Videomanipulation: Das Werkzeug für die hausgemachte Verschwörungstheorie.

Digitalisierung hat neben ihren unbestreitbaren und deutlich überwiegenden Vorzügen natürlich auch Schattenseiten. Aber die Entwicklung eines deutsch-/US-amerikanischen Forscherteams hat das Potenzial, Berichterstattung, Nachrichten und das, was wir als „objektive Wahrheit“ empfinden, radikal zu manipulieren: Das Werkzeug für die hausgemachte Verschwörungstheorie.

Mit dem Begriff „bahnbrechend“ wird gerne inflationär umgegangen, aber was Forscher der Universität Erlangen in Kooperation mit dem Max-Planck-Institute for Informatics der Stanford University vor wenigen Wochen vorgestellt haben, verdient unserer Meinung nach uneingeschränkt dieses Etikett: Unter dem Titel „Face2Face: Real-time Face Capture and Reenactment of RGB Videos“ ist eine Videodemonstration auf Youtube gepostet, die eindrucksvoll die Ergebnisse der Forschungsgruppe zeigt. Offensichtlich ist es dieser gelungen, Gesichtsbewegungen, etwa beim Sprechen, einer Person auf eine weitere in einem Video zu übertragen.

Heißt: Man nehme einen Clip mit einem politischem Amts- oder Mandatsinhaber und lege diesem einige Worte in den Mund, die dieser so nie geäußert hat – einfach indem man diese selbst spricht. Die entsprechenden – eigenen – Lippenbewegungen werden dann so täuschend echt auf das Ursprungsvideo übertragen, dass kaum noch feststellbar ist, dass die Aussage gar nicht so gefallen ist – der perfekte Werkzeugkasten für den DIY-Verschwörungstheoretiker.

Wenn Sie also schon immer mal Frauke Petry ein überzeugtes, tränenreiches und liebevolles Bekenntnis zur Willkommenskultur in Deutschland abringen wollten, hier ist Ihr Tool:


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