wenn-Dann-Kausalität“) basiert auf der Annahme, dass sich zuvor definierte – und legitimierte – Entscheidungsmuster auf spätere Situationen anwenden lassen (vgl. „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Code_and_Other_Laws_of_Cyberspace" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Code is Law</a>“). Die nachfolgende Exekution anstehender Entscheidungen kann dann idealerweise autonom erfolgen, ohne dass es eines weiteren menschlichen Eingreifens zwingend bedürfte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">DAOs als institutionalisierte Smart Contracts</h2>



<p>Durch ein integriertes System aus einer Vielzahl dieser Smart Contracts ist es möglich, ganze Organisationen mit autonomen,<a href="http://: https://blog.ethereum.org/2015/12/04/ethereum-in-practice-part-2-how-to-build-a-better-democracy-in-under-a-100-lines-of-code/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> vollständig mechanisierten, dezentralen Entscheidungsstrukturen abzubilden</a>, sogenannte „Decentralized Autonomous Organisations“ (DAOs). Während auf diese Organisationsformen in der Vergangenheit vor allem in der Finanzwirtschaft, für Fonds und für die Tätigung von Investitionen zurückgegriffen wurde, haben sich inzwischen auch weitere Einsatzfelder für DAOs <a href="https://www.alchemy.com/blog/types-of-daos" target="_blank" rel="noreferrer noopener">entwickelt</a>. Zum Teil weisen diese eher einen genossenschaftlichen Charakter auf, wie etwa die „Creator-DAOs“, beispielsweise „Friends-With-Benefits“, eine DAO, die im Wesentlichen verschiedene Freelancer aus dem Digitalumfeld zusammenführt und deren Talente gebündelt auf die Märkte bringt. Aber auch die Verfolgung und Finanzierung politischer Ziele können Zweck einer DAO sein, wie etwa die „Assange-DAO“, die US-$ 53 Mio. für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange <a href="https://de.cointelegraph.com/news/53-million-raised-for-assange-showed-the-power-of-daos" target="_blank" rel="noreferrer noopener">einsammelte</a>.</p>



<p>Die Steuerung von DAOs erfolgt automatisiert auf Basis von Bedingungen, welche die Mitglieder bzw. Teilhaber durch ein <a href="http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3082055" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abstimmungsverfahren</a> im Vorfeld von Entscheidungssituationen festlegen. Meist wird über eingebrachte Vorschläge mittels &nbsp;nach kumulierten Eigentumsrechten und Kapitaleinlagen gewichteten Stimmen und unter der Maßgabe der Einhaltung eines bestimmten Quorums entschieden, wenngleich auch <a href="https://medium.com/daostack/voting-options-in-daos-b86e5c69a3e3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">andere Stimmrechtsprinzipien (z.B. nach erworbener Reputation) denkbar sind</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">DAOs in der Industrie 4.0</h2>



<p>Das Prinzip der DAOs ließe sich gut auf die Anforderungen der Industrie 4.0 übertragen. Wenn DAOs Organisationsformen zur mechanisierten Abwicklung von standardisierten Abläufen repräsentieren, so läge eine Chance in der Institutionalisierung der Prozesse des (Industrial) Internet of Things und der Ermöglichung dezentraler, direkter Transaktionen zwischen den einzelnen vernetzten „Dingen“, Geräten und Maschinen. Die DAO könnte hier gewissermaßen als Klammer und strukturgebender Rahmen dienen, der, auf Basis eines Systems ineinandergreifender Smart Contracts, eine „autonome Ordnung der Maschinen“ sicherstellt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blockchain 3.0: Gerichtete Azyklische Graphen</h2>



<p>Schon seit längerem wird an der dafür notwendigen technischen Basis gearbeitet: Während man von der Bitcoin-Blockchain manchmal als „Blockchain 1.0“ und von Ethereum, aufgrund des zugrundeliegenden, jedwede Art von Smart Contracts ermöglichenden „General Purpose“-Ansatzes, von „Blockchain 2.0“ spricht, hat sich mit der DAG-Technologie („Directed Acyclic Graph“) eine neue Stufe der Weiterentwicklung etabliert, die in der Vergangenheit auch mit „Blockchain 3.0“ <a href="https://ieeexplore.ieee.org/document/8758979" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bezeichnet wurde</a>. Derartige Ansätze, wie sie beispielsweise in unterschiedlicher Ausprägung von IOTA, IOTChain, Byteball oder DAGCOIN vertreten werden, zielen vor allem auf das „Internet der Dinge“, um dort Transaktionen zwischen einzelnen Maschinen und Geräten dezentral abzubilden. Für diese Vorgänge ist weder die Zeit noch die notwendige Energie für ein aufwändiges Mining- und Validierungsverfahren vorhanden. Zudem gestalten sich die Anforderungen an die Manipulationssicherheit hier weit weniger kritisch als dies bei einem digitalen Geldsystem wie Bitcoin der Fall ist. Damit kann es grundsätzlich gelingen, einige der Kinderkrankheiten der vorangegangenen Blockchain-Protokolle über Bord zu werfen.</p>



<p>Weniger formal streng als die vorangegangenen Ansätze, ermöglichen die „Gerichteten Azyklischen Graphen“, eine Blockchain-ähnliche Struktur, in der weiterhin die Transaktionen transparent, chronologisch und unveränderbar in einem Netzwerk gespeichert werden. Statt eines komplexen Mining-Verfahrens wird die Validierung der Transaktionen aber durch andere Maßnahmen incentiviert, etwa indem Teilnehmer nur dann Transaktionen selbst durchführen können, wenn sie zuvor selbst mehrere Transaktionen anderer Teilnehmer überprüft und freigegeben haben. Gleichzeitig eliminiert man damit typische Probleme der Distributed-Ledger-Technologie, wie etwa den hohen Verbrauch an Energie- und Zeitressourcen beim Mining, und man umgeht gleichzeitig auch das „51%-Problem“, wonach, sobald ein einzelner Akteur mehr als die Hälfte der „Mining-Macht“ im System erreicht hat, er dieses dominieren kann und damit die Dezentralität letztlich „aushebelt“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">M2M-Austausch im Internet der Dinge</h2>



<p>Wenn Maschinen eigenständig miteinander kommunizieren und in der Lage sind, dabei unabhängig vom menschlichen Eingriff Transaktionen untereinander auszuführen, birgt dies erhebliches Veränderungspotenzial. Im Wege von Machine-to-Machine-Payment (M2M) könnte eine Maschine die notwendigen Vorprodukte autonom im „Internet der Dinge“ einkaufen und erhielte bei Übergabe des durch sie erstellten fertigen Produktes eine entsprechende Gutschrift. Auf diese Weise entstünde eine dezentrale, unabhängige Konto- und Transaktionsverwaltung der einzelnen „Dinge“ untereinander.</p>



<p>Eine Industrie-DAO, die verschiedene maschinelle Systeme unter einem institutionellen Dach vereint, würde die heutige betriebliche Organisation auf den Kopf stellen. Im Binnenverhältnis führte dies zu einer deutlich fortgeschritteneren Automatisierung. Fertigung und Logistik wären keine losgelösten Einheiten mehr, sondern würden zu integrierten Abläufen verschmolzen – bestehende fixierte Strukturen würden zu interdependenten Prozessen. Das alte Versprechen des „Internets der Dinge“, von den sich selbst wartenden und eigenständig Nachschub beschaffenden Maschinen könnte damit endlich auch organisatorisch eingelöst werden. Buchführung und Controlling stünden nun eigene maschinenspezifischen Kosten- und Leistungsträger sowie eigene Profitcenter je Einheit zur Verfügung. Management und betriebliche Steuerung hätten damit direkten und ungefilterten Zugriff auf die internen Wertschöpfungsprozesse. Nach außen verkörperte eine entsprechende DAO eine eigene, „souveräne“ Instanz, die prinzipiell als unabhängige Schnittstelle fungiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Organisation von Industriekooperation durch DAOs</h2>



<p>Aber auch eine Kooperation bei Fertigung und Logistik verschiedener Teilhaber ließe sich damit realisieren, indem die jeweiligen Beteiligten auf Grundlage eines zuvor abgestimmten Regelwerkes ihren individuellen Beitrag am Gesamtprozess – maschinelle Ressourcen und arbeitsteilige Leistungen – einbringen. Dadurch entstünden neue Organisationsformen, die auch neue Geschäftsmodelle, innerhalb und außerhalb dieser dezentralen Organisationen ermöglichten. Ab einer kritischen Größe der DAO – also ausreichend eingebrachter und verfügbarer Kapazitäten – führt die Dezentralität zu einer hohen Flexibilität in der Ressourcenplanung auf der Seite potenzieller Nachfrager. Verschiedene in einer DAO organisierte Anbieter dieser maschinellen Ressourcen könnten über Smart Contracts und entsprechende Regelwerke ihre Kapazitäten dem Markt institutionalisiert zur Verfügung stellen. Denkbar wäre dabei auch die Einführung automatisierter Auktionen, wie sie aus dem Werbeflächenhandel im <a href="https://nerdwaerts.de/2016/01/targeting-big-data-programmatic-advertising-als-antwort-auf-die-fragmentierung-der-zielgruppen-zielgruppenfragmentierung-und-mediaplanung-im-digitalen-zeitalter-57/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Programmatic Advertising</a>, insbesondere bei Google oder auch bei Facebook, bekannt sind. Dabei werden die Preise maschinell, eigenständig auf Basis der erhobenen Marktdaten und Kapazitätsauslastungen, und <a href="https://nerdwaerts.de/2020/11/media-planung-programmatic-advertising-und-ki/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dynamisch ermittelt</a>. Die auf dieser Grundlage zustande gekommenen Transaktionen würden in einem Distributed Ledger fixiert und das entsprechende Entgelt dann nach Vertragserfüllung automatisch dem „Kontobuch“ der jeweiligen Leistungseinheit gutgeschrieben. Ohne Rückgriff auf einen Intermediär, der für seine Tätigkeit der Marktorganisation ein Entgelt beanspruchen könnte, hätte man damit eine Wertschöpfungsorganisation für die Industrie geschaffen – eine Plattformökonomie ohne Plattform.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein neuer Wirtschaftssektor autonomer Maschinen?</h2>



<p>Ausgestattet mit einem eigenen Budget und einer autonomen Kapazitätserfassung wären einzelne Geräte und Maschinen damit zudem in der Lage, selbsttätig am Wirtschaftskreislauf teilzunehmen. Diese „Automatisierung der Automation“ könnte in letzter Konsequenz sogar in einer autonomen „Maschinenwirtschaft“ münden, in der intelligente Industriesysteme untereinander Prozesse und Güterströme eigenständig organisieren und abwickeln. Ein neuer, eigener Wirtschaftssektor wäre geboren.</p>



<p>Die damit verbundenen Auswirkungen wären sehr weitreichend. Unabhängig von ihrer Bewertung gewännen viele in der Vergangenheit diskutierte – und oft verworfene – Konzepte und Ideenansätze eine neue Relevanz. Denn auf einmal würden Themen wie die „Besteuerung von Maschinen“ und auch das „Bedingungslose Grundeinkommen“ eine ganz andere Aktualität und womöglich auch Plausibilität besitzen.</p>



<p>Dies setzt allerdings voraus, dass „Blockchain“ und das DLT-Konzept breiter gedacht werden als bisher. Die Chancen und neue Geschäftsmodelle in diesem Kontext liegen in der effizienten Kooperation der Marktteilnehmer – und nicht in betrieblichen Insellösungen.&nbsp;</p>



<p></p>



<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;:    </strong></p>



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		<title>Zeit für Utopien: Solarpunk – eine erstrebenswerte Zukunft mit KI und Nachhaltigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 07:16:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es scheint so, als sei Optimismus angesichts der aktuellen Weltlage unangebracht. Aber vielleicht brauchen wir gerade deshalb wieder mehr positive Narrative?&#160;Jenseits aller politischen Sichtweisen ist unbestreitbar, dass die technischen Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere auch im Kontext der Digitalisierung, in der Lage sind, die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen maßgeblich zu beeinflussen. Neben den vielen diskutierten [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2025/09/zeit-fuer-utopien-solarpunk-eine-erstrebenswerte-zukunft-mit-ki-und-nachhaltigkeit/">Zeit für Utopien: Solarpunk – eine erstrebenswerte Zukunft mit KI und Nachhaltigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Es scheint so, als sei Optimismus angesichts der aktuellen Weltlage unangebracht. Aber vielleicht brauchen wir gerade deshalb wieder mehr positive Narrative?&nbsp;Jenseits aller politischen Sichtweisen ist unbestreitbar, dass die technischen Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere auch im Kontext der Digitalisierung, in der Lage sind, die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen maßgeblich zu beeinflussen. Neben den vielen diskutierten dystopischen Szenarien gibt es aber auch positive, ausdrücklich lebensbejahende Ansätze. Als zunehmend prominent werdendes Beispiel sticht dabei die Vision des Solarpunk heraus. KI kann dabei eine wichtige Rolle spielen.</strong></p>



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<span id="more-2424"></span>



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<p>Solarpunk kann als positives Zukunftsszenario begriffen werden, das sich konstruktiv mit dem ökologischen und ökonomischen Status Quo auseinandersetzt und der Überzeugung folgt, dass technologischer Fortschritt und ökologische Regeneration miteinander vereinbar sind. Anstatt angesichts düsterer Entwicklungsprojektionen in Schockstarre zu verfallen, wird versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie eine lebenswerte Post-Carbon-Gesellschaft tatsächlich aussehen könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Steampunk, Cyperpunk – Solarpunk</strong></h2>



<p>Der Begriff des Solarpunk <a href="https://republicofthebees.blogspot.com/2008/04/from-steampunk-to-solarpunk.html">orientiert sich an dem ähnlich gelagerten Phänomen des Steampunks</a>, welches wiederum seinen Ursprung in den dystopischen Narrativen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cyberpunk">Cyberpunks</a> hat. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk">Steampunk</a> steht für eine alternative Zukunft (oder Welt), in der Dampftechnologie wie auch andere Entwicklungen aus der „Viktorianischen Ära“ – viele Steampunk-Szenarien sind im angelsächsischen Kulturraum im zeitlichen Kontext des 19. Jahrhunderts angesiedelt – nicht durch ölbasierte Technologien verdrängt wurden. Elektrizität spielt hier meist allenfalls als aufkommende, aber noch nicht realisierte Technikvision eine Rolle.</p>



<p>Der Wortteil „punk“ kann dabei verschiedene Bedeutungen haben. Einerseits wird auf die dem Erzählkosmos oft zugrundeliegenden „do-it-yourself“-Ansätze angespielt, andererseits – und hier lassen sich Überschneidungen mit dem Cyberpunk ausmachen – betont dies einen gewissen disruptiven Charakter, nämlich eine Haltung, welche der jeweils vorherrschenden Gesellschaftsform tendenziell kritisch gegenübersteht oder diese gänzlich ablehnt.</p>



<p>Wie beim Cyberpunk, der vor allem auf die Science-Fiction-Werke von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_Gibson">William Gibson</a> (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neuromancer-Trilogie">Neuromancer</a>,&#8230;) zurückzuführen ist und in der Regel eine symbiotische Verbindung von Mensch und digitalen Systemen umschreibt, werden die sozialen Rahmenbedingungen als zumindest beengend, aber mitunter auch als autoritär oder sogar totalitär skizziert. Ebenfalls lässt sich bei beiden Genres regelmäßig Kapitalismuskritik als Leitthema ausmachen – die Ressourcen sind in den Narrativen meist in wenigen Händen gebündelt, wodurch Machtungleichgewichte entstehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Solarpunk als eigenständiges Phänomen</strong></h2>



<p>Während Cyberpunk eigentlich immer dystopische Züge trägt und Steampunk oft als eskapistische und „<a href="https://www.re-des.org/es/ein-solarpunk-manifest-deutsch/">retro-futuristische</a>“ Gegen- bzw. Alternativkultur betrachtet wird, setzt Solarpunk mit seinem ausdrücklich positiven und aktiv gestaltenden Selbstverständnis einen Kontrapunkt als hoffnungsvolle Vision für eine nachhaltige Zukunft. Solarpunk ist dabei gleichzeitig ästhetische Bewegung, literarisches Genre wie auch soziale Philosophie, die an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft angesiedelt ist. Im Kern steht die Überzeugung, dass eine nachhaltige, gerechte und lebenswerte Zukunft nicht nur möglich, sondern bereits im Entstehen begriffen ist. Trotz des Bestandteils &#8222;Solar&#8220;, umfasst der Begriff Solarpunk weit mehr als nur Photovoltaik. Es geht dabei vielmehr um ein ganzes Ökosystem nachhaltiger Ansätze.</p>



<p>Kern des Solarpunk-Denkens ist das Prinzip der&nbsp;<strong>regenerativen Kultur</strong>, das auf drei Säulen ruht:</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li><strong>Technologische Souveränität</strong>: Dezentrale erneuerbare Energiesysteme ersetzen fossile Infrastrukturen, wobei Solarenergie aufgrund ihrer potenziellen Dezentralität als Symbol für Autarkie und Partizipation dient.</li>



<li><strong>Ökosoziale Gerechtigkeit</strong>: <a href="https://utopia.de/ratgeber/solarpunk-science-fiction-zukunft-und-utopische-bewegung_445579/">Gefordert</a> wird der Abbau hierarchischer Machtstrukturen zugunsten gemeinschaftlicher Entscheidungsprozesse und als fair empfundener Ressourcenverteilung.</li>



<li><strong>Ästhetische Transformation</strong>: Sterile Ästhetik „kapitalistischer Urbanität“ soll durch „grüne“ Architektur abgelöst werden, dabei werden oft Kombinationen von <a href="https://www.re-des.org/es/ein-solarpunk-manifest-deutsch/">Elementen des Art-Nouveau </a>mit <a href="https://utopia.de/ratgeber/solarpunk-science-fiction-zukunft-und-utopische-bewegung_445579/">sichtbar </a><a href="https://solar-punk.org/2024/11/22/wie-sieht-der-wandel-aus/">ausufernder Vegetation</a> an den Häuserfronten als stilprägend postuliert.</li>
</ol>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1.jpg" alt="" class="wp-image-2439" srcset="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1.jpg 1024w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1-300x225.jpg 300w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1-768x576.jpg 768w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-1-624x468.jpg 624w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Solarpunk-Siedlung (erstellt mit Grok)</em></figcaption></figure>



<p>Die Existenz von Solarpunk in der Lebenswirklichkeit beginnt somit bereits mit dem „Solar-Balkonkraftwerk“. Sie zeigt sich ferner in einschlägigen innovativen Architekturprojekten. Sie weist aber auch einen klaren Technik- und Digitalisierungsbezug auf, einerseits in Bezug auf dezentrale und kollektive Aspekte, wie der Verwendung von Open-Source-Hardware und -Software oder auch <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-ohne-mining-wie-der-blick-auf-bitcoin-blockchain-unnoetig-verkompliziert/">Blockchain</a> als <a href="https://nerdwaerts.de/2025/03/governance-of-things-ki-und-daos-in-der-politik/">„demokratischer“ Technologie</a>, die schon lange als Instrument der Organisation dezentraler Energiemärkte <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/willkommen-in-der-matrix-wie-ki-und-blockchain-in-der-industrie-4-0-zusammenwachsen/">diskutiert</a> wird. Andererseits dürfte gerade in jüngerer Zeit <a href="https://nerdwaerts.de/?s=KI">Künstliche Intelligenz</a> (KI) und insbesondere <a href="https://nerdwaerts.de/2024/10/von-cyborgs-und-digitalen-lebewesen-wie-generative-kivr-menschliches-leben-und-sterben-veraendern/">generative KI</a> als „Ermächtigungstechnik“ in diesem Kontext an Bedeutung gewinnen.</p>



<p>Im Mittelpunkt steht meist die Überzeugung, dass Technologie nicht zwangsläufig umweltschädlich oder entfremdend sein muss, sondern als Werkzeug ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit dienen kann. Insbesondere den potenziellen Fähigkeiten „digitaler“ Technologien, bürgerliche Ermächtigung und Unabhängigkeit von zentralen kommerziellen Akteuren zu ermöglichen, kommt dabei eine große Bedeutung zu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>KI und Solarpunk</strong></h2>



<p>Anwendungsbeispiele von KI mit Bezug zu <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Solarpunk">Solarpunk</a> finden sich vor allem bei der Aufbereitung und Verwertung lokal gesammelter Daten. Durch Sensoren lassen sich etwa dezentral relevante Informationen zu Mikroklimata erfassen, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit. Daraus könnten dann mittels KI standortspezifische Pflanzempfehlungen generiert werden. Flankiert durch personalisierte Apps, wäre somit auch Gartenbau nicht nur entlang lokaler Gegebenheiten, sondern auch entsprechend individueller Ernährungsgewohnheiten und Geschmacksprofilen denkbar.</p>



<p>Aus der Verknüpfung der gesammelten Daten mit den individuellen Profilen können Musterabgleiche erfolgen, anhand derer Vorschläge für die Bepflanzung unterbreitet werden. Analog sind Handreichungen für die individualisierte Optimierung der Ausrichtung von Solarpaneelen oder bei der Steuerung und Verwaltung von Miniwindkraftwerken denkbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Blockchain und Solarpunk</strong></h2>



<p>Wichtig ist dabei, dass diese Daten an verschiedenen Stellen dezentral gesammelt, verarbeitet und verwaltet werden. Dafür gibt es bereits, oft <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain">Blockchain</a>-basiert,<a href="https://nerdwaerts.de/2018/12/der-weg-zur-roboterautonomie-wie-ki-und-blockchain-die-maschinengesellschaft-erschaffen-koennten/"> erste Anwendungen</a>. Diese soll es ermöglichen, via <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Distributed+Ledger">Distributed-Ledger-Technologie</a> eigene KI-Assistenten für derartige <a href="https://nerdwaerts.de/2018/01/industrie-5-0/">Anwendungsfälle </a>aufzusetzen (z.B. <a href="https://www.virtuals.io/about">Virtuals</a>) oder verschiedene Machine-Learning-Ansätze dezentral miteinander zu verknüpfen (<a href="https://bittensor.com/about">Bittensor/TAO</a>).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Intelligente Ressourcennutzung</strong></h2>



<p>Schon länger sind Konzepte derartiger dezentraler Netzwerke bei der Energieerzeugung und -distribution bekannt. Dabei speisen die lokalen, „privaten“ Erzeuger ihren selbsterzeugten Strom nicht einfach bei Ihrem Versorger gegen die festgelegte staatliche Vergütung ein, sondern würden damit in die Lage versetzt, den Strom direkt auf den Märkten anzubieten oder intelligent, über <a href="https://www.bmwk-energiewende.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2019/05/Meldung/direkt-erklaert.html">Smart Grids</a> zu „parken“.</p>



<p>Die Administration der eingesetzten Technik dürfte zunehmend komplexer werden. Um Skaleneffekte und Effizienzsteigerungen zu erzielen, bietet sich eine Vernetzung der einzelnen dezentralen Stellen an. Dabei besteht die Gefahr eines Trade-Offs zwischen der Zentralisierung von Verfügungsmacht, die der Solarpunk-Idee zugrundeliegenden Idee autonomer Dezentralität entgegensteht, und der Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit der Systeme.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Solarpunk mit eigenem Betriebssystem</strong></h2>



<p>Um diesen Widerspruch aufzulösen und dennoch lokale wie globale Vernetzung zwischen einzelnen „Solarpunk“-Ansätzen zu ermöglichen, gibt es inzwischen erste technische Lösungsansätze, die ebenfalls auf KI und maschinelles Lernen zurückgreifen. Das Projekt der <a href="https://www.regenvillages.com/">ReGen-Villages</a> hat die Errichtung ökologisch nachhaltiger und energieautarker Siedlungen zum Ziel. Ein „<a href="https://www.uni-weimar.de/uploads/tx_showcase/05_ReGen_Villages.pdf">Betriebssystem</a>“, das sogenannte VillageOS, dient dazu, auf lokale Vorgänge reagieren zu können und entsprechend optimierte, automatisierte Anpassungen vorzunehmen. Somit soll es beispielsweise Wasserzyklen und Stromnutzung koordinieren, um auf diese Weise die bestmögliche Bewirtschaftung sicherzustellen. Dabei werden permanent Daten <a href="https://www.uni-weimar.de/uploads/tx_showcase/05_ReGen_Villages.pdf">gesammelt</a>, um sie für das Training von KI-Modellen nutzbar zu machen. Ziel ist es, dass das Betriebssystem somit in die Lage versetzt wird, Muster als Planungsgrundlagen abzuleiten und daraus Entscheidungen für die weitere städtebauliche und architektonische Entwicklung treffen können.</p>



<p>Das Konzept soll global ausgerollt werden, wobei die Vernetzung der einzelnen Standorte als wichtiges Erfolgskriterium betrachtet wird. Das „Betriebssystem“ braucht entsprechend für neue Siedlungen nur „installiert“ zu werden. Gleichzeitigt vergrößert sich damit sukzessive die Datenbasis, was zu verbesserten Musterprognosen führen sollte, die für das lokale Ressourcenmanagement der Standorte herangezogen werden. <a href="https://www.regenvillages.com/">Ziel ist eine KI-basierte, autonome Steuerung sämtlicher technischer Prozesse</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Generative KI und 3D-Technik für Solarpunk-Anwendungen</strong></h2>



<p>Neben der Ausführung dieser operativen Maßnahmen, soll KI auch bei der Planung und Weiterentwicklung des Systems <a href="https://singularityhub.com/2024/12/29/inside-villageos-a-simcity-like-tool-for-regenerative-living-spaces/">Verwendung finden</a>. Dabei greift man auf KI-gestütztes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generative_Gestaltung">Generatives Design</a> mittels sprachgestützter Dateneingabe und erstellter 3D-Karten  (via <a href="https://www.unrealengine.com/de">Unreal Engine</a> und <a href="https://cesium.com/">Cesium</a>) zurück. Ein Bewohner oder „Anwender“, der beispielsweise die Wasserversorgung verbessern möchte, kann per „Prompting“ Ziele wie „Maximierung der Regenwasserspeicherung“ oder „Verringerung des Abflusses“ vorgeben. Die Software soll dann durch die Verknüpfung mit den angelegten Datenbanken den besten Standort für ein Wasserreservoir auf einem realen Grundstück ermitteln. Das Gleiche gilt für die Planung von Wohn- und Energiesystemen oder die Auswahl geeigneter klimaresistenter Pflanzen und deren Anbauorte.</p>



<p>Aktuell befindet <a href="https://www.regenvillages.com/">ReGen</a> laut Website mit seinem VillageOS in der praktischen Pilotphase und erprobt die Anwendungen an ersten Standorten. Auch wenn es sich hier um ein Investmentprojekt handelt, zeigt es ganz gut, wohin die Entwicklung gehen könnte. Die Realisierung der Solarpunk-Ideen wird in der Praxis auf derartige Technik zurückgreifen müssen, wenn eine großflächige Bewegung initialisiert werden soll. Der immer niedrigschwelligere Rückgriff auf KI und andere „digitale“ Technologien könnte hier für eine neue Dynamik sorgen.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" data-id="2435" src="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1.jpg" alt="" class="wp-image-2435" srcset="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1.jpg 1024w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1-300x225.jpg 300w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1-768x576.jpg 768w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-1-624x468.jpg 624w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



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<p>                        </p>



<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Von Cyborgs und Digitalen Lebewesen: Wie generative KI&amp;VR menschliches Leben (und Sterben) verändern&#8220;:    </strong></p>



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<p><em>
Mehr Informationen zum Thema KI im Marketing finden Sie im Buch von <a href="https://nerdwaerts.de/keynotes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andreas Wagener</a> <a href="https://www.amazon.de/K%C3%BCnstliche-Intelligenz-Marketing-verbirgt-profitieren/dp/3648169572?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&#038;crid=3LEYA68C1IHK9&#038;dib=eyJ2IjoiMSJ9.F0DFVjJXx3RDUq5AFGWmW72IYdQUzCcPngROcCJNE8MrT5C61IF2XaAkWPd_le2b5NPhi5td5gIJMn6bRqSJciSKGXyMa6Rl2rf8dzSbVR6sTRH9Exy9GurFiPKH0yYGAZsFgvQG6NeyubdeZNaRWEVcjwmhJmc_nJl4oafIWLlMbBn9e6hu_Jy3DVmk4iAv3Lg4OEXfVaJm88L9Q4G9iDM7nArvced8A0fx9Qj9qe0.nP-dKqYU-gE_d5W1Xtmrr8y7DR5pgrkPbPFkThWYiuY&#038;dib_tag=se&#038;keywords=Wagener+KI+im+Marketing&#038;qid=1728994048&#038;sprefix=wagener+ki+im+marketing%2Caps%2C94&#038;sr=8-1&#038;linkCode=ll1&#038;tag=nerdwaerts-21&#038;linkId=e5074a981472dec11b04d62f77503207&#038;language=de_DE&#038;ref_=as_li_ss_tl">Künstliche Intelligenz im Marketing</a>, Haufe, Freiburg, 2023</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><a href="https://www.amazon.de/K%C3%BCnstliche-Intelligenz-Marketing-verbirgt-profitieren/dp/3648169572?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3LEYA68C1IHK9&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.F0DFVjJXx3RDUq5AFGWmW72IYdQUzCcPngROcCJNE8MrT5C61IF2XaAkWPd_le2b5NPhi5td5gIJMn6bRqSJciSKGXyMa6Rl2rf8dzSbVR6sTRH9Exy9GurFiPKH0yYGAZsFgvQG6NeyubdeZNaRWEVcjwmhJmc_nJl4oafIWLlMbBn9e6hu_Jy3DVmk4iAv3Lg4OEXfVaJm88L9Q4G9iDM7nArvced8A0fx9Qj9qe0.nP-dKqYU-gE_d5W1Xtmrr8y7DR5pgrkPbPFkThWYiuY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Wagener+KI+im+Marketing&amp;qid=1728994048&amp;sprefix=wagener+ki+im+marketing%2Caps%2C94&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll1&amp;tag=nerdwaerts-21&amp;linkId=e5074a981472dec11b04d62f77503207&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl"><img loading="lazy" decoding="async" width="345" height="466" src="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2024/10/Kuenstliche-Intelligenz-im-Marketing-2023.jpg" alt="" class="wp-image-2211" style="width:248px;height:auto" srcset="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2024/10/Kuenstliche-Intelligenz-im-Marketing-2023.jpg 345w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2024/10/Kuenstliche-Intelligenz-im-Marketing-2023-222x300.jpg 222w" sizes="auto, (max-width: 345px) 100vw, 345px" /></a></figure>



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		<title>Governance of Things: KI und DAOs in der Politik</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2025/03/governance-of-things-ki-und-daos-in-der-politik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 10:33:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nach einer Studie des spanischen Center of the Governance of Change würde ein Viertel der Befragten Europäer es bevorzugen, dass politische Entscheidungen eher von einer KI als von Politikern aus Fleisch und Blut getroffen werden würden. Damit würde der Endpunkt einer Entwicklung zunehmender Mechanisierung gesellschaftlicher Prozesse beschrieben, die vor allem durch den Rückgriff auf Technologien [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Nach einer Studie des spanischen Center of the Governance of Change würde ein Viertel der Befragten Europäer es bevorzugen, dass politische Entscheidungen eher von einer KI als von Politikern aus Fleisch und Blut getroffen werden würden. Damit würde der Endpunkt einer Entwicklung zunehmender Mechanisierung gesellschaftlicher Prozesse beschrieben, die vor allem durch den Rückgriff auf Technologien wie Maschinelles Lernen und Blockchain möglich wird.</strong> <strong>Führt dies zu mehr in Verwaltung und Staat oder befinden wir uns damit auf dem Weg in eine Dystopie?</strong></p>



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<span id="more-2121"></span>



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<p>Schon seit längerem diskutieren die Sozialwissenschaften den Einfluss der Digitalisierung auf die gesellschaftliche Entscheidungsfindung. Aufgrund des zunehmenden Rückgriffs auf Algorithmen und Verfahren des maschinellen Lernens im Rahmen von „<a href="https://nerdwaerts.de/2022/03/transparenz-und-verantwortung-das-legitimationsproblem-algorithmischer-entscheidungen-in-der-politik/">Algorithmic Governance</a>“ und des „Automated Decision Making“ (ADM) in der praktischen Politik ergeben sich Fragestellungen im Bereich der Legitimation und ethischen Vertretbarkeit derartiger Vorstöße (Wagener 2021). Ähnlich verhält es sich mit Anwendungsszenarien für die Distributed-Ledger-Technologie, etwa dem Konzept der „Liquid Democracy“ (Bastgen / Winkler, 2013) mit dem die Behebung von Leistungsdefiziten der repräsentativen Demokratie durch die Implementierung von Automatismen zur Umsetzung des Wählerwillens bis hin zu einer <a href="https://blog.ethereum.org/2015/12/04/ethereum-in-practice-part-2-how-to-build-a-better-democracy-in-under-a-100-lines-of-code/">„Imperativierung“ des Mandats</a> verbunden werden (van de Sande, 2015)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Smart Contacts und DAOs</h2>



<p>Im Rahmen von industriellen und betriebswirtschaftlichen Prozessen werden über „Smart Contracts“ schon seit geraumer Zeit auf Grundlage logischer „Wenn-Dann“-Kausalitäten vorab getroffene Vereinbarungskonsequenzen automatisiert exekutiert. Durch ein integriertes System aus einer Vielzahl dieser Smart Contracts ist es möglich, ganze Organisationen mit autonomen, vollständig mechanisierten, dezentralen Entscheidungsstrukturen abzubilden, sogenannte „Decentralized Autonomous Organisations“ (DAOs).</p>



<p>Eine Übertragung dieses Prinzips auf die Politik, insbesondere auf staatliche Institutionen, erscheint grundsätzlich denkbar. Im Zusammenspiel mit dem Einsatz von Algorithmen, maschinellem Lernen und KI könnten leistungsfähige autonome Systeme geschaffen werden, welche die Art und Weise der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung sowie die Beschaffenheit des Staates grundsätzlich revolutionieren würden. Ein entsprechender Einsatz dieser Technologien in der politischen Sphäre wirft jedoch neue Fragen hinsichtlich Legitimation und Repräsentation auf. Somit erwüchse für die Gesellschafts- und Politikwissenschaften &#8211; in Anlehnung an den vielzitierten Begriff des „Internet of Things“ &#8211; die Aufgabe, die Leitlinien einer möglichen Implementierung dieser „Governance of Things“ und deren demokratieverträgliche Ausgestaltung zu skizzieren und zu bewerten: Welche Herausforderung für die Demokratie bestehen demnach und wie können wir uns diesen stellen? Inwieweit ist es legitim, die technischen Errungenschaften auszubauen und den digitalen Wandel voranzureiben? Und wie können dabei bürgerliche Partizipation und nicht zuletzt ein menschliches Antlitz der Staatlichkeit gewährleistet werden? Schließlich münden derartige Überlegungen zwangsläufig in der grundsätzlichen Frage nach der Relevanz der menschlichen Willensbildung im digitalen Zeitalter: Welche Zukunft ist wünschenswert und welche Entwicklungen führen uns in eine Dystopie?</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Algorithmic Governance und AI Governance</h2>



<p>Seit einiger Zeit wird unter dem Begriff der „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Algorithmic+Governance">Algorithmic Governance</a>“ (Yeung, 2018; Katzenbach / Ulrich, 2020) verstärkt der Einsatz datenbasierter, „digitaler“ Technologie als Ergänzung oder auch als vollständiger Ersatz menschlicher politischer Entscheidungen diskutiert. In Anlehnung an Laurence Lessigs (Lessig 1999) Diktum „Code is Law“ (auch: „Law is Code“, vgl. Hassan / de Filippi, 2017), ließe sich diese Vorgehensweise als die Automatisierung der Ausführung vorab definierter (staatlicher) Regeln beschreiben. Die Anwendung des hier zugrundeliegenden, der Computerprogrammierung entlehnten „Wenn-Dann“-Prinzips („if this … then that…“, „IFTTT“) basiert auf der Annahme, dass sich zuvor definierte – und legitimierte – Entscheidungsmuster auf spätere Situationen anwenden lassen. Die nachfolgende Exekution anstehender Entscheidungen kann dann idealerweise autonom erfolgen, ohne dass es eines weiteren menschlichen Eingreifens zwingend bedürfte.</p>



<p>Der Rückgriff auf KI – verstanden als der Einsatz von autonomen, selbstlernenden Systemen – verändert die Rahmenbedingungen algorithmischen Regierens nochmals grundlegend.&nbsp; Denn sofern solche intelligenten Systeme eigenständig hinzulernen, ihre Entscheidungen also nicht mehr zwingend den vorab menschlich definierten Mustern und Regeln entsprechen, sondern diese, aufbauend auf den verarbeiteten Erkenntnissen, autonom agieren und eigene Maßstäbe anlegen – man spricht dann i.d.R. von „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=AI+Governance">AI Governance</a>“ (Kuziemski und Misuraca 2020) -, stellt sich die Frage, wie diese Prozesse im demokratischen Staat legitimiert werden können. Dabei handelt es sich keinesfalls um ein rein theoretisches Problem. Derartige Systeme kommen bereits regelmäßig in der staatlichen und politischen Praxis zum Einsatz, etwa in der Arbeitsmarkt- und -innenpolitik, bei der Polizeiarbeit oder der Unterfütterung juristischer Vorgänge.<a id="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> Eine Kombination mit DLT-basierten Verfahren findet zwar in aller Regel nicht statt, wäre aber grundsätzlich möglich.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Distributed-Ledger: Blockchain, Smart Contracts und DAOs</h2>



<p>Der Rückgriff auf DLT-Verfahren geht in erster Linie auf die Kryptowährung Bitcoin zurück, wo die „Blockchain“ für die dezentralisierte, transparente und unveränderbare Erfassung der Daten zu den Transaktionen zwischen den Netzteilnehmern verwendet wird. Eine Transaktion muss immer durch die anderen Netzwerkteilnehmer bestätigt werden. Das Ergebnis wird unveränderlich im „Ledger“ (Kontobuch) gespeichert und die somit neu gebildete Blockchain an die Teilnehmer verteilt.</p>



<p>Ganz wesentlich ist dabei, dass die Dezentralität der Organisation zur Ausschaltung der vermittelnden zentralen Stelle, des „Intermediärs“ (beispielsweise eine überwachende staatliche Institution, wie eine Zentral- und Notenbank, oder ein zentrales Finanzsystem), führt. Dies wird nicht nur als effizient und kostenrelevant betrachtet – schließlich „verdient“ der Mittelsmann nun nicht mehr an einer Transaktion und die Blockchain-Peers können diesen Kostenvorteil unter sich aufteilen –, sondern verändert auch das Machtgefüge. Nicht selten wird sogar von einer „Demokratisierung“ <a href="https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/focus/tech-trends/2016/blockchain-applications-and-trust-in-a-global-economy.html">gesprochen </a>(Piscini et al, 2016), da die „Legitimation“ von Transaktionen dann nicht mehr durch eine zentrale Autorität erfolgt, die womöglich ihre eigenen Interessen im Visier hat, sondern durch die Masse der Netzwerkmitglieder.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Smart Contracts und IFTTT</h2>



<p>Aus der ursprünglichen Blockchain-Logik heraus entwickelten sich auch jenseits finanzwirtschaftlicher Szenarien Anwendungsbereiche für die DLT. Unter „Smart Contracts“ versteht man technische Transaktionsprotokolle, welche die Einhaltung zuvor definierter Vertragsbestimmungen überwachen sowie autonom und mechanisiert die vereinbarten Konsequenzen ausführen – ebenfalls nach dem IFTTT-Prinzip und analog zum „Code-is-Law“-Diktum. Menschliches Eingreifen, etwa bei Verletzungen der Vertragsrechte durch eine Partei, ist damit nicht mehr notwendig.</p>



<p>Durch ein System aus einer Vielzahl dieser Smart Contracts ist es möglich, ganze institutionelle Organisationen mit autonomen Entscheidungswegen abzubilden – die bereits eingangs erwähnten DAOs. Diese werden bereits seit einiger Zeit im Finanzbereich erprobt und etabliert, um als eigenständige Akteure, losgelöst von menschlichen Eingriffen, am Wirtschaftskreislauf teilzunehmen (van de Sande, 2015). Die Steuerung von DAOs erfolgt automatisiert auf Basis von Bedingungen, welche die Mitglieder bzw. Teilhaber durch ein Abstimmungsverfahren im Vorfeld von Entscheidungssituationen festlegen (Chopan, 2022). Meist wird über eingebrachte Vorschläge durch in der Regel nach kumulierten Eigentumsrechten und Kapitaleinlagen gewichtete Stimmen unter der Maßgabe der Einhaltung eines bestimmten Quorums entschieden, wenngleich auch andere Stimmrechtsprinzipien (z.B. nach erworbener Reputation) <a href="https://medium.com/daostack/voting-options-in-daos-b86e5c69a3e3">denkbar sind</a> (Arsenault, 2020).</p>



<h2 class="wp-block-heading">DAOs in der Politik</h2>



<p>Grundsätzlich scheint damit auch eine Übertragung des Prinzips der DAOs auf die Politik denkbar, was insbesondere in den USA immer wieder durch entsprechende Forderungen unterfüttert wird (Sergeenkov 2022). Unter dem Stichwort der „Liquid Democracy“ werden darunter unterschiedliche Ausprägungen der Mandatsgebundenheit, meist mit dem Fokus auf einer stärkeren individuellen, direkten bürgerlichen Partizipation, diskutiert. Eines der kursierenden Konzepte ist das „Delegated Voting“ (Nitsche, 2014). Nach diesem Prinzip können die Wahlberechtigten flexibel bestimmen, ob sie ihr Stimmrecht in einer spezifischen Entscheidungssituation selbst ausüben oder an einen Delegierten übertragen, etwa weil jener über die in diesem Fall notwendige Expertise verfügt. Der entsprechende Delegierungsvorgang wird dazu in einer Blockchain dokumentiert. Ferner könnten aber auf diese Weise auch imperative Mandate kreiert und überwacht werden. In der Kombination mit Smart Contracts ist es denkbar, einen Automatismus zu erzeugen, der den aggregierten Wählerwillen zwingend zur Umsetzung bringt, indem die eigentliche Ausübung des Mandats gar nicht mehr im Verfügungsbereich des Delegierten liegt, sondern die in der Blockchain festgehaltene inhaltliche Bindung zu einer nicht mehr beeinflussbaren Mechanisierung der Abstimmung führt. In vielen Demokratien stünde dies allerdings wohl im Widerspruch mit dem als unerlässlich betrachtetem Prinzip des freien Mandats, das den Abgeordneten nur seinem eigenen Gewissen unterwirft (Seckelmann 2014). In letzter Konsequenz müsste ein solches Verständnis von Demokratie dazu führen, dass – sofern die technische Umsetzbarkeit dieser aufwändigen Verfahren gegeben ist – es eigentlich gar keiner Delegierter mehr bedarf, da sich sämtliche Entscheidungsprozesse dezentralisieren ließen (Waldmann, 2016).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Politische DAOs als intelligente, selbstlernende Systeme</h2>



<p>Der Hauptvorwurf gegenüber dem Delegated Voting zielt auf eine zu geringe Praxisnähe und mangelnde Effizienz. Schließlich sei es kaum möglich, die Vielzahl an Themen und unterschiedlichen Delegierten zu überblicken und zu koordinieren.&nbsp; Als problematisch erachtet wurde auch die Einbindung der durch Stimmkumulation entstehenden „Superdelegierten“ in ein System von Checks&amp;Balances sowie deren Verantwortlichkeit gegenüber den Wählern (Seckelmann 2014).</p>



<p>Der Einsatz von DLT wäre dabei gleichwohl durchaus geeignet, die grundsätzlichen Probleme von Stimmdelegierungen zu reduzieren, denn eine Einbettung in ein digitales System könnte einerseits zu mehr Übersichtlichkeit beitragen, andererseits würde gerade der Vermerk des individuellen Abstimmungsverhaltens der Delegierten in einer allgemein zugänglichen und unveränderbaren „Blockchain“ zu mehr Transparenz und Zurechenbarkeit („Accountability“) führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Komplexe Entscheidungsumfelder als Problem politischer Systeme</h2>



<p>In der Tat dürfte ein Hauptproblem heutiger politischer Systeme und der jeweiligen Entscheidungsträger in der zunehmenden Komplexität politischer Entscheidungen sowie – zumindest in der westlichen Welt &#8211; in der allgemein wachsenden gesellschaftlichen Fragmentierung und Polarisierung bestehen. Damit drängt sich die Frage auf, inwiefern tradierte, rein menschliche geprägte Entscheidungsprozesse noch zeitgemäß sind – angesichts der stetig wachsenden Leistungsfähigkeit in diesem Kontext anwendbarer digitaler Technologien. Und: Führen menschliche Entscheidungsspielräume nicht immer auch zwangsläufig zu einem „Bias“, einer menschlich induzierten „Unwucht“, die eine Seite gegenüber einer anderen aufgrund tradierter Verhaltensmuster bevorzugt?</p>



<p>Vieles spricht dafür, dass sich durch den Einsatz digitaler Technologien zumindest ein Teil dieser Probleme beheben ließe, da der politische Entscheidungsprozess auf diese Weise eine radikale Rationalisierung erfahren würde (Owen 2015; Atzori, 2017). Während der formale Abstimmungsprozess sowie die Fixierung der getroffenen Entscheidung über DLT und Smart Contracts abzubilden wären, könnten der Rückgriff auf KI und Methoden des maschinellen Lernens dazu dienen, die Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen, um dann eine „absolut rationale Willensbildung“ durch das System sicherzustellen (Atzori 2015). KI wäre somit für den Entscheidungs-Input relevant; für die Entscheidungsausführung, den Output, könnte auf DLT-Methoden zurückgegriffen werden. In einem solchen System bedarf es dann keiner „intermediären“ Mandatsträger mehr, die womöglich den streng rationalen Entscheidungsprozess durch menschliche Einflussnahme verzerren würden. Es entstünde eine absolut autonome politische Organisation – eine „Staats-DAO“ –, die den Wählerwillen durch vorgelagerte Abstimmungen aggregiert und aufwändig zu klärende Detailfragen, ausgehend von dieser somit geschaffenen Datenbasis, durch den Einsatz iterativer Lernmethoden autonom beantwortet. Die Wähler gäben also durch ihr Abstimmungsverhalten die Richtlinien und Rahmenbedingungen vor, für die Umsetzung in die praktische Politik, für die der Einzelne im Zweifelsfall ohnehin nicht die notwendige Kompetenz besäße, trüge jedoch die KI die Verantwortung und berechnet aus den vorliegenden Daten die richtige und vernünftigste Entscheidung, basierend auf Mustererkennungen (via „Unsupervised Learning“) und der Maxime der Optimierung des vorab definierten Gemeinwohls (etwa über die Methode des „Reinforcement Learnings“)<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die nächste Stufe: Directed Acyclic Graphs (DAG)</h2>



<p>Was im gesellschaftlichen Kontext nach purer Science-Fiction klingen mag, ist im industriellen Umfeld bereits deutlich weiter entwickelt. Über sogenannte „DAGs“ („Directed Acyclic Graphs“), die für manche die nächste Entwicklungsstufe der DLT markieren, lassen sich typische Probleme der DLT, wie etwa der hohe Verbrauch an Energie- und Zeitressourcen, durch die Abkehr von den komplexen Mining-Verfahren wie sie von Bitcoin und Ethereum bekannt sind, beheben. Derartige Ansätze, wie sie beispielsweise in unterschiedlicher Ausprägung von IOTA, IOTChain oder DAGCOIN vertreten werden, zielen bislang vor allem auf das „Internet der Dinge“, wo Transaktionen &#8211; transparent, chronologisch und unveränderbar &#8211; zwischen einzelnen Maschinen und Geräten dezentral abgebildet werden sollen.</p>



<p>Wenn Maschinen eigenständig miteinander kommunizieren und in der Lage sind, dabei unabhängig vom menschlichen Eingriff Transaktionen untereinander auszuführen, führt dies zu erheblichen Veränderungspotenzial: Eine Prozessorganisation, in der intelligente Industriesysteme untereinander Prozesse und Güterströme eigenständig abwickeln, welche Arbeitsschritte zwischen Maschinen koordiniert und für einen finanziellen Ausgleich zwischen den beteiligten Systemen und Geräten entsprechend ihrer Beteiligung an der Wertschöpfung sorgt und all dies entsprechend transparent auf einem Distributed Ledger vermerkt, ermöglicht in letzter Konsequenz eine autonome, sich selbst steuernde Maschinenwirtschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blockchain in Kombination mit KI als Zwischenschritt zur generellen Künstlichen Intelligenz</h2>



<p>Im Moment wird oft davon ausgegangen, dass wir eine „generelle Künstliche Intelligenz“, die dem Menschen auch in seiner Vielfältigkeit gleichkommt, nur schwer erzeugen können. Die meisten KI-Systeme sind auf sehr spezifische Probleme trainiert und daher auch entsprechend in ihrer Leistungsfähigkeit darauf beschränkt. Der Rückgriff auf DLT als Element der Prozessorganisation könnte dann jedoch die Grundlagen für eine arbeitsteilige Ökonomie künstlicher Intelligenzen liefern: Stellt eine KI ihren spezifischen Arbeitsschritt fertig, so wäre es dann möglich, die Übergabe der jeweiligen Teilleistung zur Weiterarbeitung in einem Distributed Ledger zu vermerken und über einen Smart Contract an die nächste zuständige Einheit zu übergeben. Somit würde sichergestellt, dass alle notwendigen Teilschritte eingeleitet und lückenlos abgearbeitet werden.</p>



<p>Dieses Prinzip &#8211; KI sorgt für die Findung von Entscheidungen, die DLT für die Koordination der daraus resultierenden Handlungen – könnte grundsätzlich auch in einer politischen DAO abgebildet werden. Politische Fragestellungen ließen sich durch ein führendes intelligentes System in Einzelprobleme aufspalten, die von der spezifischen KI zu bearbeiten wären. Die Sicherstellung der Übergabeprozesse zwischen den KIs untereinander aber eben auch die „Operationalisierung“ des Wählerwillens und dessen Einspeisung in das System erfolgte auf Basis von DLT (Wagener 2018).&nbsp;</p>



<p>Zweifelsohne müssen natürlich für ein politisches System weitaus strengere Standards hinsichtlich der technischen Verlässlichkeit gelten, als für die Abbildung von Wertketten. Und in der Tat gilt die DAG-Technologie bislang nicht als völlig ausgereift. Ungeachtet dessen wirft ein entsprechender perspektivischer Einsatz in der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung erhebliche Fragen nach der Gewährleistung von Legitimation und Repräsentation im politischen System auf. Diesem Aspekt widmet sich der folgende Abschnitt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Frage nach Legitimation, Repräsentation und Partizipation.</h2>



<p>Die Legitimationsdefizite, ebenso wie der Mangel an bürgerlichen Partizipationsmöglichkeiten an einer weitgehend autonom agierenden politischen DAO liegen auf der Hand und ergeben sich bereits immanent aus ihrer Konstruktion: Es bedarf schon eines großen Vertrauens in die Technik und den technologischen Fortschritt, um hierin eine positive Perspektive für Staatlichkeit und Repräsentation festmachen zu können. Gleichwohl ist die Vision einer „Staats-DAO“ kein bloßes Phantasieprodukt. Die Idee die operativen politischen Prozesse an eine autonom agierende Entität auszulagern, trifft durchaus, vor allem in den USA, tatsächlich auch auf Zustimmung:</p>



<p>Die Vorteile eines solchen Systems werden zu allererst in der Effizienzsteigerung gesehen, die hierbei für die staatliche Entscheidungsfindung und -ausführung durch die Automatisierungszuwächse zu erwarten wären. Ähnliche oder identische Entscheidungsfragen müssten nicht immer wieder neu verhandelt, sondern könnten durch die einmalige Festlegung auch für die Zukunft verbindlich geregelt werden. Des Weiteren ließen sich Verwaltungsentscheidungen versachlichen, da das einmal gefundene Regelsystem für alle Betroffenen gleichermaßen zur Anwendung käme, ungeachtet möglicher persönlicher Präferenzen der Entscheider „vor Ort“. Damit ginge dieser Argumentation folgend ein Zuwachs an Fairness und Gleichberechtigung einher.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Libertäre Motive als Treiber</h2>



<p>Für die Anhänger sind darüber hinaus vor allem libertäre Motive maßgebend (Tapscott / Tapscott 2016, 199). DLT wird als bewusst technokratisches Instrument betrachtet, das den staatlichen und überstaatlichen Institutionen, die ohnehin dazu tendieren würden, ihre Befugnisse zu überschreiten, entgegengesetzt werden kann ((Tapscott / Tapscott, 2016, 201). &nbsp;Viele dieser „Techno-Libertarians“ sind der Meinung, dass zentrale Koordination und der Staat Produkte einer überkommenen patriarchalen und hierarchisch-autoritären Grundeinstellung sind, die es zu überwinden gilt (Atzori 2015, 24; Sergeenkov 2022; Roberts 2022)&nbsp; Charakteristisch ist die Übertragung von marktwirtschaftlichen Funktionsweisen auf politische Leistungsprozesse. Der Staat als Organisationsform wird wie ein Unternehmen betrachtet, das funktionieren und liefern muss, wenn es weiter die Gunst seiner „Kunden“, den Bürgern, genießen will. Geschieht das aus Sicht des Einzelnen nicht, so wird es als logische Konsequenz angesehen, dass dieser in höchster Flexibilität seine Loyalität aufkündigt und sich „Alternativangeboten“ zuwendet (Tarkowski Tempelhof 2012).&nbsp; Möglichst freie und ungezügelte Marktwirtschaft gilt als <a href="https://www.wsj.com/articles/the-capitalist-cure-for-terrorism-1412973796">Hauptgarant politischer Stabilität</a> (de Soto 2014). Es sei keine Option, Menschen „qua Geburt“ in ein politisches System zu „zwingen“, ihnen damit bereits „von Beginn an“ ihre Freiheit zu entziehen (Tarkowski Tempelhof 2012). Stattdessen müsse man das Prinzip auf den Kopf stellen und größtmöglicher Selbstbestimmung den Weg ebnen. Die Gestaltungsprinzipien der DLT, welche die politische Macht auf ihren eigentlichen Ausgangspunkt direkt zurückübertragen, werden hierfür als perfektes Vehikel identifiziert. Die damit ebenfalls einhergehende Technisierung politischer Systeme zielt auf eine ganz bewusste „Entmenschlichung” der Politik. Menschliche Schwächen ließen sich nicht durch Checks &amp; Balances allein auffangen. Die durch den DLT geschaffene Entscheidungstransparenz in Verbindung mit dem durch die Smart Contracts induzierten Exekutiv-Automatismus würden Korruption und Vetternwirtschaft hingegen unmöglich machen (Woods, 2015). Grundsätzlich ist es nicht so, dass man sich gegen Demokratie als solche wendet. Typisch ist jedoch ein archaisches, teilweise auch äußerst schlichtes Demokratieverständnis. Entscheidungen werden als absolut begriffen und in schwarz und weiß, in ein binäres System von Einsen und Nullen, gegliedert. Mehrheitsentscheidungen sind dabei stets verbindlich, unabhängig von den Inhalten und ihrer Legitimität (van de Sande, 2015).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hobbes 2.0?</h2>



<p>Ein Großteil dieser Argumentation erinnert an klassische Gesellschaftsvertragsmodelle wie Hobbes‘ Leviathan (Hobbes 1909). Demnach sollte der Staat eher als effiziente Maschine zur Sicherstellung der Marktinteressen der Bürger fungieren (König 2020), die bürgerlichen Individuen müssen sich dabei nicht gegenseitig, sondern lediglich auf die Funktionsfähigkeit dieses Staatswesens vertrauen.</p>



<p>Auch ein anderer Klassiker der Gesellschaftstheorie scheint dabei im Hintergrund zu wirken: Jean Jacques Rousseaus „volonté générale“, der „wahre Volkswille“, der mit dem Gemeinwohl übereinstimmt und auf das allgemein Beste ausgerichtet ist. Dieser kann im Gegensatz zum Willen jedes einzelnen, aber auch im Widerspruch zum empirisch feststellbaren Willen aller („volonté des tous“) stehen (Rousseau 1762, Fetscher 1971). Die Idee eines „volonté générale“, so ließe sich argumentieren, wäre somit prädestiniert für den Einsatz von KI, die ja aufgrund ihrer hohen Rationalität und Rechenkapazität in der Lage ist, auch schwierige Entscheidungssituationen abzubilden. Gerade letztere scheinen doch schließlich in Zeiten zunehmender politischer Komplexität und sozialer Fragmentierung klassische repräsentative Demokratien zunehmend an ihre Grenzen zu führen. KI könnte dabei maßgeblich zu einer versachlichten Ermittlung dieses rousseauschen Volkswillens beitragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schöne neue Welt?</h2>



<p>Der Mehrheit der beschriebenen Argumentationsansätze ist gemein, dass sie ein hohes Augenmerk auf die „Output“-Seite des politischen Systems, weniger auf dessen „Input“-Seite legen. Gerade aber die Beschaffenheit einer KI-gefütterten DAO wirft die Frage nach dem rechtmäßigen Zustandekommen von Entscheidungen auf. Die binäre Absolutheit der Entscheidungen der DLT-Logik wird flankiert durch eine unstetes, sich qua Definition autonom immer weiter entwickelndes „Gehirn“, das die Detailentscheidung treffen muss: Während Maßnahmen auf Grundlage herkömmlicher Algorithmic Governance ihre Rechtmäßigkeit aus diesem zuvor abgestimmten, „festverdrahtetem“ Regelsystem beziehen, justieren sich KI-Systeme auf Grundlage ihres Lernfortschrittes permanent eigenständig neu. Dies mag legitim erscheinen, sofern zumindest die Ziele, anhand derer dies geschieht, Ausfluss eines am Staatszweck orientierten (demokratischen) Verfahrens sind. Gleichwohl ist für die Erreichung politischer Ziele in der Demokratie auch die Art und Weise ihres Zustandekommens relevant. Zieldefinitionen, anhand derer ein lernendes System sich ausrichtet, können schließlich stets nur quantitativer Natur sein. Die Auswirkungen einer solchen politischen Zieloptimierung weisen jedoch immer auch eine qualitative Dimension auf, deren Tragweite ein Algorithmus nie erfassen kann. Beispielsweise ist es sicherlich möglich, einem System eine bestimmte „optimale“ Budgetallokation als Ziel vorzugeben, die Frage, ob diese dann im Ergebnis im Einklang mit einem wie auch immer definierten Gemeinwohl steht, ist eine ganz andere und kann weder in der Praxis technisch noch in der Theorie legitim durch eine KI beantwortet werden, sondern verbleibt zwangsläufig Gegenstand der menschlichen Domäne.</p>



<p>Auch die angestrebte „Entmenschlichung“ politischer Entscheidungen ist vor diesem Hintergrund kritisch zu sehen. Gerade dann, wenn diese nicht mehr unter Berücksichtigung individueller Situationen getroffen werden, sind Verzerrungen und soziale Härten zu erwarten. Auch stellen sich Fragen nach den Verantwortlichkeiten im Einzelfall – und zwar sowohl politisch als auch rechtlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Internet of Things zur Governance of Things</h2>



<p>De Facto sind Algorithmen, digitale Prozesse und Entscheidungsmechanismen bereits heute schon nicht mehr rein technisch-rationale Konstrukte. Sie repräsentieren auch immer den Einfluss derjenigen, die an ihrer Entstehung beteiligt sind, sowohl politisch als auch technisch. Insofern können sie als eine Art „Amalgam“ aus Mensch und Code verstanden werden. In dieser Auffassung spiegelt sich das Grundprinzip der Denkschule des „Neuen Materialismus“ wider. Demnach erschiene es zunehmend unangebracht, zwischen Menschen und Nichtmenschen, Leben und nicht lebendiger Materie und auch zwischen Akteuren und Strukturen zu unterscheiden. Vielmehr vermischen sich Menschen und Computeralgorithmen zu „sozio-materiellen Assemblagen“ (Kim 2020), wodurch neue Handlungsfähigkeiten und daraus resultierende Wirkungsweisen entstehen.</p>



<p>Dem vielzitierten „Internet of Things“ müssten demnach Überlegungen zu einer <em>Governance of Things</em> an die Seite gestellt werden. Die menschlichen Systementwickler diktierten dabei nicht die Funktionsweise des Algorithmus, die Befähigung und Notwendigkeit von Governance entstünde aus dem Zusammenwirken von Algorithmus und Systementwicklern, explizit etwa beim menschlich induzierten Training mit KI-Daten und der daraus resultierenden autonomen Lernentwicklung des Systems. Dieser Vorgang beinhaltet laufende Interaktionen und Iterationsschleifen zwischen beiden „Parteien“ und führt damit zu einer Verselbständigung dieser „Amalgambildung“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Governance of Things als Ende des Menschenzeitalters?</h2>



<p>Angesichts der Bedeutung, die Algorithmen und digitale Automatismen heute in unserem Alltag einnehmen, ließe sich die Auffassung vertreten, dass damit womöglich bereits das Ende des Anthropozäns eingeläutet worden ist und wir nun am Anfang eines „posthumanen“ Zeitalters stünden. Entsprechend werden schließlich auch unter dem Aspekt der „Singularität“ die gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen diskutiert, sollten intelligente Systeme eines – nicht allzu fernen – Tages die menschliche Leistungs- und Adaptionsfähigkeit übertroffen haben (Bostrom 2014).</p>



<p>Jedoch solange diese Stufe noch nicht erreicht scheint, müssen wir uns im hier und jetzt mit dem menschlichen Einfluss auf menschliche Probleme und ihre potenziellen Lösungsansätze selbst befassen. Politik und gesellschaftliche Prozesse sind auch in Zeiten zunehmender Komplexität zuallererst Gegenstand zwischenmenschlicher Verhandlungen. Daher sollten wir uns der Demokratie willen dieser Verantwortung höchstpersönlich und nicht verschanzt hinter einer Mauer aus Einsen und Nullen stellen. Denn bislang bleiben die Blockchain-Adepten eine klare Antwort schuldig, wie eine digital gesteuerte Gesellschaft Konflikte und gesellschaftliche Insuffizienzen reguliert, und zwar jenseits von Marktkriterien, die letztlich nichts anderes als das Recht des Stärkeren propagieren. Die Welt ist in der Tat komplex, und eine angemessene Politik muss situativ abwägend und mit ethischer Erdung erfolgen, sie bedarf einer im doppelten Sinne „humanen“ Partizipation. In diesem Verständnis ist der traditionelle demokratische Staat eben mehr als ein störender Mittelsmann, er ist die Summe seiner Teile, ein Abbild der Gesellschaft und seiner Bürger.</p>



<p>Technologie spielt bereits heute in der politischen Willensbildung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Zuwachs ihres Stellenwertes wird sich nicht vermeiden lassen und kann natürlich auch positive Effekte haben. Unzweifelhaft ist der Grat zwischen Utopie und Dystopie sehr schmal an dieser Stelle. Ganz entscheidend ist jedoch, dass der Mensch und damit die Menschlichkeit nicht ihren Haupteinfluss auf politische Entscheidungsbildung verlieren, auch wenn wir bereits heute einen Machtverlust zu Gunsten von Technologie zu verzeichnen haben. Daher muss für die demokratische Politik im digitalen Zeitalter gelten: “Governance by Things“ benötigt eine gute, im doppelten Sinne menschliche “Governance of (these) Things“.<strong><br></strong></p>



<p><em>Der Artikel entstand auf der Basis eines Vortrages und entsprechenden Conference Papers zum Panel &#8222;Blockchain Imaginaries: Techno-utopianism, dystopias, and the future-imagining of Web 3.0&#8220; anlässlich der Tagung &#8222;Anthropology, AI and the Future of Human Society&#8220;  des Royal Anthropological Institutes, London</em>.</p>



<p></p>



<p><strong>Literatur:</strong></p>



<p>Arsenault, Eric (2020): Voting Options in DAOs. In: Medium 15.12.2020.<a href="https://medium.com/daostack/voting-options-in-daos-b86e5c69a3e3">https://medium.com/daostack/voting-options-in-daos-b86e5c69a3e3</a></p>



<p>Atzori, Marcella (2015): Blockchain Technology and Decentralized Governance: Is the State still necessary? In: SSRN Electronic Journal, January 2015, S. 1-37</p>



<p>Bastgen, Sarah / Winkler, Katrin (2013): Liquid Democracy – Participation Model of the 21st century? in: Römmele, Andrea / Schober, Hendrik (Ed.): The Governance of Large-Scale Projects, Baden-Baden, S. 111-131.</p>



<p>Bostrom, Nick (2014): Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies. Oxford.</p>



<p>Chohan, Usman W. (2022)., The Decentralized Autonomous Organization and Governance Issues (December 4, 2017, revised 2022). <a href="http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3082055">http://</a><a href="http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3082055">dx.doi.org/10.2139/ssrn.3082055</a></p>



<p>Hassan, Samer/ Filippi, Primavera de (2021): The Expansion of Algorithmic Governance: From Code is Law to Law is Code. Institut Veoli, https://tinyurl.com/24w2m6yu</p>



<p>Hobbes, Thomas (1909): Hobbes’s Leviathan: Reprinted from the Edition of 1651. Oxford, https://tinyurl.com/2e72z5ny</p>



<p>Katzenbach, Christian/ Ulbricht, Lena (2019): Algorithmic Governance. In: Internet Policy Review, Nr. 4, doi: 10.14763/2019.4.1424</p>



<p>Kim, Eun-Sung (2020): Deep Learning and Principal-agent Problems of Algorithmic Governance: The New Materialism Perspective. In: Technology in Society, Vol. 63, 101378, doi: 10.1016/j.techsoc.2020.101378</p>



<p>König, Pascal D. (2020): Dissecting the Algorithmic Leviathan: On the Socio-Political Anatomy of Algorithmic Governance. In: Philosophy &amp; Technology<strong>, </strong>Nr. 3,467–485, doi: 10.1007/s13347-019-00363-w</p>



<p>Kuziemski, Maciej/ Misuraca, Gianluca (2020) AI Governance in the Public Sector: Three Tales from the Frontiers of Automated Decision-making in Democratic Settings. In: Telecommunications Policy, Nr. 6, 101976, DOI: 10.1016/j.telpol.2020.101976</p>



<p>Lessig, Lawrence (1999): Code and Other Laws of Cyberspace. New York.</p>



<p>Nitsche, Andreas (2014): Liquid Democracy – what the noise is all about, in: http://www.liquid-democracy-journal.org/issue/1/The_Liquid_Democracy_Journal-Issue001-01Liquid_Democracy.html</p>



<p>Owen, Taylor (2015): Disruptive Power. The Crisis of the State in the Digital Age, New York</p>



<p><a href="https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/authors/p/eric-piscini.html">Piscini</a>, Eric /<a href="https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/authors/g/joe-guastella.html">Guastella</a>, Joe /<a href="https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/authors/r/alex-rozman.html">Rozman</a>, Alex /<a href="https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/authors/n/tom-nassim.html">Nassim</a>, Tom (2016): Blockchain: Democratized Trust. In: https://dupress.deloitte.com/dup-us-en/focus/tech-trends/2016/blockchain-applications-and-trust-in-a-global-economy.html</p>



<p>Roberts, Jeff J. (2022): How Andrew Yang Aims to Change Washington With a DAO. In: Decrypt.com, https://decrypt.co/95173/andrew-yang-decrypt-podcast-lobby-3-dao</p>



<p>Rubio, Diego / Lastra, Carlos (2019), European Tech Insights 2019, Madrid: Center for the Governance of Change. <a href="https://docs.ie.edu/cgc/European-Tech-Insights-2019.pdf">https</a><a href="https://docs.ie.edu/cgc/European-Tech-Insights-2019.pdf">://</a><a href="https://docs.ie.edu/cgc/European-Tech-Insights-2019.pdf">docs.ie.edu/cgc/European-Tech-Insights-2019.pdf</a></p>



<p>Rousseau, Jean-Jacques&nbsp;(1762): Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes. Amsterdam, English translation by Henry John Tozer 1895 , https://oll.libertyfund.org/title/cole-the-social-contract-and-discourses</p>



<p>van de Sande, Alex (2015): Ethereum in Practice: How to build a better democracy in under a 100 lines of code. In: <a href="https://blog.ethereum.org/2015/12/04/ethereum-in-practice-part-2-how-to-build-a-better-democracy-in-under-a-100-lines-of-code/">https://blog.ethereum.org/2015/12/04/ethereum-in-practice-part-2-how-to-build-a-better-democracy-in-under-a-100-lines-of-code/</a></p>



<p>Seckelmann, Margrit (2014): Wohin schwimmt die Demokratie?, in: DÖV 2014, S. 1-13, S. 6.</p>



<p>Sergeenkov, Andrey (2022): Decentralized Autonomous Parties — The future of democracy. https://cointelegraph.com/news/decentralized-parties-the-future-of-on-chain-governance</p>



<p>De Soto . Hernando (2014): The Capitalist Cure for Terrorism. In:WSJ.com, Oct. 10. 2014, <a href="https://www.wsj.com/articles/the-capitalist-cure-for-terrorism-1412973796">https://www.wsj.com/articles/the-capitalist-cure-for-terrorism-1412973796</a></p>



<p>Tapscott, Don / Tapscott, Alex (2016): Blockchain Revolution, New York</p>



<p>Tarkowski Tempelhof, Susanne (2012): To be governed by TED, in: TedxTalks 2012, https://www.youtube.com/watch?v=owrXnfEGzhs </p>



<p>Wagener, Andreas (2018): Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain. In:&nbsp; Liebold, Sebastian u. a. (Ed.) Demokratie in unruhigen Zeiten. Baden-Baden, 387–396.</p>



<p>Wagener, Andreas (2021): KI als Staatsprinzip. Leitlinien demokratischer Legitimation von AI Governance. In: SWS-Rundschau (61.Jg.) Heft 4/2021, S. 369 – 390</p>



<p>Waldmann, Steve R. (2016): A parliament without a parliamentarian. In: Interfluidity.com, http://www.interfluidity.com/v2/6581.html </p>



<p>Woods, Tyler (2015): How the blockchain could built a better democracy, In: https://technical.ly/brooklyn/2015/12/22/blockchain-democracy/</p>



<p>Yeung, Karen (2018) Algorithmic Regulation: A Critical Interrogation. In: Regulation &amp; Governance, Nr. 4, 505–523, DOI: 10.1111/rego.12158</p>



<p>Dieser Artikel ist die deutsche Version eines Papers und Vortrages auf der Jahrestagung des <em>Royal Anthropological Institute 2022: Anthropology, AI and the Future of Human Society. </em><em>Panel des King’s College, London: P28b: Blockchain Imaginaries: Techno-utopianism, dystopias, and the future-imagining of Web 3.0.</em></p>



<p>Die Originalversion findet sich <a href="https://opus4.kobv.de/opus4-hof/frontdoor/index/index/searchtype/authorsearch/author/Andreas+Wagener/docId/129/start/1/rows/10">hier</a>. </p>



<p><em><u>Citation:</u></em> Wagener. Andreas (2022). Governance of Things: AI &amp; DAOs in Politics &#8211; Utopia or Dystopia? <em>Conference Paper: The Royal Anthropological Institute, London: RAI2022: Anthropology, AI and the Future of Human Society. Panel: P28b: Blockchain Imaginaries: Techno-utopianism, dystopias, and the future-imagining of Web 3.0</em> <a href="https://doi.org/10.57944/1051-129">https://doi.org/10.57944/1051-129</a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> als Überblick: Algorithmwatch, <a href="https://algorithmwatch.org/de/stories/">https://algorithmwatch.org/de/stories/</a></p>



<p></p>



<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;:    </strong></p>



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<p><strong>Der neueste Vortrag von Andreas Wagener: &#8222;Von Cyborgs und Digitalen Lebewesen: Wie generative KI&amp;VR menschliches Leben (und Sterben) verändern&#8220;:  </strong></p>



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<p><em>
Mehr Informationen zum Thema KI im Marketing finden Sie im Buch von <a href="https://nerdwaerts.de/keynotes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andreas Wagener</a> <a href="https://www.amazon.de/K%C3%BCnstliche-Intelligenz-Marketing-verbirgt-profitieren/dp/3648169572?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&#038;crid=3LEYA68C1IHK9&#038;dib=eyJ2IjoiMSJ9.F0DFVjJXx3RDUq5AFGWmW72IYdQUzCcPngROcCJNE8MrT5C61IF2XaAkWPd_le2b5NPhi5td5gIJMn6bRqSJciSKGXyMa6Rl2rf8dzSbVR6sTRH9Exy9GurFiPKH0yYGAZsFgvQG6NeyubdeZNaRWEVcjwmhJmc_nJl4oafIWLlMbBn9e6hu_Jy3DVmk4iAv3Lg4OEXfVaJm88L9Q4G9iDM7nArvced8A0fx9Qj9qe0.nP-dKqYU-gE_d5W1Xtmrr8y7DR5pgrkPbPFkThWYiuY&#038;dib_tag=se&#038;keywords=Wagener+KI+im+Marketing&#038;qid=1728994048&#038;sprefix=wagener+ki+im+marketing%2Caps%2C94&#038;sr=8-1&#038;linkCode=ll1&#038;tag=nerdwaerts-21&#038;linkId=e5074a981472dec11b04d62f77503207&#038;language=de_DE&#038;ref_=as_li_ss_tl">Künstliche Intelligenz im Marketing</a>, Haufe, Freiburg, 2023</em></p>



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		<title>Plattformregulierung durch Dateneigentum: Hürden und Ansätze (2/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 11:39:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geht man davon aus, dass die Macht der großen Tech-Plattformen ihren Ursprung vor allem in der Sammlung von Daten und deren algorithmischer Auswertung hat, so sollte sich womöglich auch die Plattformregulierung entsprechend hieran orientieren. Während der erste Teil dieses Artikels sich mit den Grundlagen der Plattformmacht im „Überwachungskapitalismus“ beschäftigte, widmet sich dieser zweite Teil nun [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Geht man davon aus, dass die Macht der großen Tech-Plattformen ihren Ursprung vor allem in der Sammlung von Daten und deren algorithmischer Auswertung hat, so sollte sich womöglich auch die Plattformregulierung entsprechend hieran orientieren. Während der erste Teil dieses Artikels sich mit den Grundlagen der Plattformmacht im „Überwachungskapitalismus“ beschäftigte, widmet sich dieser zweite Teil nun möglichen Alternativen zu den gegenwärtigen Regulierungsbemühungen. Diese setzen nicht bei den gegenwärtigen Marktverhältnissen, sondern bei den individuellen Datenverfügungsrechten an.</strong></p>



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<span id="more-2364"></span>



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<p>Plattformregulierung sollten nicht allein bei den Marktstrukturen ansetzen, sondern auch die Verfügungsrechte über die individuellen Daten miteinbeziehen. Schließlich gelten Daten doch als das Treibmittel der <a href="https://nerdwaerts.de/2018/02/1294/">Plattformökonomie</a>. Stärkt man die individuelle Datensouveränität, also die Rückführung der persönlichen und ökonomische Verfügungsgewalt an den Daten an die Plattformnutzer, so wird damit die Voraussetzung geschaffen, um Beschneidungen der Plattformmacht an ihren Wurzeln zu ermöglichen. Damit haben wir uns bereits auf diesem Blog <a href="https://nerdwaerts.de/2025/01/plattformregulierung-durch-dateneigentum-den-ueberwachungskapitalismus-umkehren/">beschäftigt</a>.</p>



<p>Im akademischen Diskurs wurden in diesem Kontext bisher vor allem drei Lösungen erörtert:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>die Teilhabe der Nutzer an den ökonomischen Werten der Plattformen im Wege einer <a href="https://www.oekologisches-wirtschaften.de/index.php/oew/article/view/1646">Vergenossenschaftlichung</a>, was einer indirekten <a href="https://nerdwaerts.de/2021/09/plattformgenossenschaften-muss-dem-plattformkapitalismus-ein-plattformsozialismus-entgegengestellt-werden/">Kollektivierung des Dateneigentums</a> und der Verwertungsentscheidungen darüber gleichkäme,</li>



<li>die <a href="https://www.xing.com/news/insiders/articles/daten-als-kapital-des-digitalkapitalismus-wie-der-wert-von-daten-entsteht-wem-er-gehort-und-welchen-preis-wir-zahlen-1337039">Sozialisierung des Dateneigentums</a> selbst: Daten wären demnach zwingend öffentlich und Allgemeingut, es gäbe dann kein Privateigentum an Daten mehr und</li>



<li>die<a href="https://10.1108/info-05-2015-0025"> absolute Privatisierung des Dateneigentums</a>, im Sinne eines vollständigen Marktentzuges mittels moderner Verschlüsselungstechniken</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Vergenossenschaftlichung von Dateneigentum</h2>



<p>Der ersten Variante können unter anderem Vertreter der Denkschule des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akzelerationismus">Akzelerationismus</a> zugerechnet werden. Diese versuchen, dem Plattformkapitalismus das Prinzip der <a href="https://nerdwaerts.de/2021/09/plattformgenossenschaften-muss-dem-plattformkapitalismus-ein-plattformsozialismus-entgegengestellt-werden/">Plattformgenossenschaft</a> entgegenzusetzen, um mittels der Dezentralisierung der Eigentumsstrukturen und der Implementierung demokratischer Entscheidungsprozesse ein Ausbrechen aus den Datenmonopolen und dem Kreislauf der „Lock-in-Effekte“ der bestehenden Plattformen zu ermöglichen. Doch ist ungewiss, ob solche Initiativen ausreichen, die Unwuchten auf den Märkten zu beheben. Zum einen stellt sich die Frage, wie der Größennachteil neuer Plattformen gegenüber den etablierten Marktführern ausgeglichen werden kann. Die <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Netzeffekte">Netzeffekte</a> werden stets dafür sorgen, dass sich neue Nutzer überwiegend für die größeren Plattformen entscheiden. Zum anderen schützen kollektive Organisationsformen nicht per se vor Machtmissbrauch. Schließlich macht es kaum einen Unterschied, ob ein Gatekeeper aus einem kapitalistisch motivierten oder einem genossenschaftlichen Selbstverständnis heraus agiert. Für den an der Macht nicht beteiligten Nutzer spielt es allenfalls eine nachgelagerte Rolle, warum ihm ein bestimmtes Recht oder der Ressourcenzugang verwehrt bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Daten als öffentliches Gut</h2>



<p>Auch die zweite Variante – die Sozialisierung des Eigentums an den Daten und ihre Umdeutung als öffentliches Gut – birgt Probleme. Auf den ersten Blick mag die Auflösung der faktischen Datenexklusivität der Plattformbetreiber zielführend erscheinen, beruht ihre Vormachtstellung, wie gezeigt, doch ganz wesentlich auf den Beständen an gehorteten Daten. Wenn diese nun für jedermann frei verfügbar wären, käme das dann nicht automatisch einer Aufhebung aller generierten Wettbewerbsvorteile und damit einer Korrektur der als schädlich empfundenen Machtstrukturen gleich? Vermutlich – <a href="https://www.xing.com/news/insiders/articles/daten-als-kapital-des-digitalkapitalismus-wie-der-wert-von-daten-entsteht-wem-er-gehort-und-welchen-preis-wir-zahlen-1337039">so erwarten es auch die Befürworter eines solchen Ansatzes</a> – würde an die Stelle des Wettbewerbs um die Daten der Wettbewerb der Algorithmen treten. Wenn sich aus Daten aber immer noch ein Wert erschaffen lässt – und das dürfte angesichts der Abhängigkeit der Digitalgesellschaft vom Rohstoff Daten kaum bestritten werden – so lassen sich dann weiterhin noch Wettbewerbsvorteile aus der effizienteren und effektiveren Verarbeitung generieren.</p>



<p>Genau dieser Aspekt sorgte zu Beginn des Jahrtausends für die aufkeimende Vormachtstellung Googles, als man sich gegen eine damals bestehende Vielzahl alternativer Suchmaschinen aufgrund der Lieferung „besserer“ Suchergebnisse durchsetzen konnte. Dieser Wettbewerbsvorteil dürfte ganz entscheidend auf den patentierten und damals bereits gegenüber der Konkurrenz überlegeneren Algorithmus zurückzuführen sein, der seinerzeit nicht nur allein, wie sonst damals üblich, auf Keyword-Basis funktionierte, sondern unter anderem bereits Verlinkungen und die Relevanz der verweisenden Webseiten bei den Ausspielungen der relevanten Suchergebnisse miteinbezog (<a href="https://doi.org/10.1016/S0169-7552(98)00110-X.">das Pagerank-Verfahren von Google</a>). Mit diesem Vorsprung gelang es Google seine heutige Monopolstellung (zumindest in Europa und weiten Teilen der Welt) auf den Suchmaschinenmärkten zu begründen. Die Voraussetzung grundsätzlich frei verfügbarer Daten war für alle Marktteilnehmer gleich, die „algorithmische Überlegenheit“ und die damit einsetzenden <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Netzeffekte">Netzeffekte</a> sorgten für Googles Vormachtstellung. Insofern würde eine Sozialisierung des Dateneigentums vermutlich an den Symptomen ansetzen, jedoch nicht den Kern des Problems in den Fokus nehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Privatisierung von Daten</h2>



<p>Als Alternative zu den beiden verwertungsorientierten Ansätzen wird schließlich das Erfordernis einer „Regulation by Encryption“ (auch: „Privacy by Default” bzw. „Privacy by Design“), einer absoluten Privatisierung von Daten, <a href="https://10.1108/info-05-2015-0025">ins Spiel gebracht</a>, die zum Ziel hat, Daten grundsätzlich dem Verwertungskreislauf zu entziehen, indem ihre externe Verwendung durch Verschlüsselung unmöglich gemacht wird. In der politischen Praxis erweist sich die Durchsetzung entsprechender Ansätze allerdings als schwierig. Es mangelt dazu nicht zuletzt am politischen Willen in den Regierungen. Gerade erst in der Diskussion um den DSA zeigte sich eine entsprechende Diskrepanz der offiziellen Haltungen des EU-Parlamentes und des EU-Ministerrates. Letzterer wendet sich <a href="https://www.heise.de/news/Digital-Markets-Act-EU-Abgeordnete-stimmen-fuer-interoperable-Messenger-6274593.html">strikt gegen eine allgemeine Verschlüsselung</a> und drängt hingegen schon seit längerem auf deutlich extensivere Zugriffsmöglichkeiten bei der Strafverfolgung und bei Fragen der inneren Sicherheit.</p>



<p>Abgesehen von der politischen Durchsetzbarkeit dieser Überlegungen, stellt sich hier auch die Frage, ob derartige Eingriffe tatsächlich sinnvoll und erstrebenswert sind. Technologisch käme das einem massiven Rückschritt, einer Rückkehr ins prädigitale Zeitalter, gleich. Mit dem Entzug der Datengrundlage würden schließlich auch als positiv zu betrachtende digitale Errungenschaften eliminiert. Bei aller angebrachter Kritik an den eingeschlagenen Entwicklungsrichtungen der digitalen Transformation gingen derartige Maßnahmen, die einer Negation der positiven Effekte des digitalen Fortschritts gleichkämen, wohl deutlich über das Ziel hinaus. Darüber hinaus würde einer zentralen Verpflichtung zur Verschlüsselung de facto eine Bevormundung und einem tiefen Eingriff in die Verfügungsrechte der Nutzer gleichkommen, die dann ja nicht mehr ungehindert über die Verwendung „ihrer“ Daten entscheiden könnten. Insofern erscheint auch diese Variante kaum sinnvoll umsetzbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dezentralisierung von Datenmärkten als alternativer Ansatz zur Plattformregulierung</h2>



<p>Eine Alternative zu den zuvor beschriebenen Ansätzen könnte in einer Dezentralisierung der Ressourcenmärkte bestehen. Gelänge es, die Zugriffsmöglichkeiten der Plattformen als bestimmende Mittelsmänner an dieser Stelle zu beschneiden, so erschiene damit grundsätzlich auch eine Restitution der Datenmacht möglich – ohne einerseits bei den organisationalen Eigentumsrechten oder andererseits bei der Rechtsnatur der Daten selbst anzusetzen bzw. deren Verkehrsfähigkeit einzuschränken.</p>



<p>Dazu bedürfte es eines unabhängigen und transparenten Marktsystems, welches garantiert, dass die Verwendung und Verarbeitung von Daten zurückverfolgt, dokumentiert und auf Rechtmäßigkeit überprüft werden kann. Dieses müsste an die Stelle der bisherigen zentralen Marktorganisation durch die Plattformen treten. Nicht jedoch die Eigentumsverhältnisse, sondern der Zugriff und die Organisation der Datenverwertung stünden im Mittelpunkt eines solchen Konzeptes. Damit ginge es tatsächlich um den Kern der Daten-souveränität: die Kontrolle des Einzelnen über den eigenen Datenfundus. Zwar sehen die Regelungen des europäischen Datenrechtes dies dem Grundsatz nach durch das individuelle Zustimmungserfordernis zur Informationsverarbeitung bereits vor. Es mangelte bislang jedoch an der Durchsetzungsfähigkeit der persönlichen Dateninteressen: Im Zweifelsfall erfolgte der schnelle Klick auf die Annahme der von der Plattform vorgegebenen Bedingungen – aus Mangel an Alternativen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Produktions- und Vermarktungsgenossenschaften für Daten als Mittel der Plattformregulierung</h2>



<p>Verstanden als eine übergreifende „Produktions- und Vermarktungsgenossenschaft“ – keine „Eigentümergenossenschaft“ – aus gleichberechtigten Teilnehmern, die durch ihr Nutzungsverhalten Daten erzeugen und diese, zwar dezentral, aber aus einer abgestimmten und damit gestärkten Position heraus vermarkten, wäre es möglich, die Verhältnisse auf den Plattformmärkten umzukehren: Über den Rohstoff Daten und dessen Distribution entscheidet nun nicht mehr der Plattformmonopolist, sondern die Nutzer als „Lieferanten“. Statt Leidtragende eines fortwährenden Enteignungsprozesses zu sein, könnten diese durch eine Aufwertung der eigenen Verhandlungsmacht angemessene Preise für die durch sie erzeugte Wertschöpfung festlegen. Dies entspräche im Prinzip einer Verwertungsgesellschaft für Daten, wie wir sie aus anderen Bereichen der Monetarisierung geistigen Eigentums kennen (z.B. GEMA), allerdings mit deutlich weitgehenderen Individualisierungsoptionen für spezifische Verwendungsfälle und Verwertungsberechtigte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plattformregulierung: Daten als non-fungible Tokens (NFT)</h2>



<p>Umsetzen ließe sich dies mittels der <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Distributed+Ledger">Distributed Ledger</a>&#8211; bzw. <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain">Blockchain</a>-Technologie, die hinter dem Bitcoin-System steht und beim Handel immaterieller Werte als <a href="https://nerdwaerts.de/?s=NFTs">non-fungible Tokens (NFT)</a> in der Vergangenheit bereits großflächig zum Einsatz kam. <a href="https://nerdwaerts.de/2021/09/plattformgenossenschaften-muss-dem-plattformkapitalismus-ein-plattformsozialismus-entgegengestellt-werden/">Digitale Güter, zu denen auch Daten gehören, werden damit trotz ihrer Duplizierbarkeit und Immaterialität übertragbar</a>, da der Zugriff auf sie und jede ihrer Transaktionen durch ein dezentrales Netzwerk (anstelle eines zentralen Gatekeepers) unveränderbar dokumentiert wird. Ungezügeltes und manipulatives Verwenden ließe sich damit öffentlich und transparent nachvollziehen. Diese Verfahren werden bereits etwa bei der Übertragung von Nutzungsrechten in der Musikwirtschaft oder auch in der programmatischen Onlinewerbung erprobt. Es könnte auch für eine Restitution des privaten Dateneigentums in der <a href="https://nerdwaerts.de/2018/02/1294/">Plattformökonomie</a> Verwendung finden.</p>



<p>Zudem ließe sich damit auch ein Anknüpfungspunkt für nachhaltige regulative Eingriffe erzeugen, etwa für den Fall, dass die Nutzer trotz dieser Regelungen, zum Beispiel aufgrund intransparenter Wertschöpfungsketten der Plattformen, nicht in der Lage sind, den eigentlichen Wert ihrer Daten zu ermessen oder diesen preislich durchzusetzen: Analog zum Mindestlohn für den Faktor Arbeit könnte man auf diese Weise als zusätzlichen Schutzmechanismus auch ein Mindestentgelt für personenbezogene Daten festlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Daten als geldwertes Gut</h2>



<p>Die Vorteile einer solchen Lösung sind breit gefächert: Zunächst würde dies erstmalig eine Partizipation aller an der Wertschöpfung ermöglichen, auch derjenigen, die bislang aus einer eigentlich schwachen Marktposition heraus agieren mussten. Bereits jetzt werden per „Vertrag“ die Nutzungsrechte an den Daten an die Plattformen übertragen. Die gewährte Gegenleistung besteht jedoch allein in der Berechtigung zur Teilnahme an den Plattformdiensten. Eine zusätzliche verpflichtende Entgeltung der Datenverwendung durch algorithmische Regulation würde die Position sämtlicher weiterer Beteiligter deutlich aufwerten. Alle profitierten damit von zukünftiger datenbezogener Wertschöpfung, nicht mehr allein der Plattformmonopolist.</p>



<p>Gleichzeitig werden mit einem solchen Ansatz auch Anreize für die Plattformbetreiber geschaffen, die Daten zielgerichteter zu verwenden. Ein anlassunabhängiges Datensammeln muss aus ökonomischen Gründen gut überlegt sein. Klassische Big Data-Ansätze, die bisher verfolgt wurden, um für die ausreichende Datenbasis zu sorgen, die für Verfahren des maschinellen Lernens notwendig sind – etwa die Identifizierung von Musterbildungen im Rahmen des <a href="https://nerdwaerts.de/2019/06/maschinelles-lernen-und-ki-im-marketing-lernmethoden-und-ihre-einsatzmoeglichkeiten-im-marketing/">unsupervised Learnings</a>&nbsp; – führten dann je nach Peis, der für einen Datensatz zu entrichten ist, zur Frage nach dem „Return On Invest“. Dabei wäre natürlich denkbar, grundsätzlich zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung zu unterscheiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schaffung von „algorithmischer Verantwortung“ als Grundlage der Plattformregulierung</h2>



<p>Ferner ließen sich damit – zumindest in Ansätzen – auch die gesellschaftlichen Auswüchse der <a href="https://nerdwaerts.de/2018/02/1294/">Plattformökonomie</a> ins Visier nehmen. Durch den Rückgriff auf das <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain">Blockchain</a>-Verfahren wäre ebenso die Transparenz der Datenverwendung gegeben, weil diese schließlich auch Bedingung der Monetarisierung ist. Damit wäre es möglich, gezielt algorithmischen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Welche Daten wo zum Einsatz kämen und welche Auswirkungen darauf basierende algorithmische Prozesse haben, könnte erfasst und deutlich effizienter als bisher untersucht werden. Auch die Voraussetzungen einer datenbasierten Zuweisung „algorithmischer Verantwortung“ würden damit geschaffen. Nicht zuletzt aber träfe man damit aber auch den <a href="https://doi.org/10.1057/jit.2015.5">Überwachungskapitalisten</a> an seiner verwundbarsten Stelle: Mit der beschriebenen Individualisierung des „Produktionsmittelzugangs“ entzöge man ihm die Grundlage für sein monopolistisches Wirken. Damit könnte dann auch eine Wiedereingliederung in ein System gesellschaftlicher „checks &amp; balances“ einhergehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plattformregulierung neu gedacht</h2>



<p>Das jahrelange Ringen von Politik und Gesellschaft mit der Plattformmacht hat bis heute nicht zu einem Konsens über die angemessene Umgangsweise geführt. Neben der laxen marktliberalen Haltung früherer Jahre finden sich inzwischen auch deutlich restriktivere regulative Vorschläge. Teilweise wird auch die Frage gestellt, ob es sich bei den Plattformen nicht eigentlich um „natürliche Monopole“ handele, und ob diese überhaupt marktkonform behandelt bzw. organisiert werden sollten. Denn viele der Plattformleistungen seien als Teil der „digitalen Grundversorgung“, ähnlich wie Energie- und Wasserversorgung, im Kern „öffentliche Güter“. Daher müsse staatlicherseits anstelle der Plattforminfrastruktur für den <a href="https://netzpolitik.org/2019/neue-wettbewerbsregeln-fuer-die-plattformoekonomie/">Aufbau einer gemeinnützigen, öffentlichen digitalen Infrastruktur</a> gesorgt werden – faktisch würde dies einer Verstaatlichung der Plattformleistungen gleichkommen.</p>



<p>Noch schwerer als bei der Betrachtung der ökonomischen Effekte tut man sich bei den gesellschaftlichen Auswirkungen. Hier stellt sich grundsätzlich die Frage, ob Hasskriminalität und gesellschaftliche Tribalisierung tatsächlich originär den Plattformen anzukreiden ist. Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob diese Entwicklungen Auswirkungen der Plattformbeschaffenheit – ursprünglich verband man mit der Digitalisierung und Vernetzung schließlich nicht zuletzt auch eine als äußerst positiv empfundene Demokratisierung öffentlicher Kommunikation – oder nicht eher Symptome einer generellen gesellschaftlichen Degeneration sind, die durch externe Faktoren – Covid19, Globalisierung, Klimawandel – zusätzlich befeuert wird. Vor allem aber ist ungeklärt, ob diesen zweifelsohne bestehenden Problemen überhaupt mit regulativen Eingriffen begegnet werden kann. Eine strikte Anwendung der bestehenden Gesetze einerseits und die Stärkung der jahrzehntelang vernachlässigten Medien- und Digitalkompetenz andererseits erscheinen mit distanziertem Blick adäquater.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plattformregulierung durch die Schaffung von Anreizen</h2>



<p>Anders verhält es sich allerdings mit den algorithmischen Steuerungsmechanismen auf den Plattformen. Unbestreitbar nehmen die Plattformen eine Stellung ein, die ihnen nicht nur eine ökonomische Bedeutung, sondern auch eine hohe gesellschaftliche Relevanz beimisst. Die verwendeten selbstlernenden Algorithmen verstärken die oben genannten Effekte unzweifelhaft, auch begründen sie maßgeblich die Machtposition der Plattformbetreiber, die ihre &#8211; mitunter deshalb als parasitär einzustufenden &#8211; Geschäftsmodelle auf diese Weise zur vollen Entfaltung bringen können. Nachdem es kaum möglich erscheint, regulativ bei den Algorithmen selbst anzusetzen, muss der Fokus auf der vorgelagerten Wertschöpfungsstufe der Datenressourcen liegen. Die Diskussion um den Wert und die Bedeutung von Daten in unserer zunehmend digitalen Welt führen wir schon lange. In Bezug auf die Plattformmacht wird sie nochmals dringlicher, sie ist der Schlüssel bei der Suche nach möglichen erfolgversprechenden regulativen Ansätzen. Wenn es gelingt, das Eigentum an den Daten zu dezentralisieren und als bürgerliches Grundrecht zu implementieren, schafft man Anknüpfungspunkte für effektive Maßnahmen dr Plattformregulierung. Die größte Herausforderung dürfte dabei jedoch die Schaffung eines entsprechenden Bewusstseins sein – nicht nur in der Politik, sondern auch beim einzelnen Bürger.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plattformregulierung und die Gestaltung der digitalen Zukunft</h2>



<p>Die Schwierigkeit der Plattformregulierung besteht darin, dass Lösungen hier nicht nur für laufende, sondern auch für zukünftige Entwicklungen „mitgedacht“ werden müssen. Das kürzlich von Facebook ausgerufene „Metaverse“ reichert den Plattformgedanken um eine neue visuelle und auch potenziell haptische Ebene an, was regulative Regeln einem zusätzlichen Test unterziehen dürfte. Das Prinzip der Netz- und Lock-In-Effekte bestimmt heute bereits die Entwicklungssystematiken der mRNA-Impfstoffe – die man durchaus auch als <a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mrna-technologie-die-neue-weltmacht-der-bio-plattformen-a-c87fa211-1897-47cf-8a1b-cd9ded973e6f">Bio-Plattformen betrachten kann</a>. Und selbst die zukünftige „Bewirtschaftung“ des Weltraums wird sich an der Generierung von Standards orientieren, wie man bereits jetzt bei den Bestrebungen der Plattformunternehmer Jeff Bezos (Amazon/Blue Origin) und Elon Musk (Tesla/Starlink) beobachten kann. Daten, informationelle und immaterielle Güter spielen dabei immer eine entscheidende Rolle. Sie bilden &#8211; bei allen Investitionen in Sachwerte, die damit einhergehen &#8211; die Basis für die erfolgreiche Erschließung neuer Märkte und sind damit auch stets maßgeblicher Treiber gesellschaftlichen Wandels.</p>



<p>Maßnahmen der Plattformregulierung sollten also insbesondere an dieser Stelle ansetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Artikel „Algorithmic Regulation“ und Dateneigentum: ökonomische und gesellschaftliche Handlungsoptionen der Plattformregulierung, aus dem Sammelband „<a href="https://www.amazon.de/Die-Digitalisierung-Politischen-Herausforderungen-Sozialwissenschaften/dp/3658382678?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=32JXVGQ32A7RN&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Z8Haw4_Qh3tHiK5x0a9uTy7R-4EhNQMfDvt5YHyT3Ly5a-F4U25GBUT6BhsvfSIMbdnNMNsN8ybXJq-BuR7igRPGJpG94VX1DRiv17LsOHvhHPaCAumjUnb1rOnA_EUBQ3ikGepgm_uZL_Q72OqnS5Ei4_oTVp75nhie8eVl7GlEmFGJS5WlsQpBPbdNIfGl8fNoil8w8DlQOORXzdWv1BPx_sf4QJZl49jnChhVJt0.cO-zRX3ifimw5F-HsRv9lPLCSZSYMiGed5w-KNBFgDY&amp;dib_tag=se&amp;keywords=digitalisierung+des+politschen+wagner&amp;nsdOptOutParam=true&amp;qid=1732531270&amp;sprefix=digitalisierung+des+politschen+wagener%2Caps%2C81&amp;sr=8-14&amp;linkCode=ll1&amp;tag=nerdwaerts-21&amp;linkId=980940e5f3cd674bb5b8f3b73ae5d508&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_tl">Die Digitalisierung des Politischen. Theoretische und praktische Herausforderungen für die Demokratie</a>“, herausgegeben von Andreas Wagener und Carsten Stark, Springer VS, 2023</p>



<p>Dies ist der zweite Teil des Artikels &#8222;Plattformregulierung durch Dateneigentum&#8220;. Den ersten Teil <a href="https://nerdwaerts.de/2025/01/plattformregulierung-durch-dateneigentum-den-ueberwachungskapitalismus-umkehren/">Plattformregulierung durch Dateneigentum: den Überwachungskapitalismus umkehren</a> finden Sie <a href="https://nerdwaerts.de/2025/01/plattformregulierung-durch-dateneigentum-den-ueberwachungskapitalismus-umkehren/">hier</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Literatur:</strong></p>



<p>van Alstyne, M., Parker, G. G. &amp; Choudary, S. P. (2016). Pipelines, Platforms, and the New Rules of Strategy. <em>Harvard Business Review</em>. Vol. 94. 4, 54-62.</p>



<p>Brin, S. &amp; Page, L. (1998). The anatomy of a large-scale hypertextual Web search engine, <em>Computer Networks and ISDN Systems</em>, Volume 30, Issues 1–7, 1998, 107-117, <a href="https://doi.org/10.1016/S0169-7552(98)00110-X">https://doi.org/10.1016/S0169-7552(98)00110-X</a>.</p>



<p>Gallwas, H. (1992). Der allgemeine Konflikt zwischen dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung und der Informationsfreiheit. Neue Juristische Wochenschrift. S. 2785–2848.</p>



<p>Krempl, S. (2021). Digital Markets Act: EU-Abgeordnete stimmen für interoperable Messenger (9.12.2021). <em>Heise</em>. <a href="https://www.heise.de/news/Digital-Markets-Act-EU-Abgeordnete-stimmen-fuer-interoperable-Messenger-6274593.html">https://www.heise.de/news/Digital-Markets-Act-EU-Abgeordnete-stimmen-fuer-interoperable-Messenger-6274593.html</a>.</p>



<p>Lobe, A. (2021). Sollte man Google und Facebook verstaatlichen? (16.11.2021).<em> Spektrum</em>. <a href="https://www.spektrum.de/kolumne/lobes-digitalfabrik-sind-google-und-facebook-ein-oeffentliches-gut/1949629">https://www.spektrum.de/kolumne/lobes-digitalfabrik-sind-google-und-facebook-ein-oeffentliches-gut/1949629</a>.</p>



<p>Lobo, S. (2021). Die neue Weltmacht der Bio-Plattformen (27.01.2021). <em>Spiegel</em>. <a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mrna-technologie-die-neue-weltmacht-der-bio-plattformen-a-c87fa211-1897-47cf-8a1b-cd9ded973e6f">https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mrna-technologie-die-neue-weltmacht-der-bio-plattformen-a-c87fa211-1897-47cf-8a1b-cd9ded973e6f</a>.</p>



<p>Piétron, D. &amp; Wiggerthale, M. (2019). Neue Wettbewerbsregeln für die Plattformökonomie (06.12.2019). <em>Netzpolitik</em>.org. https://netzpolitik.org/2019/neue-wettbewerbsregeln-fuer-die-plattformoekonomie/.</p>



<p>Saurwein, F., Just, N. &amp; Latzer, M. (2015). Governance of algorithms: options and limitations. <em>Info</em>, 17(6), 35–49. <a href="https://10.1108/info-05-2015-0025">https://10.1108/info-05-2015-0025</a>.</p>



<p>Scholz, T. (2019). A Portfolio of Platform Cooperativism, in Progress. <em>Ökologisches Wirtschaften,</em> 33(4), 16–19.</p>



<p>Vöpel, H. (2018). Daten als Kapital des Digitalkapitalismus: Wie der Wert von Daten entsteht, wem er gehört und welchen Preis wir zahlen.&nbsp; <a href="https://www.xing.com/news/insiders/articles/daten-als-kapital-des-digitalkapitalismus-wie-der-wert-von-daten-entsteht-wem-er-gehort-und-welchen-preis-wir-zahlen-1337039">https://www.xing.com/news/insiders/articles/daten-als-kapital-des-digitalkapitalismus-wie-der-wert-von-daten-entsteht-wem-er-gehort-und-welchen-preis-wir-zahlen-1337039</a>.</p>



<p>Vöpel, H. (2021). Die digitale Revolution: Der große Übergang in die Datenökonomie. In T. Straubhaar (Hrsg.) <em>Neuvermessung der Datenökonomie</em> (S. 29 – 40). Hamburg University Press.</p>



<p>Vosoughi, S., Roy, D. &amp; Aral, S. (2018). The spread of true and false news online (09.03.2018). <em>Science</em>, 359(6380), 1146-1151. <a href="https://doi.org/10.1126/science.aap9559">DOI: 10.1126/science.aap9559</a></p>



<p>Wagener, A. (2018). Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain. In S. Liebold, T. Mannewitz, M. Petschke, T. Thieme. (Hrsg.). <em>Demokratie in unruhigen Zeiten (S. </em>387–396). Nomos.</p>



<p>Wagener, A. (2023). <em>Künstliche Intelligenz im Marketing</em>. 2. Aufl. Haufe.</p>



<p>Wagener, A. (2021). KI als Staatsprinzip: Leitlinien demokratischer Legitimation von AI Governance. SWS-Rundschau, (61. Jg.) Heft 4/2021, 369-390.</p>



<p>Zuboff, S. (2015).&nbsp;Big other: surveillance capitalism and the prospects of an information civilization. <em>Journal of Information Technology</em>, 30(1), 75-89.&nbsp; <a href="https://doi.org/10.1057/jit.2015.5">https://doi.org/10.1057/jit.2015.5</a>.</p>



<p>Zuboff, S. (2019). Im Zeitalter des Überwachungskapitalismus (12.06.2019). &nbsp;<em>Netzpolitik.org</em>. <a href="https://netzpolitik.org/2019/im-zeitalter-des-ueberwachungskapitalismus/">https://netzpolitik.org/2019/im-zeitalter-des-ueberwachungskapitalismus/</a>.</p>



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<div style="height:46px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Von Cyborgs und Digitalen Lebewesen: Wie generative KI&amp;VR menschliches Leben (und Sterben) verändern&#8220;:    </strong></p>



<iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/2tjGPVbKElM?si=tVOpJ9AERWG_MVk3" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>



<p><em>
Mehr Informationen zum Thema KI im Marketing finden Sie im Buch von <a href="https://nerdwaerts.de/keynotes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andreas Wagener</a> <a href="https://www.amazon.de/K%C3%BCnstliche-Intelligenz-Marketing-verbirgt-profitieren/dp/3648169572?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&#038;crid=3LEYA68C1IHK9&#038;dib=eyJ2IjoiMSJ9.F0DFVjJXx3RDUq5AFGWmW72IYdQUzCcPngROcCJNE8MrT5C61IF2XaAkWPd_le2b5NPhi5td5gIJMn6bRqSJciSKGXyMa6Rl2rf8dzSbVR6sTRH9Exy9GurFiPKH0yYGAZsFgvQG6NeyubdeZNaRWEVcjwmhJmc_nJl4oafIWLlMbBn9e6hu_Jy3DVmk4iAv3Lg4OEXfVaJm88L9Q4G9iDM7nArvced8A0fx9Qj9qe0.nP-dKqYU-gE_d5W1Xtmrr8y7DR5pgrkPbPFkThWYiuY&#038;dib_tag=se&#038;keywords=Wagener+KI+im+Marketing&#038;qid=1728994048&#038;sprefix=wagener+ki+im+marketing%2Caps%2C94&#038;sr=8-1&#038;linkCode=ll1&#038;tag=nerdwaerts-21&#038;linkId=e5074a981472dec11b04d62f77503207&#038;language=de_DE&#038;ref_=as_li_ss_tl">Künstliche Intelligenz im Marketing</a>, Haufe, Freiburg, 2023</em></p>



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		<title>Dimensionen des Metaverse: eine Begriffsbestimmung</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2022/11/dimensionen-des-metaverse-eine-begriffsbestimmung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Nov 2022 17:25:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum eine Begrifflichkeit im Kontext des digitalen Marketings dürfte in jüngerer Zeit so viel Aufmerksamkeit erhalten haben, wie der Terminus des „Metaverse“. Das damit beschriebene Zusammenwachsen von virtueller und physischer Welt ermöglicht neue Geschäftsmodelle und &#8211; so glauben viele &#8211; wird die Bedingungen an den digitalen Märkten auf den Kopf stellen. Noch immer ist allerdings [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Kaum eine Begrifflichkeit im Kontext des digitalen Marketings dürfte in jüngerer Zeit so viel Aufmerksamkeit erhalten haben, wie der Terminus des „Metaverse“. Das damit beschriebene Zusammenwachsen von virtueller und physischer Welt ermöglicht neue Geschäftsmodelle und &#8211; so glauben viele &#8211; wird die Bedingungen an den digitalen Märkten auf den Kopf stellen. Noch immer ist allerdings nicht klar, was genau unter diesem Buzzword nun eigentlich zu verstehen ist &#8211; was zur Folge hat, dass vielen der Themenkomplex noch als sehr abstrakt erscheint. Dabei sind viele der damit verbundenen Visionen bereits Realität. Dieser Beitrag versucht sich in einer &#8222;entmystifizierenden&#8220; Begriffsbestimmung und -abgrenzung.</strong></p>



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<span id="more-2085"></span>



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<p>Der Begriff „Metaverse“ geht, ebenso wie die heute einschlägige Verwendung der Bezeichnung „Avatar“ für ein menschliches Abbild im digitalen Raum, auf den Autor <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neal_Stephenson">Neal Stephenson</a> und dessen Science-Fiction-Roman „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Snow_Crash" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Snow Crash</a>“ zurück. Damals, im Jahr 1992, deutlich dystopisch angelegt, prägte Mark Zuckerberg den Begriff auf ein neues weltumspannendes, virtuelles Netzwerk um, in welchem &#8211; das nun in „Meta“ umbenannte – Facebook, in Verbindung mit den eigenen VR-Brillen von Oculus Rift, als soziales Netzwerk auch in der virtuellen Sphäre eine weiterhin gewichtige Rolle einnehmen soll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Metaverse: bisher keine eindeutige Definition</h2>



<p>Eine eindeutige, allgemein anerkannte Definition für den Terminus „Metaverse“ existiert allerdings bislang nicht. Viele Unternehmen, die in dieser frühen Phase in eigene virtuelle Plattformen investieren, versuchen hier eine eigene Deutungshoheit zu erlangen &#8211; die Firma NVIDIA spricht etwa vom „<a href="https://www.nvidia.com/de-de/omniverse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Omniverse</a>“. Eine gewisse Stilbildung erfolgte durch die theoretischen <a href="https://tinyurl.com/ymfkkhkc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vorarbeiten Matthew Balls</a>, auf den sich auch Mark Zuckerberg bezogen hatte, und die entsprechend häufig in diesem Kontext zitiert werden. Zusammenfassend ließe sich das Metaverse demnach als eine komplett funktionsfähige Parallelwelt im virtuellen „Raum“ beschreiben: Diese kann nicht beliebig an- oder ausgeschaltet werden, sie ist „persistent“, wie die „echte“ Welt. Auch wenn man nicht aktiv oder anwesend &#8211; „online“ &#8211; ist, läuft das Geschehen für alle weiter – in „Echtzeit“. Dieses Metaversum würde über ein eigenes Wirtschaftssystem verfügen, in dem man kaufen, verkaufen, arbeiten und investieren kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es bedarf einer weitergefassten Definition für das Metaverse</h2>



<p>In diesem Verständnis spiegelt sich jedoch eine – nicht zuletzt technisch – aktuell noch nicht realisierbare Zielvision wider, die nah an der skizzierten Welt aus Stephensons Science-Fiction-Roman liegt und eine enge Verflechtung von physischer Welt und virtueller Dreidimensionalität suggeriert. Gleichwohl wird der aktuelle Stand digitaler Entwicklungen bereits ebenfalls unter dem Begriff des Metaverse diskutiert. Das „immersive“ Eintauchen in virtuelle Welten mit entsprechenden <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Virtual+Reality&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">VR</a>-Brillen, aber auch bereits 2D-Erfahrungen in digitalen „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Open-World-Spiel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Multiplayer-Open-World</a>“-Spielen oder auf Plattformen wie Roblox, Minecraft, Decentraland und Sandbox zählen genauso zu diesem Kosmos wie die schon seit längerem praktizierte Handelbarkeit virtueller Güter. Selbst wenn damit bislang kein ubiquitäres und standardübergreifendes Gesamtgebilde geschaffen wurde – wie es einer engen Metaverse-Definition entspräche, so lassen sich als gemeinsamer Nenner dieser Entwicklungen eine tiefergehende Digitalisierung ausmachen. Diese erlaubt potenziell all das, was im Analogen möglich ist, ebenso im Digitalen. Sie ist in der Lage, Erlebnisse im digitalen Raum als zunehmend eigenständig und losgelöst von den physischen Gegebenheiten zu inszenieren. Angestrebt wird die Ebenbürtigkeit des Digitalen. Zumindest hierin besteht Deckungsgleichheit mit der Endvision der enger gefassten Definition vom Metaverse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die 4 Dimensionen des Metaverse</h2>



<p>Dennoch werden in der Diskussion sehr unterschiedliche Aspekte miteinander verwoben, Technologien – wie <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Virtual+Reality&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">VR </a>oder <a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blockchain</a>/NFTs – auf der einen Seite und weiter fortschreitende Immersion auf der anderen. In der Tat lassen sich verschiedene Dimensionen in der Metaverse-Entwicklung als Kategorien erfassen, die gleichfalls die Handlungsfelder von Unternehmen entsprechend abstecken:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Gaming und digitale Umgebungen in 2D</strong></li>



<li><strong>Digitale Realitäten in 3D</strong></li>



<li><strong>Virtuelle Güter und NFTs</strong></li>



<li><strong>Web3</strong></li>
</ul>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="582" src="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1-1024x582.jpg" alt="Dimensionen des Metaverse" class="wp-image-2134" srcset="https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1-1024x582.jpg 1024w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1-300x170.jpg 300w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1-768x436.jpg 768w, https://nerdwaerts.de/wp-content/uploads/2022/11/Metaverse-JPG-1.jpg 1301w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Dimensionen des Metaverse</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Auch schon Metaverse: Gaming und digitale Umgebungen in 2D </h2>



<p>Die 2003 gegründete virtuelle Community SecondLife gilt inzwischen als früher Vorläufer der heutigen Metaverse-Ansätze. Sie ist als ein Paradebeispiel einer zweidimensionalen, also am herkömmlichen Bildschirm erlebbare, in sich geschlossene Welt zu betrachten und ermöglichte bereits damals Alltagstätigkeiten – kommunikativer Austausch, Events, Spiele, Shopping – im digitalen Raum. Dieses Konzept findet heute seine Fortsetzung etwa auf der Plattform Decentraland, welche sich ebenfalls am 2D-Bildschirm erfahren lässt, die aber auch ermöglicht, das Erlebnis durch den Einsatz von VR-Brillen dreidimensional zu erweitern (s.u.). Auch der Multiplayer-Shooter Fortnite wird als Entwurf eines eigenen Metaversums verstanden. Neben dem eigentlichen Spielmodus führt Fortnite regelmäßig Events, insbesondere Live-Konzerte und -Performances durch. Mittels einer eigenen Währung, den „V-Bucks“, kann die Modifizierung der Erscheinung des eigenen Avatars bezahlt werden. Ohnehin dürften Spiele unter den bereits realisierten Anwendungen derzeit der Idealvorstellung eines Metaverses am nächsten kommen. Die Gaming-Plattform Roblox ermöglicht nicht nur ihren Nutzern, selbst eigene Spiele zu entwickeln und mittels der virtuellen Währung Robux zu monetarisieren, sondern bietet zudem Unternehmen Rahmenbedingungen, sich und ihre Marke zu präsentieren, etwa durch den Aufbau eigener Teilwelten und die Bereitstellung einschlägiger Inhalte und Angebote – wie das <a href="https://www.reuters.com/technology/into-metaverse-nike-creates-nikeland-roblox-2021-11-18/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beispiel „Nikeland“</a> zeigt (Reuters, 2021). Doch im Prinzip schließt der Aspekt der digitalen Umgebung als Erfassungsmerkmal für das Metaverse auch weitere virtuelle Plattformen und Dienstleistungen mit ein, die ein entsprechend hohes Maß an Immersion aufweisen. So können ebenso <a href="https://www.govtech.com/education/higher-ed/universities-partner-with-bodyswaps-to-study-uses-for-vr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in sich geschlossene Bildungsangebote</a> hier angeführt werden). Selbst Zoom, als digital-autarkes Instrument der Wissensvermittlung und virtuelles Eventtool, ließe sich damit dem Metaverse-Kosmos zurechnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Digitale Realitäten in 3D als Zielvorstellung des Metaverse</h2>



<p>Der Einsatz von VR-Endgeräten, um „echte“ virtuelle Erlebnisse zu ermöglichen, ist schon seit längerem im Gamingumfeld erprobt. Unzweifelhaft verstärkt Dreidimensionalität die realitätsnahe Wahrnehmung in der digitalen Sphäre und erhöht die Immersion. Verschiedenste kommerzielle Anbieter &#8211; nicht zuletzt die von Meta vor einigen Jahren erworbene Firma Oculus Rift &#8211; stehen aktuell im Wettbewerb um diesen als <a href="https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/IJEBR-12-2021-0984/full/html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vielversprechend empfundenen Zukunftsmarkt</a>. Wie erwähnt, setzen auch verschiedene Metaverse-<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Plattform&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plattformen</a>, wie Decentraland, darauf, ihre Inhalte mit diesen Endgeräten erlebbar zu machen. Die dreidimensionale Teilhabe mag einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung eines „echten“ Metaverses markieren, aber erscheint – zumindest heute –&nbsp; noch nicht zwingend als ein konstituierendes Merkmal. Die bereits erwähnten zweidimensionalen Umgebungen eröffnen ebenfalls immersives Potenzial. Aber ebenso kann der Mix aus virtueller und physischer Realität als „Augmented Reality“ (AR) zu einer Anreicherung medialer Erfahrungen führen. Indem der Blick durch ein digitales Display – etwa durch eine Smartphone-Kamera – ein Bild aus der analogen Realität um ein virtuelles Element erweitert, kann ebenfalls bereits von einer Verschmelzung beider Sphären gesprochen werden. Anwendungsfälle hierfür finden sich etwa bei der Verwendung virtueller Güter, wenn rein virtuell existierende Kleidungstücke oder Schmuck auf ein „reales“ Foto projizierbar werden und das physische Tragen dieser Utensilien sich damit digital simulieren lässt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Virtuelle Güter und NFTs im Metaverse</h2>



<p>Der Gamingsektor ist auch hinsichtlich virtueller Güter als prägend zu betrachten. Schon seit geraumer Zeit ist es möglich, die Ausstattung von Avataren, deren Erscheinungsbild oder bestimmte virtuelle Gegenstände, die im Spiel einen Vorteil verschaffen, in Spielen gegen Geld zu erwerben. Die Geschäftsmodelle der Branche basieren immer öfter auf diesem Aspekt – entweder als Haupteinnahmequelle bei einer ansonsten frei nutzbaren Software (z.B. bei Fortnite) oder als Zusatzverdienst zu einem zu entrichtenden Grundentgelt (als „Paidmium“). In einer virtuellen Welt, die versucht, physische Bedingungen nachzubilden, kommt dem Aspekt der Handelbarkeit von „virtuellen Sachgütern“ und Dienstleistungen eine besondere Bedeutung zu. Die Motivation der Nutzer, diese zu erwerben, besteht nicht zuletzt darin, eine „Online-Identität“ zu schaffen, mit der man sich gegenüber anderen abgrenzt. Aber auch für Unternehmen kann es interessant sein, Anknüpfungspunkte in den entstehenden virtuellen Welten zu errichten – <a href="https://arxiv.org/abs/2110.05352" target="_blank" rel="noreferrer noopener">etwa indem man „Immobilien“ erwirbt oder „mietet“, die zur Kundenkommunikation oder als Verkaufsfläche genutzt werden</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">NFTs vs. Virtuelle Güter</h2>



<p>In diesem Kontext fällt häufig &#8211; der allerdings nicht immer trennscharf verwendete – Begriff „NFT“ („non fungible token“). „Nicht-fungibel“ bedeutet „nicht austauschbar“ und bezieht sich auf den Umstand, dass digitale Güter, im Gegensatz zu physischen Gütern, eigentlich nicht rivalisierend im Konsum sind, weil sie sich unendlich vervielfältigen lassen und eine Übertragbarkeit nicht an den Verzicht des Gutes durch den „Abgebenden“ gebunden ist. In einer virtuellen Welt, in der es „unique“ virtuelle Sach- und Investitionsgüter gibt – wie etwa eine virtuelle Veranstaltungslocation in einer Premiumlage – besteht jedoch die Notwendigkeit, genau diesen originär physischen Übertragungsprozess auch in der virtuellen Welt sicherzustellen, also zu gewährleisten, dass bestimmte Güter nur einmal verkauft werden. Dieses Problem ist bereits von digitalen Zahlungsmitteln wie Bitcoin bekannt, und auch wird entsprechend versucht, dieses durch den Rückgriff auf Distributed-Ledger-Technologie (DLT, „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Blockchain&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blockchain</a>“) zu lösen. Indem die Transaktion auf der anschließend dezentral verteilten Blockchain fixiert wird und grundsätzlich für jeden Marktteilnehmer einsehbar ist, wird sichergestellt, dass es keine „doppelte“ Übertragung gibt. Ferner kann damit die Einzigartigkeit des virtuellen Gutes dokumentiert werden. Greifen die Betreiber verschiedener Welten auf das selbe DLT-Verfahren zurück, ließe sich damit eine Interoperabilität zwischen den Plattformen schaffen, d.h. digitale Güter, die in einer virtuellen Umgebung erworben würden, könnten grundsätzlich ebenso in einer anderen genutzt werden. Auf diese Weise käme man der Zielvision eines umspannenden, allgemeinen, ubiquitären Metaverses deutlich näher. Allerdings zeichnet sich eine solche Entwicklung bestenfalls nur in Ansätzen ab, nicht zuletzt aufgrund von Kompatibilitätsproblemen und den kollidierenden Interessen der verschiedenen Betreiber der aktuellen virtuellen Plattformen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Grenzen von NFTs: wie sie wirklich funktionieren</h2>



<p>NFTs sind Gegenstand intensiver Berichterstattung in den Medien, nicht zuletzt weil für digitale Kunst – z.B. Cryptopunks, <a href="https://www.nft-stats.com/collection/boredapeyachtclub" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bored Aped Yacht Club</a> &#8211; oder virtuelle Immobilien – z.B. <a href="https://nonfungible.com/market-tracker/decentraland" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf Decentraland.com oder Sandbox</a> &#8211; teilweise schwindelerregende Preise bezahlt werden. Neben ihrer Eigenschaft als Anlage- oder Spekulationsobjekt lassen sich NFTs aber auch in der Live-Kommunikation einsetzen, etwa zur <a href="https://www.forbes.com/sites/cathyhackl/2021/11/23/value-creation-in-the-metaverse-a-utility-framework-for-nfts/?sh=301f8c651233" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kundenbindung und zur „Emotionalisierung“ von Event-Teilnahmen, o.ä</a>. Zu beachten ist allerdings: In der Regel enthält ein NFT nur einen Link auf einen digitalen Inhalt, der auf einem Server gespeichert ist, nicht das „Gut“ selbst. Insofern werden nur bestimmte Rechte, nicht aber das eigentliche Eigentum transferiert. Ebenso ist wichtig zu verstehen, dass diese Rechte immer nur auf ein Protokoll-System beschränkt sind. Theoretisch ließe sich ein digitales Kunstwerk auf verschiedenen Blockchains mehrfach vertreiben (und dort jeweils als „einzigartig“). Auch Plagiarismus ist damit nicht aus der Welt geschafft, denn die Urheberschaft wird beim „Minten“ (dem „Upload“ des NFTs auf die Blockchain) in aller Regel <a href="https://www.wired.com/story/nfts-dont-work-the-way-you-think-they-do/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht geprüft</a>. Und schließlich bedarf es für den Handel mit virtuellen Gütern auch grundsätzlich nicht eines aufwändigen und derzeit immer noch wenig nachhaltigen DLT-Systems. Die Verwaltung kann alternativ zentral, durch die jeweilige Plattform erfolgen, die dann für die Rechtmäßigkeit der Transaktionen verantwortlich ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Metaverse als Web3?</h2>



<p>Im Kontext des Metaverses wird immer wieder auf die Entstehung des „Web3“ <a href="https://www.bennettinstitute.cam.ac.uk/wp-content/uploads/2022/03/Policy-brief-Crypto-web3-and-the-metaverse.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verwiesen</a>. Darunter wird allgemein eine Gegenbewegung zur Zentralisierung der aktuellen Netzorganisation, insbesondere der Bündelung der Markt- und Gestaltungsmacht bei den großen Plattformen erfasst. Die Diskussion um das Metaverse gibt dieser schon länger geführten <a href="https://nerdwaerts.de/2017/11/1248/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Diskussion</a> einen zusätzlichen Schub. Denn natürlich stellt sich die Frage, nach welchen Regeln ein derart tiefgreifender Neustart, wie es die Errichtung eines allgegenwärtigen Metaverses erfordern würde, erfolgen soll. Wäre es dann überhaupt legitim, dass ein einzelnes, marktwirtschaftlich agierendes Unternehmen als alleiniger Betreiber auftritt? Oder würden damit die heute bereits von den großen Plattformen verursachten Probleme, potenziert &#8211; bis hin zu dystopischen Ausprägungen? Die Idee des Web3 setzt diesen potenziellen, negativen Entwicklungen eine Dezentralisierung der Verfügungsrechte auf der Nutzerebene, basierend auf dem Einsatz von DLT-Verfahren, entgegen. Die Idee eines dezentralisierten Web3 ist aktuell noch weit von einer operativen Umsetzung entfernt &#8211;&nbsp; und zudem ebenfalls in ihren möglichen Auswirkungen nicht unumstritten. Auch wenn in Bezug auf die Ausgestaltung des Metaversums dieser Diskussion potenziell eine wichtige Bedeutung zukommt, spielt dieser Aspekt in der Marketing-Praxis aktuell noch keine große Rolle. Daher soll in diesem Beitrag das Thema nicht weiter vertieft werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p></p>



<p><strong>Mehr zum Thema: Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Künstliche Intelligenz im Marketing: Künstliche Kreativität, VR &amp; DNA-Targeting.&#8220;:    </strong></p>



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		<title>Der Weg zur Roboterautonomie: wie KI und Blockchain die Maschinengesellschaft erschaffen könnten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Dec 2018 10:11:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>KI und Blockchain sind derzeit vielleicht die am meisten diskutierten Themen der digitalen Transformation. Wäre eine Kombinationen dieser Schlüsselthemen sinnvoll? Anwendungsgebiete ergeben sich insbesondere in der autonomen Organisation des &#8222;Internet der Dinge&#8220;. Sind wir damit auf dem Weg zu einer weiteren industriellen Revolution? Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain sind derzeit womöglich die am intensivsten diskutierten [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/12/der-weg-zur-roboterautonomie-wie-ki-und-blockchain-die-maschinengesellschaft-erschaffen-koennten/">Der Weg zur Roboterautonomie: wie KI und Blockchain die Maschinengesellschaft erschaffen könnten</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>KI und Blockchain sind derzeit vielleicht die am meisten diskutierten Themen der digitalen Transformation. Wäre eine Kombinationen dieser Schlüsselthemen sinnvoll? Anwendungsgebiete ergeben sich insbesondere in der autonomen Organisation des &#8222;Internet der Dinge&#8220;. Sind wir damit auf dem Weg zu einer weiteren industriellen Revolution?</strong><br />
<span id="more-1416"></span></p>
<p>Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain sind derzeit womöglich die am intensivsten diskutierten Themen im Bereich der digitalen Transformation. Beiden wird immer wieder erhebliches Potenzial zugeschrieben, die Spielregeln auf den Märkten aufzubrechen und zu „disruptieren“. Unweigerlich stellt sich dann die Frage – jenseits allen „Buzz-Word-Bingos“ –, ob sich hierbei dann nicht Szenarien ergeben, die einen kombinierten Einsatz nahelegen. Diese finden sich vor allem im Bereich des (Industrial) Internet of Things sowie der dezentralen Koordinierung autonomer intelligenter Systeme.</p>
<h2>KI und Blockchain: ein Traumpaar?</h2>
<p>Tatsächlich stehen beide Technologien immer noch ziemlich am Anfang, wenngleich Künstliche Intelligenz in der Anwendung schon deutlich fortgeschrittener zu sein scheint als der Einsatz von Blockchain- bzw. besser: &#8211; „Distributed Ledger“-Verfahren. Das mag auch damit zusammenhängen, dass viele mit Blockchain vor allem immer noch Kryptowährungen sowie insbesondere die nervenaufreibende Achterbahnfahrt des Bitcoin-Kurses verbinden und die technischen Hintergründe hier oft noch weitaus komplexer und abstrakter erscheinen als dies (vermeintlich) beim maschinellen Lernen intelligenter Systeme der Fall ist. <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-ohne-mining-wie-der-blick-auf-bitcoin-blockchain-unnoetig-verkompliziert/" target="_blank" rel="noopener">Dabei muss es gar nicht so kompliziert sein, wenn man sich auf den Kern der Blockchain-Wirkungsweise konzentriert und das Ganze isoliert von den „Zusatztechnologien“, die Bitcoin zugrunde liegen – wie etwa das Miningverfahren und die Anonymisierungsaufwendungen – betrachtet.</a> Die Herausforderung besteht darin, die ursprünglich zentralen Funktionen bei der Transaktionsabwicklung nun auf die breite Masse der Netzteilnehmer zu übertragen, also zu „dezentralisieren“. Das muss längst nicht immer auf so komplizierte Weise funktionieren wie bei Bitcoin. Man braucht etwa kein zeitaufwändiges und Ressourcen verschwendendes Mining-Verfahren, das bei Bitcoin ja einerseits der „Geldschöpfung“ andererseits der Motivation der Nutzer, am System mitzuwirken, dient.</p>
<h2>NASA will Blockchain-Raumschiffe mit KI</h2>
<p>Natürlich gilt es, in diesem Kontext skeptisch und vorsichtig zu sein. Die Gefahr, einem Marketing-orientierten Bullshit-Bingo dabei auf den Leim zu gehen, ist nicht gerade gering. Entsprechend ist wohl in diesem frühen Stadium selbst die Ankündigung der NASA einzuordnen, für die im Jahre 2069 geplante Erforschung von Alpha Centauri „Blockchain-Raumschiffe“ einsetzen zu wollen. Einleuchtend erscheint zunächst, dass für die Navigation der unbemannten Sonde, wie eben auch im selbstfahrenden Auto, KI zum Einsatz kommt. Da unterscheiden sich die Anforderungen zwischen Straße und All vermutlich zumindest grundsätzlich nicht. Blockchain-Technologie wie etwa von Ethereum könne für die „massive Menge an hoch-dimensionalen Daten“, die dabei verarbeitet werden müssen, zum Einsatz kommen, wie uns die NASA wissen lässt. Ein Datenstrang, der resilient, manipulationssicher, schnell lesbar ist und das Ausführen von dezentralen Programmen erlaubt, wäre dabei angeblich hilfreich. Technische Details, wie das konkret funktionieren soll, gibt uns die US-Weltraumbehörde dazu jedoch vorerst nicht.</p>
<h2>Dezentrale Marktplätze: Blockhain und KI</h2>
<p>Erste „tatsächliche“ Ansätze KI und Blockchain zusammenführen, gab es im Bereich des Datenaustausches. Zumindest in der Theorie oder der frühen Praxisphase existieren bereits einige „dezentrale Marktplätze“ über die Daten, beispielsweise zu KI-Trainingszwecken, gehandelt werden können. Dabei handelt es sich grundsätzlich um ein spannendes Anwendungsgebiet von Blockchain, wäre damit doch in Zukunft eine „echte“ Datenidentität und eine dezentrale Verfügungsmacht Einzelner über ihre Daten denkbar – etwa könnten wir dann individuell die Bedingungen in Form eines Smart Contracts hinterlegen, wer zu welchem Preis und zu welchem Zweck auf unsere persönlichen Daten zugreifen darf.</p>
<h2>KI-Trainingsdaten dezentral vermarkten</h2>
<p>Analog dazu könnte man Fahrzeugdaten – in Echtzeit – einsammeln und anderen zugänglich machen, Systeme mit diesen Daten „füttern“ und auf diese Weise eine ausreichende Menge an Daten für das maschinelle Lernen beschaffen. Vor allem in den USA existieren bereits eine Menge solcher Geschäftsansätze. Viele der dahinterstehenden Unternehmen sind jedoch noch sehr jung, und weisen oft eine gewisse Schieflage hinsichtlich der personellen Verteilung zwischen dem „Executive Board“ und den Mitarbeitern, die diesen gegenüber in der Regel deutlich in der Unterzahl sind, auf. Als einer der vermutlich bekanntesten Vertreter kann hier SingularityNet als Beispiel angeführt werden.</p>
<h2>Von der Blockchain 1.0 zu DAG – Directed Acyclic Graph</h2>
<p>Eine andere Sicht ergibt sich durch die Weiterentwicklungen der Blockchain-Technologie. Während man von der Bitcoin-Blockchain manchmal als „Blockchain 1.0“ und von Ethereum, aufgrund des zugrundeliegenden, jedwede Art von Smart Contracts ermöglichenden „General Purpose“-Ansatzes, von „Blockchain 2.0“ spricht, hat sich mit der DAG-Technologie („Directed Acyclic Graph“) eine neue Entwicklungsstufe ergeben, gewissermaßen die „Blockchain 3.0“. Weniger formal streng als die vorangegangenen Ansätze, ermöglichen die „Gerichteten Azyklischen Graphen“, eine Blockchain-ähnliche Struktur, in der weiterhin die Transaktionen transparent, chronologisch und unveränderbar in einem Netzwerk gespeichert werden. Statt eines komplexen Mining-Verfahrens wird die Validierung der Transaktionen aber durch andere Maßnahmen incentiviert, etwa indem Teilnehmer nur dann auf Transaktionen selbst durchführen können, wenn sie zuvor selbst mehrere Transaktionen anderer Teilnehmer überprüft und freigegeben haben. Gleichzeitig eliminiert man damit typische Probleme der Distributed-Ledger-Technologie, wie etwa den hohen Verbrauch an Energie- und Zeitressourcen beim Mining sowie potenziell auch die Vermeidung des „51%-Problems“, wonach, sobald ein einzelner Akteur mehr als die Hälfte der „Mining-Macht“ im System erreicht hat, er dieses dominieren kann und damit die Dezentralität letztlich „aushebelt“.</p>
<h2>Blockchain im Internet der Dinge</h2>
<p>Derartige Ansätze, wie sie beispielsweise in unterschiedlicher Ausprägung von IOTA, IOTChain, Byteball oder DAGCOIN vertreten werden, zielen vor allem auf das „Internet der Dinge“, wo Transaktionen zwischen einzelnen Maschinen und Geräten dezentral abgebildet werden sollen. Für diese Vorgänge ist weder Zeit noch die notwendige Energie für ein aufwändiges Mining- und Validierungsverfahren vorhanden. Zudem sind die Anforderungen an die Manipulationssicherheit hier weit weniger kritisch als das bei einem digitalen Geldsystem wie Bitcoin der Fall ist. Damit kann es grundsätzlich gelingen, einige der Kinderkrankheiten der vorangegangenen Blockchain-Protokolle über Bord zu werfen.</p>
<h2>Smart Contracts und Micropayment in der Sharing-Industrie</h2>
<p>Auch wenn gleichwohl diese Ansätze derzeit ebenfalls noch mit einigen Problemen zu kämpfen haben, wäre sie perspektivisch jedoch durchaus geeignet, die Distributed-Ledger-Verfahren auf eine neue Ebene zu heben. Denkbar wäre eine Art „Micropayment“ für die Sharing-Industrie, indem man die „Dinge“ eigenständig miteinander kommunizieren und Verträge erfüllen lässt. Im Wege eines Smart Contracts könnte dann z.B. das eigene Smartphone einen „Hotspot“ erstellen, der anderen Geräten es automatisiert ermöglicht, diesen für WLAN-Zugriff zu nutzen. Dafür fiele dann eine Gebühr an, die dem Smartphone gutgeschrieben und dem zugreifenden Gerät belastet würde. Dies könnte dann dezentral und autonom auf Gerätebene erfolgen, ohne dass deren Besitzer hierzu eingreifen müssten.</p>
<h2>Eine autonome „Maschinenwirtschaft“?</h2>
<p>Das Szenario lässt sich auch auf die industrielle Produktion übertragen. Wenn Maschinen eigenständig miteinander kommunizieren und in der Lage sind dabei unabhängig vom menschlichen Eingriff Transaktionen untereinander auszuführen, führte dies zu erheblichen Veränderungspotenzial. Eine Maschine, welche zunächst für die angelieferten Rohstoffe autonom „belastet“ wird und im Anschluss daran dann das erstellte Produkt zur Weiterverarbeitung übergibt und dafür wiederum eine „Entgeltung“ erhält – alles entsprechend transparent vermerkt auf einem „Distributed Ledger“ – ermöglichte nicht nur eine Revolution in Buchführung und Controlling mit eigenen maschinenspezifischen Kosten- und Leistungsträgern sowie eigenen Profitcentern je Einheit. In letzter Konsequenz ergäbe sich daraus sogar eine autonome „Maschinenwirtschaft“, in der intelligente Industriesysteme untereinander Prozesse und Güterströme eigenständig organisieren und abwickeln.</p>
<h2>KI könnte Blockchain zur intelligenten Arbeitsteilung nutzen</h2>
<p>Die Systematik ließe sich auch insbesondere auf die Organisation und die Zusammenarbeit zwischen einzelnen intelligenten Systemen beziehen. Im Moment wird oft davon ausgegangen, dass wir eine „generelle Künstliche Intelligenz“, die dem Menschen auch seiner Vielfältigkeit gleichkommt, nur schwer erzeugen können. Die meisten Künstlichen Intelligenzen sind auf sehr spezifische Probleme trainiert und daher auch entsprechend in ihrer Leistungsfähigkeit darauf beschränkt. Der Rückgriff auf Blockchain als Element Prozessorganisation könnte dann jedoch die Grundlagen für eine arbeitsteilige Ökonomie der Künstlichen Intelligenzen liefern. Stellt eine KI ihren spezifischen Arbeitsschritt fertig, so wäre es dann möglich, die Übergabe der jeweiligen Teilleistung zur Weiterarbeitung in einem Distributed Ledger zu vermerken und über einen Smart Contract an die nächste zuständige Einheit zu übergeben. Indem die entsprechenden Arbeitsprozesse lückenlos abgebildet und übergeben würden, ließe sich auf diese Weise eine intelligente Arbeitsteilung zwischen autonomen Dienstleistungen und Maschinen/Geräten organisieren.</p>
<h2>Eine dezentrale Version von Uber, mit selbstfahrenden Autos, geleitet von KI?</h2>
<p>Im Zusammenhang mit Smart Contracts wir oft die Frage diskutiert, ob sich aus diesen rigorosen „wenn-dann“-Verknüpfungen auch ganze Organisationen sogenannte DAOs („Decentralized Autonomus Organizations“) errichten lassen. Diesen würden dann verbindliche Regeln verordnet, was bei Eintritt bestimmter Ereignisse zwingend „zu tun“ ist. Diese Regeln müssen jedoch bislang von Menschen vorgegeben werden. Kombiniert man dies nun mit den Entscheidungsverfahren Künstlicher Intelligenz, zum Beispiel über Mustererkennung oder auch über „Reinforcement Learning“, bei dem die KI entlang definierter Erfolgsmerkmale &#8211; zum Beispiel Gewinnmaximierung &#8211; trainiert wird und darauf aufbauend letztlich eigenständige Entscheidung trifft, könnten irgendwann tatsächlich komplett autonome Unternehmen entstehen, die unabhängig vom menschlichen Eingriff am allgemeinen Wirtschaftsgeschehen teilnehmen. An ersten entsprechenden Anwendungen arbeiten bereits Anbieter wie etwa Fetch. Gibt es also vielleicht irgendwann eine dezentrale Version vom Taxi-Dienst Uber, der dann womöglich ausschließlich auf selbstfahrende Autos setzt, dessen Prozesse über Blockchain-Technologie organisiert werden und der auf Grundlage von Entscheidungen durch KI geführt wird?</p>
<h2>Blockchain &amp; KI als „Framework“ der Maschinenautonomie</h2>
<p>Natürlich ist vieles davon jetzt noch „Science Fiction“. Aber wenn man bedenkt, welche Energie derzeit in fragwürdige Projekte zur Abbildung der Supply-Chain auf der Blockchain oder in „private Blockchain“ investiert wird, ist es vielleicht schon angebracht, darüber nachzudenken, wie das große Potenzial dieser Technologie wirklich sinnstiftend gehoben werden kann. Smart Contracts und Blockchain könnten das Fundament das „Framework“ einer Roboter-Autonomie bilden: KI sorgte dann für die Findung von Entscheidungen, die „Distributed Ledger“-Technologie für die Koordination der daraus resultierenden Handlungen.</p>
<h2>Schaffung eines eigenen Wirtschaftssektors autonomer Maschinen: die Industrie 5.0</h2>
<p>Intelligente maschinelle Systeme wären auf diese Weise in der Lage, ein Einkommen zu erzielen, sich ins „Krankenhaus“ (Werkstatt) einzuweisen und Rechnungen mit dem „verdienten“ Geld zu bezahlen. Aufgaben, für die eine KI oder Maschine nicht ausgelegt ist, können von dieser an andere „intelligente Organismen“ in dem Blockchain-Netzwerk abgegeben werden – und zwar selbstständig, ohne dass sie ein Mensch dazu anhält. In letzter Konsequenz würde dies zu einem „arbeitsteiligen autonomen Maschinensystem“ führen, einem neuen autonomen Wirtschaftssektor. Die Ideen, die man mit dem Begriff der „Industrie 4.0“ bislang verband – der digitalen Automatisierung – würden übertroffen und womöglich in eine neue, fünfte industrielle Revolution münden – der digitalen Autonomisierung.</p>
<h2>Neue Aktualität für alte Ideen: Maschinensteuer &amp; Co.</h2>
<p>Die damit verbundenen Auswirkungen wären sehr weitreichend. Unabhängig von ihrer Bewertung gewännen viele in der Vergangenheit diskutierte – und oft verworfene – Konzepte und Ideenansätze eine neue Relevanz. Denn auf einmal würden Themen wie die „Besteuerung von Maschinen“ und auch das „Bedingungslose Grundeinkommen“ eine ganz andere Aktualität und womöglich auch Plausibilität besitzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>.</strong></p>
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		<title>Blockchain ohne Mining. Wie der Blick auf Bitcoin Blockchain unnötig verkompliziert</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-ohne-mining-wie-der-blick-auf-bitcoin-blockchain-unnoetig-verkompliziert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Nov 2018 08:04:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
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		<category><![CDATA[Distributd Ledger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diskussionen über Blockchain kreisen vorwiegend um Kryptowährungen, die damit verbundenen Risiken und Nachteile, wie der hohe Energieverbrauch beim &#8222;Mining&#8220;. Andere Anwendungsfälle werden &#8211; fragwürdigerweise &#8211; vor allem im Supply-Chain-Bereich gesehen. Für viele Anwendungen wäre eine klassische &#8222;Client-Server&#8220;-Architektur hingegen besser geeignet. Die oft konfuse Diskussion engt den Blick auf die Technologie ein und verkompliziert die Auseinandersetzung [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-ohne-mining-wie-der-blick-auf-bitcoin-blockchain-unnoetig-verkompliziert/">Blockchain ohne Mining. Wie der Blick auf Bitcoin Blockchain unnötig verkompliziert</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diskussionen über Blockchain kreisen vorwiegend um Kryptowährungen, die damit verbundenen Risiken und Nachteile, wie der hohe Energieverbrauch beim &#8222;Mining&#8220;. Andere Anwendungsfälle werden &#8211; fragwürdigerweise &#8211; vor allem im Supply-Chain-Bereich gesehen. Für viele Anwendungen wäre eine klassische &#8222;Client-Server&#8220;-Architektur hingegen besser geeignet. Die oft konfuse Diskussion engt den Blick auf die Technologie ein und verkompliziert die Auseinandersetzung mit dem Thema unnötig. Es geht auch einfacher.</strong><br />
<span id="more-1411"></span></p>
<p>Blockchain ist derzeit in aller Munde. Die Technologie, die oft auch präziser als „Distributed Ledger“-Verfahren bezeichnet wird, soll großes „Disruptionspotenzial“ besitzen. Immer noch sprechen wir jedoch in diesem Kontext vorwiegend über Kryptowährungen, wie Bitcoin, die auf diese Ansätze maßgeblich zurückgreifen und deren Probleme und davon ausgehende Gefahren. Dazu zählen insbesondere die teils erheblichen Kursschwankungen an den Märkten, die zahlreichen Betrugsversuche sowie der extrem hohe Energieverbrauch, der mit dem „Mining-Prozess“, welcher der Verifizierung der Transaktionen und der „Geldschöpfung“ dient, in diesen Systemen oft einhergeht.</p>
<h2>Blockchain ist nicht so kompliziert, wie wir es mit der Betrachtung von Bitcoin machen</h2>
<p>Dabei schränkt die konzentrierte Betrachtung der Bitcoin-Blockchain den Blick auf die Potenziale der Distributed-Ledger-Ansätze erheblich ein und verkompliziert die Darstellung der Wirkungsweisen und Potenziale. Bitcoin funktioniert eigentlich über eine Kombination verschiedener, jeweils für sich bereits hoch komplexer Einzeltechnologien. Neben der eigentlichen „Blockchain“, in die die Transaktionsdaten gespeichert werden und deren „distribuierter Verteilung“, umfasst dies verschiedene kryptographische Ansätze sowie die Bestrebungen, den Teilnehmern einen möglichst hohen Grad an Anonymität zu gewährleisten und zusätzlich das komplizierte „Mining“-Verfahren, das einerseits der „Geldschöpfung“ dient, andererseits aber auch die Netzwerkteilnehmer motivieren soll, überhaupt zur Funktionsfähigkeit des Systems aktiv beizutragen. Darunter sind jedoch viele Elemente, die zwar unentbehrlich zur Errichtung eines dezentralen Geldsystems sein mögen, allerdings für andere Anwendungen, die sich mittels „Distributed Ledger“ realisieren lassen, unter Umständen weitgehend irrelevant sind. Mit anderen Worten: Blockchain muss nicht so kompliziert sein, wie wir es mit der Betrachtung von Bitcoin oft machen.</p>
<h2>Vorteile zentraler Speicherung</h2>
<p>Bei Blockchain-Ansätzen geht es fast immer um die Verbuchung von Transaktionen und die Speicherung der entsprechenden Daten. Dies erfolgt in einem „Distributed Ledger“, einem „dezentralen“, genauer einem „verteilten“ oder „verbreiteten Kontobuch“. Nun gibt es eigentlich zunächst mal gute Gründe, Daten stets an zentraler Stelle zu speichern. Denn damit schafft man einen eindeutigen, einheitlichen und für alle sichtbaren Zugang, der einen schnellen Zugriff ermöglicht. Wir kennen dies von vielen Anwendungen im Alltag – sei es der Katalog einer Bibliothek oder ein zentrales Katasteramt, in dem alle Grundstückseigentumsverhältnisse zusammengeführt werden – sowie auch von der klassischen Client-Server-Struktur aus der IT. Änderungen und Neuanlagen werden stets an einer zentralen Stelle vorgenommen. Dies sorgt für eine hohe Effizienz.</p>
<h2>Blockchain: dezentral und distribuiert anstatt eines Gatekeepers</h2>
<p>Eine dezentrale oder distribuierte Speicherung von Daten bedeutet hingegen, dass diese eben nicht nur an einer Stelle abgelegt, sondern an mehrere oder alle Teilnehmer eines Netzwerkes „verteilt“ werden. Jeder Teilnehmer erhält (meistens) also ein komplettes und identisches Abbild der Daten. Wird hier eine Ergänzung vorgenommen, so muss diese dann über das gesamte Netzwerk ausgebreitet werden, damit im Anschluss wieder alle auf dem gleichen Stand sind. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen darin, dass einerseits somit ein höherer Schutz gegen Datenverlust errichtet wird. Denn wenn einer der Netzwerkteilnehmer ausfällt und die Daten verliert, können diese ja immer noch über die übrigen Teilnehmer wiederhergestellt werden. Dies ist ein Vorteil gegenüber der Zentralisierung: Fällt hier die zentrale Stelle aus – etwa aufgrund einer Naturkatastrophe – sind die Daten unwiederbringlich vernichtet, sofern nicht zuvor ein sicheres „Update“ erstellt wurde.</p>
<h2>Keine Machtkonzentration durch Disintermediation</h2>
<p>Andererseits bedeutet eine derartige Netzstruktur auch, dass die Verfügungsgewalt verschoben wird. Die zentrale Stelle hat nicht mehr die alleinige Macht im System, sie wird als „Gatekeeper“ sogar eliminiert. Stattdessen können nun die einzelnen Netzteilnehmer gleichberechtigt den Zugang verwalten. Bei der Errichtung des Bitcoin-Systems ging es vor allem um dieses Aufbrechen der Konzentration von Macht an nur einer Stelle. Unter der Einwirkung der Finanzkrise 2008 wollte man sich nicht mehr dem als „Macht missbrauchend“ empfundenem zentralen Bankensystem unterwerfen, sondern dessen Aufgaben „demokratisieren“, diesem Verständnis nach also „dezentralisieren“. Wenn wir heute vom „disruptiven Charakter“ der Blockchain-Technologie sprechen, so ist damit vor allem gemeint, auf diese Weise die Verhältnisse auf den Märkten zu sprengen und „von unten“ neu zu ordnen.</p>
<h2>Problem: wie kann man zentrale Aufgaben effizient dezentral abarbeiten?</h2>
<p>Will man zentrale Institutionen durch eine dezentrale Organisation ersetzen, so stellt sich die Frage, wie dann deren ursprüngliche Aufgaben in Zukunft bewältigt werden sollen. Da es bei Blockchain immer um die Abwicklung von Transaktionen geht, steht man dann vor dem Problem, wie die Rechtmäßigkeit und Validität der Transaktionen gewährleistet werden soll und wie sicherzustellen ist, dass ein einzigartiges Gut nicht zweimal übertragen beziehungsweise bezahlt wird. Wer soll dabei die Funktion der „Clearing-Stelle“ übernehmen, wenn es keinen zentralen Akteur mehr gibt, dem man diese Aufgaben „vertrauensvoll“ übertragen kann?</p>
<h2>Anreize für das Netzwerk</h2>
<p>Die Lösung liegt eben in einer konsequenten dezentralisierten Übertragung und Verpflichtung der Netzwerkteilnehmer, eigenständig diese Leistung für das Netzwerk zu erbringen. Damit ist es nun deren Aufgabe, die einzelnen Transaktionen zu überprüfen sowie sicherzustellen, dass die Vertragsbedingungen erfüllt und die Vorgänge „formal“ korrekt und lückenlos verbucht wurden.<br />
Damit stellt sich die Frage, warum die einzelnen dezentral Beteiligten diese Aufgabe übernehmen sollten bzw. wie man diese dazu motivieren könnte. Bei Bitcoin wird dies mit der Geldschöpfung verknüpft. Alle, die an der Verifizierung der Transaktionen teilnehmen, habe die Chance dadurch Bitcoins zu gewinnen. Dazu muss die entsprechende Überprüfungsaufgabe vollumfänglich erledigt sein, im Anschluss daran beginnt der Rechenprozess für das Mining. Dazu muss ein kryptografisches Rätsel gelöst werden, was nur mittels hoher Computerrechenleistung erfolgen kann. Nur derjenige „Miner“, dem dies als erstes gelingt, erhält seine „Belohnung“ in Form von neuen Bitcoins.</p>
<h2>Blockchain geht auch ohne „Mining“</h2>
<p>Dieses – doch sehr abstrakte Verfahren – muss aber nicht grundsätzlich Bestandteil einer Blockchain-Lösung sein, insbesondere dann, wenn es, im Gegensatz zu Bitcoin, nicht auch zum Ziel hat, neues „Geld“ in Umlauf zu bringen. Sofern es nur um die Überprüfung der Validität einer Transaktion geht, etwa für die sogenannten „Smart Contracts“, kann hierfür auch ein deutlich vereinfachtes Vorgehen genügen. Letztlich geht es ja dann nur um die Motivation der Teilnehmer, an der Verifizierung mitzuwirken. Theoretisch denkbar wäre etwa auch, Belohnungen an alle gleichmäßig zu verteilen oder, wenn dies nicht Anreiz genug ist, zufällig einen am Verifizierungsprozess beteiligten auszuwählen, also einen Preis gewissermaßen zu „verlosen“. Die Aussicht auf einen möglichen Gewinn würde dann unter Umständen bereits genügen, um genügend Interessenten zu finden.</p>
<h2>Motivation durch Teilnahmerechte statt Kryptogeld</h2>
<p>Tatsächlich gibt es heute bereits Ansätze, die völlig auf das, in dieser Form ja sehr energieintensive und letztlich damit Ressourcen verschwendende, Mining komplett verzichten. Anreize, sich an der Funktionsweise des Systems zu beteiligen, könnten auch schlichtweg dadurch gegeben werden, dass eine eigene Partizipation nur dann möglich ist, wenn man sich zuvor an der Verifizierung vorangegangener Transaktionen beteiligt hat. Es geht also auch durchaus ohne herkömmliches „Mining“, das letztlich nur eine Besonderheit der existierenden Blockchain-basierten Kryptowährungen ist.</p>
<h2>Blockchain: wie ein Reisverschluss</h2>
<p>Sind die Transaktionen verifiziert, werden sie schließlich in die Blockchain geschrieben. Diese muss man sich dabei wie einen Reisverschluss vorstellen: Ist ein Zahn beschädigt, lässt sich dieser nicht mehr öffnen oder schließen. Genauso ist es mit den Transaktionen, die in Blöcke zusammengefasst in die Kette „geschrieben“ werden, dabei muss jedes Glied exakt an das vorangegangene Glied „passen“. Die erweiterte Blockchain wird dann im System an das Netzwerk verteilt. Eine Änderung oder Manipulation ist dann nicht mehr möglich. Im Gegensatz zur zentralen Speicherung reicht es nicht, nur eine Datenquelle zu „hacken“, eine Änderung muss auf jeder verteilten Version der Blockchain gleichzeitig erfolgen. Somit sind die Transaktionen weitgehend geschützt vor nachträglichen Anpassungen sicher und verlässlich dokumentiert.</p>
<h2>Blockchain &amp; Smart Contracts</h2>
<p>Anwendungsgebiete jenseits von Bitcoin &amp; Co ergeben sich vor allem bei den „Smart Contracts“. Darunter versteht man technische Transaktionsprotokolle, welche die Einhaltung zuvor definierter Vertragsbestimmungen überwachen sowie autonom und mechanisiert die vereinbarten Konsequenzen ausführen. Menschliches Eingreifen etwa bei Verletzungen der Vertragsrechte durch eine Partei ist damit nicht mehr notwendig. Mit der Verwendung der Blockchain-Technologie wird gewährleistet, dass Smart Contracts auf dezentral verifizierte Daten zugreifen können, um den Eintritt von Vertragsereignissen zu überprüfen und auf dieser Grundlage dann die festgeschriebenen Handlungen zu exekutieren. Anwendung findet dieses Konzept bereits heute im Bereich der Finanztransaktionen und bei der Abbildung von Copyright-Lizenzen. Ein typisches Einsatzszenario könnte auch ein dezentralisierter Energiemarkt sein, bei dem einzelne Haushalte ihre überschüssige Energie, beispielsweise produziert durch die eigene Solaranlage auf dem Dach, in einem dezentral organisierten Netzwerk anböten. Andere Teilnehmer könnten bei Bedarf diesen Strom direkt und ohne Vermittler einkaufen, die Transaktionsbedingungen sowie dann auch die Transaktion selbst würde auf einem dezentralen Distributed Ledger vermerkt und wäre damit unveränderbar und transparent verbucht. Die Lieferung des Stroms und die entsprechende Bezahlung erfolgen dann komplett automatisiert.</p>
<h2>Blockchain &amp; Distributed Ledger – keine Neuerfindung der Digitalisierung</h2>
<p>Wichtig ist es, um das Potenzial der Technologie einzuschätzen zu können, zu erkennen, dass Blockchain und Distributed Ledger keine bahnbrechende Neuerfindung der Digitalisierung sind. „Distribuiert“ ist nicht per se „besser“ als zentral, sondern nur in bestimmten Anwendungsfällen eine geeignete Option. Grundsätzlich muss man immer die Frage stellen: Wieso brauche ich zur Lösung eines bestimmten Problems eine Blockchain, und warum kann man dieses Ziel nicht über eine herkömmliche zentrale Datenbanklösung erreichen?</p>
<h2>Fragwürdige Sinnhaftigkeit von dezentralisierten Supply-Chain-Projekten und Private Blockchains</h2>
<p>Viele der derzeitigen Blockchainanwendungen zielen auf den Supply-Chain-Bereich und versuchen die Lieferkette und die jeweiligen Übergabepunkte von Produkten abzubilden. Wer schon Mal eine Sendungsnachverfolgung eines Logistikunternehmens online genutzt hat, weiß, dass dies auch sehr gut ohne Blockchain auf dem zentralen Portal des Spediteurs erfolgen kann. Ist das Misstrauen diesem gegenüber wirklich so hoch, dass es dafür einer stets deutlich aufwändigeren Blockchain-Lösung bedarf? Auch bei sogenannten „private Blockchains“, die meist durch einen wiederum zentralen Anbieter bereitgestellt und dominiert werden, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, war doch ein entscheidendes Ziel der Entwicklung, gerade Machtkonzentration zu verhindern. Selbst wenn eine vermeintlich dezentrale Softwarelösung zum Einsatz kommt, bedeutet das dann eben gerade nicht, dass in diesem Fall auch der Gatekeeper ausgeschaltet wird.</p>
<h2>Die meisten Blockchain-Projekte sind vermutlich völlig überflüssig und unsinnig</h2>
<p>Es ist bezeichnend, dass gerade diese beiden Ansätze, oft in Kombination, vermutlich an die 90% der aktuellen Blockchain-Projekte ausmachen. Vielleicht ist es aber auch ein Hinweis darauf, dass wir einen unverstellten Blick auf die Technologie benötigen, der die Notwendigkeit einzelner technischer Bestandteile kritisch beäugt und sich nicht hinter Wortblasen und Digitalisierungs-Blabla versteckt. Erst dann erscheint es möglich, das wirkliche Potenzial von Blockchain und Distributed Ledger richtig zu erfassen. Eine Reduzierung überflüssiger technischer Komplexität in der Diskussion kann dabei nur helfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zu Blockchain finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:</strong><br />
<strong>&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Blockchain, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>.</strong></p>
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		<title>Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/11/willkommen-in-der-matrix-wie-ki-und-blockchain-in-der-industrie-4-0-zusammenwachsen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Nov 2018 10:41:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kombination der beiden digitalen Schlüsseltechnologien Künstliche Intelligenz und Blockchain könnte für eine neue Stufe der industriellen Entwicklung sorgen. Autonom entscheidende Systeme, die sich unabhängig von menschlicher Einflussnahme verständigen und eigenständig Transaktionen durchführen, würde eine weitere Phase der maschinellen Automation einläuten &#8211; vielleicht die „Industrie 5.0?“ Sind wir dem Weg in die Maschinengesellschaft? Stehen wir [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kombination der beiden digitalen Schlüsseltechnologien Künstliche Intelligenz und Blockchain könnte für eine neue Stufe der industriellen Entwicklung sorgen. Autonom entscheidende Systeme, die sich unabhängig von menschlicher Einflussnahme verständigen und eigenständig Transaktionen durchführen, würde eine weitere Phase der maschinellen Automation einläuten &#8211; vielleicht die „Industrie 5.0?“ </strong><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/56c69f231d774282ac8542ef2b64d0f7" alt="" width="1" height="1" /><span id="more-1417"></span><br />
Sind wir dem Weg in die Maschinengesellschaft? Stehen wir kurz vor der Roboterautonomie? Künstliche Intelligenz und Blockchain könnten sich in Zukunft perfekt ergänzen bei der autonomen Steuerung von intelligenten Systemen. Während die Arbeitsorganisation zwischen einzelnen Maschinen und Algorithmen über die &#8222;Distributed Ledger&#8220;-Ansätze der Blockchain erfolgen könnte, wäre die eigenständige Entscheidungsfindung dieser Systeme Aufgabe der KI. Damit entstünde womöglich nicht nur ein neuer Wirtschaftssektor, auch für uns Menschen hätte dies erhebliche Konsequenzen – Willkommen in der Matrix!<br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/56c69f231d774282ac8542ef2b64d0f7" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook </a> und u.a.  hier:</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/willkommen-in-der-matrix-wie-ki-und-blockchain-in-der-industrie-4-0-zusammenwachsen/">Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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		<title>Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Nov 2018 14:57:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Daten- & Algorithmusökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Disruption]]></category>
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		<category><![CDATA[Smart Contracts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diskussionen über Blockchain kreisen oft um deren &#8222;disruptives Potenzial&#8220; im Bereich der Transaktionsabwicklung etwa bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder bei Smart Contracts. Jenseits dieser ökonomischen Belange könnte die Technologie jedoch auch die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auf den Kopf stellen &#8211; im Wege einer &#8222;Politischen Disruption&#8220;. Ähnlich wie im wirtschaftlichen Kontext können Innovationen &#8222;disruptive&#8220; Auswirkungen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/">Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diskussionen über Blockchain kreisen oft um deren &#8222;disruptives Potenzial&#8220; im Bereich der Transaktionsabwicklung etwa bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder bei Smart Contracts. Jenseits dieser ökonomischen Belange könnte die Technologie jedoch auch die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auf den Kopf stellen &#8211; im Wege einer &#8222;Politischen Disruption&#8220;.</strong><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" /><br />
<span id="more-1394"></span><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" />Ähnlich wie im wirtschaftlichen Kontext können Innovationen &#8222;disruptive&#8220; Auswirkungen nicht nur auf die Märkte, sondern auch auf gesellschaftliche und politische Belange haben. &#8222;<a href="https://nerdwaerts.de/2018/10/politische-disruption-wenn-technologie-gesellschaft-und-politisches-system-revolutioniert/" target="_blank" rel="noopener">Politische Disruption</a>&#8220; beschreibt diese &#8222;zersprengende&#8220; Kraft von Technologie auch im gesellschaftlichen Kontext. Neben Ansätzen in Gebieten wie der Künstlichen Intelligenz rückt dabei vor allem das &#8222;Distributed Ledger&#8220;- oder Blockchain-Verfahren in den Fokus.</p>
<h2>Politische Disruption &amp; Blockchain</h2>
<p>Auch wenn das Thema in Deutschland bislang eher unterrepräsentiert ist, wird international, insbesondere in den USA schon seit längerem intensiv über die politische Disruptionskraft der Blockchain-Technologie diskutiert. Sie gilt vielen als die wichtigste und revolutionärste digitale Innovation seit Aufkommen des „World Wide Web“, mit enormem Veränderungspotenzial, weit über ökonomische Belange hinaus. Bereits in zahlreichen wirtschaftlichen Umfeldern, etwa im Bereich der Finanztransaktionen, auch in Deutschland, etabliert, kreist die akademische Debatte um die möglichen Auswirkungen einer Adaption in der Politik auf die Funktionsweise staatlicher und überstaatlicher Systeme. Als Alternative zur Abbildung herkömmlicher demokratischer Prozesse steht der Rückgriff auf die Blockchain in vielerlei Hinsicht konträr zu traditionellen Demokratieverständnissen.</p>
<h2>Das Blockchain-Prinzip</h2>
<p>Das technische Prinzip der Blockchain lässt sich näherungsweise als „dezentrale Datenbank“ umschreiben. Im Englischen wird es auch oft als „distributed Ledger“ bezeichnet, was sich in etwa als „dezentral verteiltes Kontenbuch“ übersetzen lässt. Bekannteste und vermutlich erste Anwendung fand das Blockchain-Prinzip bei der digitalen Währung „Bitcoin“. Auf diese Weise werden dort die Transaktionen zwischen den An- und Verkäufern festgehalten. Dabei erfolgen die Pflege, die inhaltliche Befüllung und Kontrolle der Rechtmäßigkeit der in der Blockchain gespeicherten Informationen und registrierten Transaktionen nicht durch eine zentrale Stelle, sondern durch die Nutzer des Systems selbst. Somit ist es möglich, dass eine Währung dezentral organisiert werden kann, ohne dass es einer überwachenden staatlichen Institution wie einer Zentral- und Notenbank oder eines zentralen Finanzsystems bedarf. Eine Transaktion muss immer durch die anderen Netzwerkteilnehmer bestätigt werden. Das Ergebnis wird in der Blockchain gespeichert und die somit „neue“ Blockchain im System an die Teilnehmer verteilt.</p>
<h2>Reißverschlussprinzip sorgt für Manipulationssicherheit</h2>
<p>Dadurch, dass die Information nicht zentral an einer, sondern an vielen unterschiedlichen Stellen „verwahrt“, wird, ist es sehr schwierig, die Inhalte zu manipulieren &#8211; etwa in Form einer plötzlichen Guthabenvermehrung auf einem Konto ohne dagegen gehandelten Gegenwert -, denn eine Änderung von Einträgen in der Blockchain müsste gleichzeitig bei jedem einzelnen Nutzer erfolgen. Das Verfahren muss man sich dabei wie einen „Reißverschluss“ vorstellen: ist einer der Zähne beschädigt, lässt sich dieser nicht mehr schließen oder öffnen. Ebenso verhält es sich mit der Blockchain: Wenn die Rechtmäßigkeit der Änderung eines Eintrages nicht durch die „Peers“ im Netz bestätigt wird, also ein „Block“ nicht in die „Kette“ passt, gilt diese Änderung als nicht rechtmäßig und wird nicht vollzogen.</p>
<h2>Demokratisierung der Märkte?</h2>
<p>Ganz wesentlich ist dabei, dass die Dezentralität der Organisation zur Ausschaltung der vermittelnden zentralen Stelle, des „Intermediärs“, führt. Das ist nicht nur effizient und kostenrelevant – schließlich „verdient“ der Mittelsmann nun nicht mehr an einer Transaktion und die Blockchain-Peers können diesen Kostenvorteil unter sich aufteilen –, sondern verändert auch das Machtgefüge. Nicht selten wird sogar von einer „Demokratisierung“ gesprochen. „Legitimation“ von Transaktionen erfolgt dann nicht mehr durch eine zentrale Autorität, die womöglich ihre eigenen Interessen verfolgt. Stattdessen wird diese Aufgabe, technisch koordiniert, direkt durch die Nutzer übernommen.</p>
<h2>Blockchain und staatliche Beteiligung an Geschäften</h2>
<p>Insbesondere typische staatliche Beteiligungen an Geschäften lassen sich somit durch die Blockchain abbilden. Bitcoin als „post-staatliche“ Währung, die ohne Zentralbank auskommt, ist sicherlich ein markanter Beleg hierfür. Ebenfalls bereits breit erprobt ist die Nutzung der Technologie im Bereich der Eigentumsrechte an Grund und Boden. Die Blockchain übernimmt hier die Funktion von Grundbuch und Katasteramt. Auch in jenen Teilen der Welt, die nicht über ein uneingeschränkt funktionierendes Rechtssystem sowie über kein verlässliches Katasterwesen verfügen, lässt sich damit eine einfache und lückenlose Protokollierung von Landtiteln und Eigentumsübergängen sicherstellen.</p>
<h2>Blockchain im eGovernment</h2>
<p>Die Funktionalitäten der Blockchain sind natürlich nicht nur für die Transaktion von Geld, Waren und Eigentumsrechten relevant. Die Notwendigkeit, verlässliche Informationsquellen zu schaffen und Verhandlungsergebnisse festzuhalten, besteht auch in anderen Bereichen. So setzte die UNO die Technologie bei der Erfassung und Versorgung syrischer Flüchtlinge in Jordanien ein. Estland, allgemein anerkannt als weltweiter Vorreiter bei der Digitalisierung , nutzt die Blockchain für das eGovernment, unter anderem im Einwohnermeldewesen , und auch in Deutschland wird bereits eine Anwendung auf Verwaltungsprozesse diskutiert.</p>
<h2>Blockchain als Teil des Wahlsystems</h2>
<p>Vor allem aber lässt sich das Prinzip der digitalen Dezentralisierung natürlich ebenso auf den Kern des demokratischen Systems beziehen. Abstimmungen und Wahlprozesse können entsprechend durch eine Blockchain abgebildet und abgesichert werden. Dies wäre dann möglich ohne menschliches Zutun in der Auszählung und „in voller Selbstregulation“ durch die Technologie. Wahlbetrug, so wird argumentiert, wäre dann nicht mehr möglich. Zum Einsatz käme dabei eine „geschlossene Blockchain“, die eine nur einmalige Stimmabgabe je Wahlberechtigten sicherstellt. Diese wird dabei wie eine „Transaktion“ in der oben beschriebenen Logik behandelt, d.h. der Wähler „überträgt“ seine Stimme auf einen zur Wahl stehenden Kandidaten oder eine Entscheidungsoption. Während gewöhnlich eine zentrale Autorität die Stimmen auszählt und auf formale Richtigkeit prüft, würde dies in diesem Fall dezentral über die Wähler erfolgen. Jeder Wahlteilnehmer erhält eine aktualisierte Version der Blockchain und ist damit in der Lage, diese einzusehen und zu überprüfen. Somit ließe sich die Stimmabgabe betrugssicher speichern, da eine Wahlmanipulation ebenso dezentral, auf dem digitalen Endgerät eines jeden einzelnen Wählers, vollzogen werden müsste. Ein Problem bei der Blockchain-Wahl wird oft hinsichtlich der Transparenz der Stimmabgaben gesehen, die zwar wesentlich zum Schutz vor Wahlbetrug beiträgt, aber beispielsweise dem Grundsatz der geheimen Wahl entgegensteht. Dies ließe sich allerdings ähnlich der Anonymisierung beim Bitcoin-Handel lösen, wo Teilnehmer zwar eindeutig und als „unique“ identifiziert werden können, jedoch trotzdem durch eine Codierung („Hashing“) nach außen hin nicht namentlich demaskiert werden. Gleichwohl bleibt damit jede Stimmabgabe einzeln zurechenbar.</p>
<h2>Smart Contracts im politischen System</h2>
<p>Das eigentliche Disruptionspotenzial der Blockchain-Technologie für den demokratischen Prozess liegt jedoch im Zusammenspiel mit den sogenannten „Smart Contracts“. Darunter versteht man technische Transaktionsprotokolle, welche die Einhaltung zuvor definierter Vertragsbestimmungen überwachen sowie autonom und mechanisiert die vereinbarten Konsequenzen ausführen. Menschliches Eingreifen, etwa bei Verletzungen der Vertragsrechte durch eine Partei, ist damit nicht mehr notwendig. Anwendung findet dieses Konzept bereits heute im Bereich der Finanztransaktionen und bei der Abbildung von Copyright-Lizenzen. In der Kombination mit der Blockchain-Technologie wird gewährleistet, dass Smart Contracts auf dezentral verifizierte Daten zugreifen können, um den Eintritt von Vertragsereignissen zu überprüfen und auf dieser Grundlage dann die festgeschriebenen Handlungen zu exekutieren. Durch ein System einer Vielzahl von Blockchain-basierter Smart Contracts ist es sogar denkbar, ganze institutionelle Organisationen mit autonomen Entscheidungswegen abzubilden, sogenannte „Decentralized Autonomous Organizations“ (DAOs), die bereits im Finanzbereich etabliert wurden und deren Steuerung automatisiert auf Basis von Bedingungen erfolgt, welche die Mitglieder durch ein Abstimmungsverfahren im Voraus festlegen.</p>
<h2>Automatismen in der Durchsetzung des Wählerwillens</h2>
<p>Bezogen auf den demokratischen Prozess wäre es damit möglich, Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse der politischen Repräsentanten nicht nur lückenlos und transparent aufzuzeigen, sondern auch einen Automatismus der Exekution des Wählerwillens zu implementieren. Zum einen, wird argumentiert, ließe sich so die „Integrität politischer Entscheidungen“ überwachen, indem die Entscheidungsgrundlagen der politischen Repräsentanten – wie E-Mails, erhaltene Dokumente, etc. – und auch die Geldflüsse im Zusammenhang mit den politischen Entscheidungen lückenlos und unveränderbar dokumentiert werden würden. Dies folgt auch der Überzeugung, dass Transparenz grundlegend ist für die Verhaltensänderung von oft als „träge“ empfundenen staatlichen Institutionen. Zum anderen ließe sich damit eine unverfälschte und konsequente Ausführung der herbeigeführten demokratischen Entscheidungen sicherstellen, frei von nicht legitimierten Filtern, herbeigeführt durch justierend eingreifende Volksvertreter im Nachgang der Abstimmungen. Der sich bereits in der Ökonomie oft als unnötig oder ineffizient erwiesene „Mittelsmann“ wäre damit auch im Bereich des Politischen eliminiert &#8211; die letztliche Konsequenz für die repräsentative Demokratie also ein „Parlament ohne Parlamentarier“.</p>
<h2>Liquid Democracy &amp; Blockchain</h2>
<p>Besondere Relevanz entfaltet die Anwendung von Blockchain und Smart Contracts für den Themenkomplex der „Liquid Democracy“. In Deutschland werden damit vor allem die Bestrebungen der „Piratenpartei“ verbunden, mittels der Verschränkung von direkten und repräsentativen Elementen demokratische Leistungsdefizite zu beheben. Im internationalen Kontext und in einer breiteren, allgemeineren Diskussion beschreibt dieser Ansatz unterschiedliche Ausprägungen der Mandatsgebundenheit, meist mit dem Fokus auf einer stärkeren individuellen Partizipation. Kleinster gemeinsamer Nenner der unter dem Etikett der „Liquid Democracy“ kursierenden Konzepte ist das „Delegated Voting“. Nach diesem Prinzip können die Wahlberechtigten flexibel bestimmen, ob sie ihr Stimmrecht in einer spezifischen Entscheidungssituation selbst ausüben oder an einen Delegierten übertragen, etwa weil jener über die in diesem Fall notwendige Expertise verfügt.</p>
<h2>Smart Contracts für den aggregierten Wählerwillen</h2>
<p>Um auch in großen Wahlsystemen mit vielen Stimmberechtigten effizient zu bleiben, bedarf Liquid Democracy eines leistungsfähigen technischen Verfahrens, das die Stimmdelegation sowie mögliche Inhaltsvereinbarungen speichert und für die Wahlberechtigten transparent hält. Für diese Funktionen ist die Blockchain prädestiniert, zumal sie aufgrund ihrer dezentralen Beschaffenheit auch für ausreichende Wahlsicherheit sorgen kann. Darüber hinaus besteht damit die Möglichkeit, das tatsächliche Wahlverhalten der Delegierten zu verdeutlichen und für alle sichtbar zu machen, indem in der Blockchain archiviert wird, ob diese sich an die Wünsche oder auch Vorgaben der einzelnen Wähler gehalten haben. Auch können auf diese Weise imperative Mandate kreiert und überwacht werden. In der Kombination mit Smart Contracts ist es schließlich sogar denkbar, einen Automatismus zu erzeugen, der den aggregierten Wählerwillen zwingend zur Umsetzung bringt, indem die eigentliche Ausübung des Mandats gar nicht mehr im Verfügungsbereich des Delegierten liegt, sondern die in der Blockchain festgehaltene inhaltliche Bindung zu einer nicht beeinflussbaren Mechanisierung der Abstimmung führt.</p>
<h2>Grenzen von Liquid Democracy</h2>
<p>Das Konzept der Liquid Democracy wurde vielfach kritisiert. Hierzulande bemängelte man vor allem – auch beim vergleichsweise weniger radikalen Vorstoß der Piratenpartei – die Unvereinbarkeit mit dem Prinzip des freien Mandats. Der Ansatz erfuhr aber auch Ablehnung als wenig effizient und praxisnah, da es kaum möglich sei, die Vielzahl an Themen und unterschiedlichen Delegierten zu überblicken und zu koordinieren. Als problematisch erachtet wurde auch die Einbindung der durch Stimmkumulation entstehenden „Superdelegierten“ in ein System von Checks&amp;Balances sowie deren Verantwortlichkeit gegenüber den Wählern. In diesen letzten beiden Fällen zumindest wäre die Blockchain als technische Grundlage und „Vertrauensprotokoll“ geeignet, Abhilfe zu schaffen.</p>
<p>Die Rezeption des Blockchain-Ansatzes darüber hinaus ist in Deutschland eher noch unterentwickelt. Anders in den USA wo die Adaption in der praktischen Diskussion bereits deutlich weiter reicht. Dies soll Gegenstand des <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-im-politischen-system-ein-libertaerer-gegenentwurf/" target="_blank" rel="noopener">nächsten Teils</a> der Artikelreihe sein.</p>
<p>Der Text ist ein Auszug aus:</p>
<p><strong>Wagener, Andreas (2018): Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain</strong>. In: Liebold, Sebastian / Mannewitz, Tom / Petschke, Madeleine / Thieme, Tom (Hrsg.): Demokratie in unruhigen Zeiten, Baden Baden, 2018, S. 387 &#8211; 398</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche </strong><strong>Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>.</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/">Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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