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	<title>Disruption Archive - Nerdwärts.de</title>
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	<description>Digitaler Wandel &#38; Digitale Bildung</description>
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	<title>Disruption Archive - Nerdwärts.de</title>
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		<title>KI und praktische Politik: Einsatz von KI in staatlichen Entscheidungsprozessen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Apr 2022 09:57:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während wir hierzulande noch über eine etwas diffus als „eGovernance“ umschriebene „Digitalisierung der Verwaltung“ sinnieren, bei der wir auch im europäischen Vergleich gegenüber Ländern wie Estland deutlich hinterherhinken, wird andernorts bereits der Einsatz intelligenter Datenauswertungsverfahren und der Rückgriff auf Algorithmen bei der Findung und Exekutive staatlicher Entscheidungen erprobt. In der internationalen akademischen Diskussion hat sich [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2022/04/ki-und-praktische-politik-einsatz-von-ki-in-staatlichen-entscheidungsprozessen/">KI und praktische Politik: Einsatz von KI in staatlichen Entscheidungsprozessen</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Während wir hierzulande noch über eine etwas diffus als „eGovernance“ umschriebene „Digitalisierung der Verwaltung“ sinnieren, bei der wir auch im europäischen Vergleich gegenüber Ländern wie Estland deutlich hinterherhinken, wird andernorts bereits der Einsatz intelligenter Datenauswertungsverfahren und der Rückgriff auf Algorithmen bei der Findung und Exekutive staatlicher Entscheidungen erprobt. In der internationalen akademischen Diskussion hat sich inzwischen das Forschungsfeld der „Algorithmic Governance“ etabliert, welches sich vor allem mit dem Aspekt der Ergänzung oder des vollständigen Ersatzes menschlicher politischer Entscheidungen durch datenbasierte Technologie, wie vor allem auch KI, befasst.</strong></p>



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<span id="more-2043"></span>



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<p><a href="https://nerdwaerts.de/?s=Algorithmic+Governance&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Algorithmic Governance</a> kann allgemein als die automatisierte Entscheidungsfindung und -ausführung von institutionellem Handeln, vor allem der Politik, auf Basis von Datenauswertungen und Algorithmen begriffen werden. Zunehmend machen Staat und Verwaltung dabei von Verfahren des maschinellen Lernens und <a href="https://nerdwaerts.de/?s=KI&amp;submit=Search" target="_blank" rel="noreferrer noopener">KI</a> Gebrauch. Dies setzt entsprechend eine fortschreitende Digitalisierung politischer Abläufe und Strukturen voraus.</p>



<p>Als plakatives Beispiel lässt sich hier natürlich China als Vorreiter anführen. Die Vernetzung digitaler Prozesse, insbesondere auch gesellschaftlicher Art, nimmt hier ein Ausmaß an, das sonst wohl nirgends seinesgleichen findet. Durch die enge Anbindung der marktwirtschaftlich geführten Technologiekonzerne, wie Tencent oder AliBaba, an das als autoritär einzustufende politische System entstehen „Datensynergien“, die in pluralistisch-demokratischen Systemen derzeit undenkbar wären. Weitverbreitete Social-Media-Anwendungen, wie der Messenger WeChat, der auch eine vielgenutzte Zahlungsfunktion umfasst, kooperieren eng mit den staatlichen Stellen, die auf diesem Wege <a href=",%20http:/www.wired.co.uk/article/chinese-government-social-credit-score-privacy-invasion">eine umfassende Datensammlung über alle gesellschaftlichen Teilbereiche hinweg verfolgen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ki-in-der-politik-china-als-massstab">KI in der Politik: China als Maßstab?</h2>



<p>Genutzt werden sollen diese Daten einerseits im Rahmen des berüchtigten <a href="https://youtu.be/HCrHE-fSLx0?t=1106">chinesischen Social-Scoring-Systems</a>, welches, basierend auf einem an Gamification erinnernden Prinzip, zum Ziel hat, gesellschaftlich konformes und gewünschtes Verhalten der Bürger durch die Schaffung von positiven Anreizen wie auch von Sanktionierungen zu bewirken. Überwacht und „gemessen“ werden können die Verhaltensweisen jedes Einzelnen durch die Auswertungen der Daten aus den zur Verfügung stehenden Quellen der chinesischen Digitalkonzerne. Wer etwa seine Rechnungen immer pünktlich bezahlt, sich positiv über die gesellschaftliche Entwicklung äußert oder ein verantwortungsbewusstes Konsumverhalten an den Tag legt – zum Beispiel indem er durch den Kauf von Windeln bekundet, dass er offenbar als Elternteil mehr Leistung für die Gemeinschaft erbringt –, hat Vorteile gegenüber jenen, die sich eher als „Individualisten“ hervortun, etwa weil ihre Zahlungshistorie entsprechende Positionen für die Ausgaben von Online-Games belegt. Dieser Social Score kann dann über die Vergabe von Privilegien, etwa hinsichtlich der bevorzugten Ausspielung des eigenen Profils bei Dating-Apps bis hin zur Reisefreiheit, <a href="http://www.wired.co.uk/article/chinese-government-social-credit-score-privacy-invasion">entscheiden</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="bussgeld-in-echtzeit">Bußgeld in Echtzeit</h2>



<p>Andererseits werden die geschaffenen digitalen Strukturen aber auch für die direkte staatliche Umsetzung bestehender Regeln und Gesetze genutzt. Der Fortschritt im Bereich der KI und der digitalen Gesichtserkennung ermöglicht es, Normenverstöße „ad hoc“ zu sanktionieren. Ein Überqueren der Straße bei roter Ampel kann über den flächendeckend ausgebreiteten Überwachungsapparat sofort erfasst werden, installierte Kameras mit verknüpfter Gesichtserkennung erlauben es, „Gesetzesbrecher“ umgehend zu identifizieren und die entsprechende Strafe <a href="https://www.scmp.com/tech/china-tech/article/2138960/jaywalkers-under-surveillance-shenzhen-soon-be-punished-text">automatisiert zu verhängen</a>. Exekutive und Judikative agieren somit wahrhaft algorithmisch, in einer strikten binären „wenn-dann“-Verknüpfung, ohne dass eine menschliche Beteiligung zur Durchsetzung der gesellschaftlichen Normen noch notwendig wäre.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="algorithmic-governance-in-demokratien">Algorithmic Governance in Demokratien</h2>



<p>Aber auch in pluralistischen, demokratischen Systemen gibt es Überlegungen, KI und Datenökonomie für die Erfüllung staatlicher Aufgaben heranzuziehen. Estland, wie erwähnt, ein Vorreiter im Bereich der eGovernance, versucht in einem 2019 begonnenen Projekt zu eruieren, ob es, mit dem Ziel, Staatsapparat und politische Prozesse zu verschlanken, sinnvoll ist, spezifische staatliche Funktionen auf eine KI und algorithmische Verfahren auszulagern. Im Fokus steht dabei unter anderem auch die Einrichtung eines „Robo-Richters“, einer rein digitalen Anwendung, die kleinere privatrechtliche Rechtssachen mit einem Streitwert von bis zu €7.000,00 in erster Instanz <a href="https://www.wired.com/story/can-ai-be-fair-judge-court-estonia-thinks-so">autonom bearbeiten soll</a>.</p>



<p>Unterstützend wird derartige Technologie auch in den USA genutzt, wenn Richter über die vorzeitige Entlassung verurteilter Straftäter auf Bewährung entscheiden sollen. Die Software COMPAS errechnet dazu aus 137 erhobenen Merkmalen die individuelle „Rückfall-Wahrscheinlichkeit“. Zwar ist der Richter immer noch frei in seiner Entscheidung, weicht er jedoch von der Empfehlung des Programms ab, so muss er dies gesondert begründen. Das Verfahren ist hochumstritten und gilt als anfällig für den sogenannten „KI-Bias“, bei dem Fehler im <a href="https://nerdwaerts.de/?s=KI&amp;submit=Search">KI</a>-Training – wie etwa die Verwendung einseitiger Trainingsdaten – zur Verfestigung faktischer „Vorurteile“ oder zu Verzerrungen führen. Eine Untersuchung des Nachrichtenmediums „Pro Publica“ belegt eine deutliche Diskriminierung schwarzer Amerikaner durch das System: Weiße, deren Rückfallrisiko COMPAS als niedrig einschätzte, wurden tatsächlich <a href="https://www.propublica.org/article/machine-bias-risk-assessments-in-criminal-sentencing">viel häufiger wieder straffällig als Schwarze mit niedrigem Risikowert</a>. Eine weitere <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aao5580">Studie des Dartmouth College</a> belegte zudem, dass zufällig ausgewählte juristische Laien mit weniger Informationen bei einer Prognose in etwa genauso gut wie der Algorithmus lagen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="gerechtere-entscheidungen-mit-ki-in-der-politik">Gerechtere Entscheidungen mit KI in der Politik?</h2>



<p>Jedoch verstummt der Ruf nach einem verstärkten Einsatz von KI und verwandter Technologien bei der Ausübung staatlicher Autoritätsfunktionen deswegen nicht. Begründet wird dies etwa mit der Vermeidung menschlicher Voreingenommenheit und der rigorosen Sachlichkeit, die digitale Systeme von vornherein mit sich bringen. Damit verknüpft sich die <a href="https://www.opendemocracy.net/transformation/ziyaad-bhorat/do-we-still-need-human-judges-in-age-of-artificial-intelligence">Hoffnung</a>, dass der Fortschritt derartige technische „Kinderkrankheiten“ mit der Zeit eliminiert, während hingegen ein auf jeden Fall immer bestehender „menschlicher Bias“ damit umgangen werden könne.</p>



<p>Angewandter KI werden aber auch in der praktischen Politik erhebliche Kompetenzen zugesprochen. Gemäß einer <a href="https://docs.ie.edu/cgc/European-Tech-Insights-2019.pdf">Studie des spanischen Center of the Governance of Change</a> würde ein Viertel der Befragten es bevorzugen, dass politische Entscheidungen eher von einer KI als von Politikern aus Fleisch und Blut getroffen werden würden. Darin mag einerseits eine allgemeine und derzeit weit verbreitete Ernüchterung gegenüber der Demokratie und ihrer traditionellen Institutionen zum Ausdruck kommen. Andererseits weist dieses Ergebnis auch auf ein sich wandelndes, zunehmend „technozentrisches“ Weltbild hin, welches jedoch zugleich eine Paradoxie enthüllt, erhoffen sich heute doch viele von der Politik gerade auch einen Schutz vor Technisierung und Disruption.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="tech-unternehmen-und-ki-als-gesellschaftliches-steuerungsinstrument">Tech-Unternehmen und KI als gesellschaftliches Steuerungsinstrument</h2>



<p>Wille und Bereitschaft, intelligente Technologie für die Lösung gesellschaftlicher Probleme einzusetzen sind weit verbreitet. <a href="https://ai.google/social-good">Google will KI gezielt für „gesellschaftliche Herausforderungen“nutzen</a>, konkret etwa auch in der Arbeitsmarktpolitik, im Natur- und Landschaftsschutz oder anderen klassischerweise staatlichen Domänen. Auch in der Wirtschaftspolitik ist eine aktive Einbindung von KI Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Durch deren immer besser werdende Prognosefähigkeit können Vorhersagen perspektivisch immer weiter, bis hin zur absoluten Verlässlichkeit perfektioniert werden, <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-KI-die-Kuenstlichen-Idioten-des-digitalen-Kapitalismus-4324653.html">so die Argumentation</a>. Jack Ma, Gründer von Alibaba, geht sogar so weit zu sagen, dass die Übertragung derartiger Kompetenzen an eine KI dazu führen würde, dass Marktunsicherheiten generell überwunden werden könnten und dies letztlich erlauben würde, „<a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz/technischer-fortschritt-wo-kuenstliche-intelligenz-zur-religion-wird-15214599.html">die Planwirtschaft zu verwirklichen</a>“. Andrew Ng, oft <a href="https://www.theverge.com/2017/8/8/16107744/deep-learning-ai-online-course-coursera-andrew-ng">als „KI-Pionier“ titulierter</a>, ehemaliger führender Mitarbeiter der KI-Forschungsabteilungen von Google und Baidu und heute einer der maßgeblichen Tech-Investoren auf diesem Gebiet, gibt das Bildungsziel einer „KI-betriebenen Gesellschaft“ aus, die maßgeblich durch intelligente Technologie geprägt wird. Selbst von KI als einer „Friedensmaschine“ ist bei manchem, wie dem renommierten finnischen KI-Forscher Timo Holenka, die Rede sowie von dem <a href="http://www.aljazeera.com/indepth/features/2017/05/scientist-race-build-peace-machine-170509112307430.html">Ziel, Demokratie durch deren Einsatz „besser zu machen“</a>. Statt wichtige gesellschaftliche und politische Entscheidungen einigen wenigen zu überlassen, selbst wenn diese ihr Mandat aus freien und unabhängigen Wahlen beziehen, sollte der Einsatz von KI demnach die „Weisheit der Vielen“ aggregieren, wovon man sich eine höhere Stabilität der demokratischen Systeme verspricht.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="mahnende-stimmen-gegen-den-einsatz-von-ki-in-der-politik">Mahnende Stimmen gegen den Einsatz von KI in der Politik</h2>



<p>Demgegenüber stehen mahnende Stimmen, wie die des französischen Präsidenten Emanuel Macron. Dieser erkennt gleichfalls an, dass die gerade <a href="https://www.wired.com/story/emmanuel-macron-talks-to-wired-about-frances-ai-strategy/">stattfindende technologische Revolution in Wahrheit vor allem auch eine politische ist</a>, weist aber auf die Bedrohungen für die Demokratie durch schlecht im System verankerte KI und deren Beteiligung an der politischen Entscheidungsfindung hin. Noch deutlicher wird der selten um visionäre Ansätze verlegene Tesla-, SpaceX- und Neuralink-Gründer Elon Musk, demzufolge der Rückgriff auf <a href="https://nerdwaerts.de/?s=KI&amp;submit=Search">KI</a> oder gar die Übertragung politischer Kompetenzen an diese einen „<a href="ttps://www.livescience.com/62239-elon-musk-immortal-artificial-intelligence-dictator.html">unsterblichen digitalen Diktator</a>“ erschaffen könnte.</p>



<p>Tatsache ist, dass die Einbindung von <a href="https://nerdwaerts.de/?s=KI&amp;submit=Search">KI</a> als unterstützendes Instrument, aber auch als maßgebliche Instanz der politischen Entscheidungsfindung keine Phantasterei, sondern vielmehr eine sich bereits etablierende Realität darstellt. Der „staatliche Organismus“ wird somit auch innerhalb seines „zentralen Nervensystems“ zunehmend technologisch herausgefordert. Die immer weiter fortschreitende Entwicklung hat bereits eine gesamtgesellschaftliche technologische Transformation eingeleitet. Eine entsprechende breite Diskussion über die Folgen für das Handeln des Staates, die praktische Politik, wäre daher dringend geboten – und zwar jenseits aktueller Diskurse und Weissagungen, die aufgeregt zwischen positiven ökonomischen Zukunftsversprechungen einerseits und düsteren dystopischen Schreckensszenarien andererseits oszillieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ki-in-der-politik-als-disruptive-innovation">KI in der Politik als &#8222;Disruptive Innovation&#8220;</h2>



<p><a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/">Disruptive Innovationen</a> wie der Einsatz von KI in der (politischen) Entscheidungsfindung stellen unzweifelhaft Herausforderungen für Kernfunktionen des nationalen wie auch des internationalen politischen Systems dar. Die Grundlagen der herrschenden Ordnung, Regeln, Institutionen, und damit die Machtpositionen verändern sich tiefgreifend. Digitale Technologien wie KI und maschinelles Lernen versetzen Individuen und Gruppen, die diese zu nutzen wissen, potenziell in die Lage, Dinge zu tun, die bisher Staaten und staatlichen Organisationen vorbehalten waren. <a href="https://brill.com/view/journals/hjd/12/1/article-p90_5.xml?language=en">Diese „digital Ermächtigten“ sind nicht im klassischen Sinne gesellschaftlich legitimiert oder prinzipiell „moralisch gebunden“</a>. Damit stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Existenzberechtigung des Staates. Eine ganz neue, eigene gesellschaftliche <a href="https://nerdwaerts.de/?s=politische+disruption&amp;submit=Search">disruptive Qualität</a> ist somit entstanden. Die Aufgabe, diesen mit einer humanen Prägung zu versehen, liegt bei uns.</p>



<p>Das Thema der „<a href="https://nerdwaerts.de/?s=Algorithmic+Governance&amp;submit=Search">Algoritmic Governance</a>“ ist Bestandteil einer 3 teiligen Reihe auf diesem Blog: <a href="https://nerdwaerts.de/2022/01/algorithmic-governance-ki-und-algorithmen-in-der-politik/">zu Teil 1 – hier entlang</a>.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<p><strong>Vortrag/Keynote von Prof. Dr. Andreas Wagener: &#8222;Wie der Staat mit Daten umgeht.</strong> <strong>Was ist gesellschaftlich akzeptabel?&#8220;:   </strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"></h2>



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<p><em>
Mehr Informationen zum Thema KI im Marketing finden Sie im Buch von <a href="https://nerdwaerts.de/keynotes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andreas Wagener</a> <a href="https://www.amazon.de/K%C3%BCnstliche-Intelligenz-Marketing-verbirgt-profitieren/dp/3648169572?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&#038;crid=3LEYA68C1IHK9&#038;dib=eyJ2IjoiMSJ9.F0DFVjJXx3RDUq5AFGWmW72IYdQUzCcPngROcCJNE8MrT5C61IF2XaAkWPd_le2b5NPhi5td5gIJMn6bRqSJciSKGXyMa6Rl2rf8dzSbVR6sTRH9Exy9GurFiPKH0yYGAZsFgvQG6NeyubdeZNaRWEVcjwmhJmc_nJl4oafIWLlMbBn9e6hu_Jy3DVmk4iAv3Lg4OEXfVaJm88L9Q4G9iDM7nArvced8A0fx9Qj9qe0.nP-dKqYU-gE_d5W1Xtmrr8y7DR5pgrkPbPFkThWYiuY&#038;dib_tag=se&#038;keywords=Wagener+KI+im+Marketing&#038;qid=1728994048&#038;sprefix=wagener+ki+im+marketing%2Caps%2C94&#038;sr=8-1&#038;linkCode=ll1&#038;tag=nerdwaerts-21&#038;linkId=e5074a981472dec11b04d62f77503207&#038;language=de_DE&#038;ref_=as_li_ss_tl">Künstliche Intelligenz im Marketing</a>, Haufe, Freiburg, 2023</em></p>



<p>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a>.</p>
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		<title>Blockchain im politischen System: ein libertärer Gegenentwurf?</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-im-politischen-system-ein-libertaerer-gegenentwurf/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Nov 2018 07:31:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Blockchain-Technologie kann nicht auf den Märkten für die dezentrale Transaktionsabwicklung genutzt werden. Auch der Rückgriff als Gestaltungselement im politischen System wird diskutiert. Damit verbunden ist aber auch eine Ideologisierung politischer Prozesse. Wir hatten bereits in den vorangegangenen Teilen dieser Reihe über die Möglichkeiten Politischer Disruption sowie das disruptive Potenzial der Blockchain-Technologie im politischen System gesprochen. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-im-politischen-system-ein-libertaerer-gegenentwurf/">Blockchain im politischen System: ein libertärer Gegenentwurf?</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Blockchain-Technologie kann nicht auf den Märkten für die dezentrale Transaktionsabwicklung genutzt werden. Auch der Rückgriff als Gestaltungselement im politischen System wird diskutiert. Damit verbunden ist aber auch eine Ideologisierung politischer Prozesse.</strong><br />
<span id="more-1404"></span><img decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" /><br />
Wir hatten bereits in den vorangegangenen Teilen dieser Reihe über die Möglichkeiten <a href="https://nerdwaerts.de/2018/10/politische-disruption-wenn-technologie-gesellschaft-und-politisches-system-revolutioniert/" target="_blank" rel="noopener">Politischer Disruption</a> sowie das <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/" target="_blank" rel="noopener">disruptive Potenzial der Blockchain-Technologie im politischen System</a> gesprochen. Jenseits der möglichen Neugestaltungen und Erweiterungen politischer und demokratischer Prozesse steht Blockhain in der Politik auch für ein eigenes Demokratieverständnis und für ein bestimmtes Werteraster.</p>
<h2>Blockchain und Smart Contracts in der Politik bewirken Neuverteilung von Macht</h2>
<p>Unzweifelhaft bewirkt der Einsatz von Blockchain und Smart Contracts in der Politik eine Neuverteilung von Macht, weg von zentralen Autoritäten hin zu einer technisch induzierten Dezentralität. Richtung und Art politischer Interaktion und Einflussnahme lassen sich durch diese Instrumente völlig neu gestalten. In aller Regel ginge dies einher mit dem konsequenten Ausschluss etablierter Instanzen im System, einer beispiellosen politischen „Disintermediation“. Letztlich stellt dies die Grundfesten existierender politischer Systeme und auch die traditionelle Rolle des Staates generell in Frage. Die Blockchain steht für manche damit am Ende einer Entwicklung der Erosion institutioneller Regierungssysteme und herkömmlicher repräsentativer Demokratie, in deren Zuge immer mehr Macht von politischen Institutionen auf dezentrale Strukturen, auf Individuen und Märkte, verlagert wurde. Neu ist dabei jedoch die technologische Dimension, die Digitalisierung zum politischen Gestaltungsmittel erhebt.</p>
<h2>Politische Disruption von &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220;</h2>
<p>Die Advokaten dieser „politischen Disruption“ finden sich sowohl in klassisch „linken“ wie auch „rechten“ Milieus. Während etwa die in Deutschland erst langsam aufkeimende Diskussion derzeit noch von einem eher links-anarchistisch beeinflussten Skeptizismus gegenüber staatlichen Institutionen geprägt wird, sind international, insbesondere in den USA, wo längst eine breite Debatte über das Thema existiert, vor allem libertäre Motive maßgebend. Die Blockchain wird als bewusst technokratisches Instrument betrachtet, das den staatlichen und überstaatlichen Institutionen, die ohnehin dazu tendieren würden, ihre Befugnisse zu überschreiten, entgegengesetzt werden kann. Viele dieser „Techno-Libertarians“ sind der Meinung, dass zentrale Koordination und der Staat Produkte einer überkommenen patriarchalen und hierarchisch-autoritären Grundeinstellung sind, die es zu überwinden gilt.</p>
<h2>Politik als Markt?</h2>
<p>Charakteristisch ist die Übertragung von marktwirtschaftlichen Funktionsweisen auf politische Leistungsprozesse. Der Staat als Organisationsform wird wie ein Unternehmen betrachtet, das funktionieren und liefern muss, wenn es weiter die Gunst seiner „Kunden“, den Bürgern, genießen will. Geschieht das aus Sicht des Einzelnen nicht, so wird es als logische Konsequenz angesehen, dass dieser in höchster Flexibilität seine Loyalität aufkündigt und sich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=owrXnfEGzhs" target="_blank" rel="noopener">„Alternativangeboten“ zuwendet</a>. Möglichst freie und ungezügelte Marktwirtschaft gilt als H<a href="https://www.wsj.com/articles/the- capitalist-cure-for-terrorism-1412973796" target="_blank" rel="noopener">auptgarant politischer Stabilität</a>. Es sei keine Option, Menschen „qua Geburt“ in ein politisches System zu „zwingen“, ihnen damit bereits „von Beginn an“ ihre Freiheit zu entziehen. Stattdessen müsse man das Prinzip auf den Kopf stellen und größtmöglicher Selbstbestimmung den Weg ebnen. Die Gestaltungsprinzipien der Blockchain, welche die politische Macht auf ihren eigentlichen Ausgangspunkt direkt zurückübertragen, werden hierfür als perfektes Vehikel identifiziert.</p>
<h2>Digitalisierung und Automatisierung der Politik</h2>
<p>Die damit ebenfalls einhergehende Technisierung politischer Systeme zielt auf eine ganz bewusste „Entmenschlichung” der Politik. Menschliche Schwächen ließen sich nicht durch Checks&amp;Balances allein auffangen. Die durch die Blockchain-Technologie geschaffene Entscheidungstransparenz in Verbindung mit dem durch die Smart Contracts induzierten Exekutiv-Automatismus würden Korruption und Vetternwirtschaft hingegen unmöglich machen. Grundsätzlich ist es nicht so, dass man sich gegen Demokratie als solche wendet. Typisch ist jedoch ein archaisches, teilweise auch äußerst schlichtes Demokratieverständnis. Entscheidungen werden als absolut begriffen und in schwarz und weiß, in ein binäres System von Einsen und Nullen, gegliedert. Mehrheitsentscheidungen sind dabei stets verbindlich, unabhängig von den Inhalten und ihrer Legitimität.</p>
<h2>libertärer Gegenentwurf einer Algorithmus basierten Gesellschaft</h2>
<p>Der skizzierte libertäre Gegenentwurf einer weitestgehend staatsfreien und Algorithmus basierten Gesellschaft kann sicherlich nicht als etablierte Ideologie begriffen werden. Die Diskussion darum hat jedoch in den vergangenen Jahren stark an Fahrt aufgenommen und zumindest in den USA, wo sich auch prominente Befürworter, vor allem aus der Tech-Szene im Silicon Valley zu Wort melden, die Nische inzwischen verlassen. In Deutschland ist das Thema hingegen wenig präsent. Allerdings macht sich selbst im gemäßigten Umfeld der digitalen Bourgeoisie hierzulande bisweilen ein Ohnmachtsgefühl gegenüber Staat und Politik bemerkbar, ausgelöst durch Themen wie NSA-Skandal oder Vorratsdatenspeicherung sowie einem generell wahrgenommenen staatlichen Versagen in der Netzpolitik. Auch daraus könnte ein Nährboden für eine entsprechende politische Disruption entstehen.</p>
<h2>Regieren ist mehr als Stimmen zu sammeln</h2>
<p>Auch wenn aus demokratischer Perspektive das Versprechen der Blockchain, dem Wähler mehr Gestaltungsmacht einzuräumen, seinen Willen besser und direkter zur Geltung zu bringen sowie dies innerhalb eines manipulationsfreien Systems zu ermöglichen, zunächst vielversprechend und plausibel erscheint, ist doch offensichtlich Skepsis angebracht. Politik und Regierungstätigkeit umfassen natürlich deutlich mehr als Stimmen zu aggregieren, Datenbanken zu pflegen oder Transaktionen durch Algorithmen auszulösen. Schuldig bleiben die Blockchain-Adepten eine klare Antwort, wie eine digital gesteuerte Gesellschaft Konflikte und gesellschaftliche Insuffizienzen reguliert, und zwar jenseits von Marktkriterien, die letztlich nichts anderes als das Recht des Stärkeren propagieren. Die Welt ist komplex, und eine angemessene Politik muss situativ abwägend und mit ethischer Erdung erfolgen, sie bedarf einer im doppelten Sinne „menschlichen“ Partizipation. In diesem Verständnis ist der traditionelle demokratische Staat eben mehr als ein störender Mittelsmann, er ist die Summe seiner Teile, ein Abbild der Gesellschaft und seiner Bürger.</p>
<h2>Positive Kraft der Blockchain</h2>
<p>Wie sich die Kraft der Blockchain positiv entfalten könnte, zeigt sich gerade in Entwicklungsländern. Angefangen bei der Herkunftszertifizierung von Konfliktrohstoffen, etwa der Identifizierung von „Blood Diamonds“, über die korruptionsresistente Protokollierung von Eigentumsübergängen bis hin zur Errichtung komplett distribuierter Finanzsysteme kann die Technologie einen einzigartigen Beitrag zur politischen Stabilisierung liefern – gerade weil herkömmliche staatliche Monopolstrukturen dabei umgangen werden. Die hiermit einhergehende Entmachtung der „Gatekeeper“ und die Dezentralisierung der Verfügungsrechte bergen gerade dort, wo demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien derzeit nicht gewährleistet sind, eine echte Chance, Gleichberechtigung und Volkssouveränität zu etablieren.</p>
<h2>Politische Disruption durch die Blockchain?</h2>
<p>Die Blockchain ist ein mächtiges Instrument mit hohem disruptiven Potenzial. Wie jede technische Entwicklung kann sie zum Guten wie zum Schlechten verwendet werden. Kritikloses Technikvertrauen ist ebenso wenig angebracht wie ein abwehrender Technologiepessimismus. Beurteilungsvermögen setzt Verständnis und Begreifen voraus. Dazu müssen wir uns mit der technischen Entwicklung und ihren gesellschaftlichen Implikationen fundiert auseinandersetzen. Viel zu oft verstellt gerade eine vorauseilende, kaum sachliche Technikreaktanz besonders in der akademischen Diskussion hierzulande den Blick auf die wirklich wichtigen Aspekte. Politische Disruption durch die Blockchain oder andere digitale Technologien mag zumindest hierzulande in der praktischen Erprobung noch nicht akut sein, aber das Fundament für das Zusammenspiel von Technik und Gesellschaft wird jetzt gelegt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Text ist ein Auszug aus:</p>
<p><strong>Wagener, Andreas (2018): Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain</strong>. In: Liebold, Sebastian / Mannewitz, Tom / Petschke, Madeleine / Thieme, Tom (Hrsg.): Demokratie in unruhigen Zeiten, Baden Baden, 2018, S. 387 &#8211; 398</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>.</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-im-politischen-system-ein-libertaerer-gegenentwurf/">Blockchain im politischen System: ein libertärer Gegenentwurf?</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Nov 2018 14:57:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Daten- & Algorithmusökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet of Things]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Weird & Strange]]></category>
		<category><![CDATA[Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Distributed Ledger]]></category>
		<category><![CDATA[eGovernment]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Disruption]]></category>
		<category><![CDATA[Smart Contract]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diskussionen über Blockchain kreisen oft um deren &#8222;disruptives Potenzial&#8220; im Bereich der Transaktionsabwicklung etwa bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder bei Smart Contracts. Jenseits dieser ökonomischen Belange könnte die Technologie jedoch auch die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auf den Kopf stellen &#8211; im Wege einer &#8222;Politischen Disruption&#8220;. Ähnlich wie im wirtschaftlichen Kontext können Innovationen &#8222;disruptive&#8220; Auswirkungen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/">Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diskussionen über Blockchain kreisen oft um deren &#8222;disruptives Potenzial&#8220; im Bereich der Transaktionsabwicklung etwa bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder bei Smart Contracts. Jenseits dieser ökonomischen Belange könnte die Technologie jedoch auch die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auf den Kopf stellen &#8211; im Wege einer &#8222;Politischen Disruption&#8220;.</strong><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" /><br />
<span id="more-1394"></span><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" />Ähnlich wie im wirtschaftlichen Kontext können Innovationen &#8222;disruptive&#8220; Auswirkungen nicht nur auf die Märkte, sondern auch auf gesellschaftliche und politische Belange haben. &#8222;<a href="https://nerdwaerts.de/2018/10/politische-disruption-wenn-technologie-gesellschaft-und-politisches-system-revolutioniert/" target="_blank" rel="noopener">Politische Disruption</a>&#8220; beschreibt diese &#8222;zersprengende&#8220; Kraft von Technologie auch im gesellschaftlichen Kontext. Neben Ansätzen in Gebieten wie der Künstlichen Intelligenz rückt dabei vor allem das &#8222;Distributed Ledger&#8220;- oder Blockchain-Verfahren in den Fokus.</p>
<h2>Politische Disruption &amp; Blockchain</h2>
<p>Auch wenn das Thema in Deutschland bislang eher unterrepräsentiert ist, wird international, insbesondere in den USA schon seit längerem intensiv über die politische Disruptionskraft der Blockchain-Technologie diskutiert. Sie gilt vielen als die wichtigste und revolutionärste digitale Innovation seit Aufkommen des „World Wide Web“, mit enormem Veränderungspotenzial, weit über ökonomische Belange hinaus. Bereits in zahlreichen wirtschaftlichen Umfeldern, etwa im Bereich der Finanztransaktionen, auch in Deutschland, etabliert, kreist die akademische Debatte um die möglichen Auswirkungen einer Adaption in der Politik auf die Funktionsweise staatlicher und überstaatlicher Systeme. Als Alternative zur Abbildung herkömmlicher demokratischer Prozesse steht der Rückgriff auf die Blockchain in vielerlei Hinsicht konträr zu traditionellen Demokratieverständnissen.</p>
<h2>Das Blockchain-Prinzip</h2>
<p>Das technische Prinzip der Blockchain lässt sich näherungsweise als „dezentrale Datenbank“ umschreiben. Im Englischen wird es auch oft als „distributed Ledger“ bezeichnet, was sich in etwa als „dezentral verteiltes Kontenbuch“ übersetzen lässt. Bekannteste und vermutlich erste Anwendung fand das Blockchain-Prinzip bei der digitalen Währung „Bitcoin“. Auf diese Weise werden dort die Transaktionen zwischen den An- und Verkäufern festgehalten. Dabei erfolgen die Pflege, die inhaltliche Befüllung und Kontrolle der Rechtmäßigkeit der in der Blockchain gespeicherten Informationen und registrierten Transaktionen nicht durch eine zentrale Stelle, sondern durch die Nutzer des Systems selbst. Somit ist es möglich, dass eine Währung dezentral organisiert werden kann, ohne dass es einer überwachenden staatlichen Institution wie einer Zentral- und Notenbank oder eines zentralen Finanzsystems bedarf. Eine Transaktion muss immer durch die anderen Netzwerkteilnehmer bestätigt werden. Das Ergebnis wird in der Blockchain gespeichert und die somit „neue“ Blockchain im System an die Teilnehmer verteilt.</p>
<h2>Reißverschlussprinzip sorgt für Manipulationssicherheit</h2>
<p>Dadurch, dass die Information nicht zentral an einer, sondern an vielen unterschiedlichen Stellen „verwahrt“, wird, ist es sehr schwierig, die Inhalte zu manipulieren &#8211; etwa in Form einer plötzlichen Guthabenvermehrung auf einem Konto ohne dagegen gehandelten Gegenwert -, denn eine Änderung von Einträgen in der Blockchain müsste gleichzeitig bei jedem einzelnen Nutzer erfolgen. Das Verfahren muss man sich dabei wie einen „Reißverschluss“ vorstellen: ist einer der Zähne beschädigt, lässt sich dieser nicht mehr schließen oder öffnen. Ebenso verhält es sich mit der Blockchain: Wenn die Rechtmäßigkeit der Änderung eines Eintrages nicht durch die „Peers“ im Netz bestätigt wird, also ein „Block“ nicht in die „Kette“ passt, gilt diese Änderung als nicht rechtmäßig und wird nicht vollzogen.</p>
<h2>Demokratisierung der Märkte?</h2>
<p>Ganz wesentlich ist dabei, dass die Dezentralität der Organisation zur Ausschaltung der vermittelnden zentralen Stelle, des „Intermediärs“, führt. Das ist nicht nur effizient und kostenrelevant – schließlich „verdient“ der Mittelsmann nun nicht mehr an einer Transaktion und die Blockchain-Peers können diesen Kostenvorteil unter sich aufteilen –, sondern verändert auch das Machtgefüge. Nicht selten wird sogar von einer „Demokratisierung“ gesprochen. „Legitimation“ von Transaktionen erfolgt dann nicht mehr durch eine zentrale Autorität, die womöglich ihre eigenen Interessen verfolgt. Stattdessen wird diese Aufgabe, technisch koordiniert, direkt durch die Nutzer übernommen.</p>
<h2>Blockchain und staatliche Beteiligung an Geschäften</h2>
<p>Insbesondere typische staatliche Beteiligungen an Geschäften lassen sich somit durch die Blockchain abbilden. Bitcoin als „post-staatliche“ Währung, die ohne Zentralbank auskommt, ist sicherlich ein markanter Beleg hierfür. Ebenfalls bereits breit erprobt ist die Nutzung der Technologie im Bereich der Eigentumsrechte an Grund und Boden. Die Blockchain übernimmt hier die Funktion von Grundbuch und Katasteramt. Auch in jenen Teilen der Welt, die nicht über ein uneingeschränkt funktionierendes Rechtssystem sowie über kein verlässliches Katasterwesen verfügen, lässt sich damit eine einfache und lückenlose Protokollierung von Landtiteln und Eigentumsübergängen sicherstellen.</p>
<h2>Blockchain im eGovernment</h2>
<p>Die Funktionalitäten der Blockchain sind natürlich nicht nur für die Transaktion von Geld, Waren und Eigentumsrechten relevant. Die Notwendigkeit, verlässliche Informationsquellen zu schaffen und Verhandlungsergebnisse festzuhalten, besteht auch in anderen Bereichen. So setzte die UNO die Technologie bei der Erfassung und Versorgung syrischer Flüchtlinge in Jordanien ein. Estland, allgemein anerkannt als weltweiter Vorreiter bei der Digitalisierung , nutzt die Blockchain für das eGovernment, unter anderem im Einwohnermeldewesen , und auch in Deutschland wird bereits eine Anwendung auf Verwaltungsprozesse diskutiert.</p>
<h2>Blockchain als Teil des Wahlsystems</h2>
<p>Vor allem aber lässt sich das Prinzip der digitalen Dezentralisierung natürlich ebenso auf den Kern des demokratischen Systems beziehen. Abstimmungen und Wahlprozesse können entsprechend durch eine Blockchain abgebildet und abgesichert werden. Dies wäre dann möglich ohne menschliches Zutun in der Auszählung und „in voller Selbstregulation“ durch die Technologie. Wahlbetrug, so wird argumentiert, wäre dann nicht mehr möglich. Zum Einsatz käme dabei eine „geschlossene Blockchain“, die eine nur einmalige Stimmabgabe je Wahlberechtigten sicherstellt. Diese wird dabei wie eine „Transaktion“ in der oben beschriebenen Logik behandelt, d.h. der Wähler „überträgt“ seine Stimme auf einen zur Wahl stehenden Kandidaten oder eine Entscheidungsoption. Während gewöhnlich eine zentrale Autorität die Stimmen auszählt und auf formale Richtigkeit prüft, würde dies in diesem Fall dezentral über die Wähler erfolgen. Jeder Wahlteilnehmer erhält eine aktualisierte Version der Blockchain und ist damit in der Lage, diese einzusehen und zu überprüfen. Somit ließe sich die Stimmabgabe betrugssicher speichern, da eine Wahlmanipulation ebenso dezentral, auf dem digitalen Endgerät eines jeden einzelnen Wählers, vollzogen werden müsste. Ein Problem bei der Blockchain-Wahl wird oft hinsichtlich der Transparenz der Stimmabgaben gesehen, die zwar wesentlich zum Schutz vor Wahlbetrug beiträgt, aber beispielsweise dem Grundsatz der geheimen Wahl entgegensteht. Dies ließe sich allerdings ähnlich der Anonymisierung beim Bitcoin-Handel lösen, wo Teilnehmer zwar eindeutig und als „unique“ identifiziert werden können, jedoch trotzdem durch eine Codierung („Hashing“) nach außen hin nicht namentlich demaskiert werden. Gleichwohl bleibt damit jede Stimmabgabe einzeln zurechenbar.</p>
<h2>Smart Contracts im politischen System</h2>
<p>Das eigentliche Disruptionspotenzial der Blockchain-Technologie für den demokratischen Prozess liegt jedoch im Zusammenspiel mit den sogenannten „Smart Contracts“. Darunter versteht man technische Transaktionsprotokolle, welche die Einhaltung zuvor definierter Vertragsbestimmungen überwachen sowie autonom und mechanisiert die vereinbarten Konsequenzen ausführen. Menschliches Eingreifen, etwa bei Verletzungen der Vertragsrechte durch eine Partei, ist damit nicht mehr notwendig. Anwendung findet dieses Konzept bereits heute im Bereich der Finanztransaktionen und bei der Abbildung von Copyright-Lizenzen. In der Kombination mit der Blockchain-Technologie wird gewährleistet, dass Smart Contracts auf dezentral verifizierte Daten zugreifen können, um den Eintritt von Vertragsereignissen zu überprüfen und auf dieser Grundlage dann die festgeschriebenen Handlungen zu exekutieren. Durch ein System einer Vielzahl von Blockchain-basierter Smart Contracts ist es sogar denkbar, ganze institutionelle Organisationen mit autonomen Entscheidungswegen abzubilden, sogenannte „Decentralized Autonomous Organizations“ (DAOs), die bereits im Finanzbereich etabliert wurden und deren Steuerung automatisiert auf Basis von Bedingungen erfolgt, welche die Mitglieder durch ein Abstimmungsverfahren im Voraus festlegen.</p>
<h2>Automatismen in der Durchsetzung des Wählerwillens</h2>
<p>Bezogen auf den demokratischen Prozess wäre es damit möglich, Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse der politischen Repräsentanten nicht nur lückenlos und transparent aufzuzeigen, sondern auch einen Automatismus der Exekution des Wählerwillens zu implementieren. Zum einen, wird argumentiert, ließe sich so die „Integrität politischer Entscheidungen“ überwachen, indem die Entscheidungsgrundlagen der politischen Repräsentanten – wie E-Mails, erhaltene Dokumente, etc. – und auch die Geldflüsse im Zusammenhang mit den politischen Entscheidungen lückenlos und unveränderbar dokumentiert werden würden. Dies folgt auch der Überzeugung, dass Transparenz grundlegend ist für die Verhaltensänderung von oft als „träge“ empfundenen staatlichen Institutionen. Zum anderen ließe sich damit eine unverfälschte und konsequente Ausführung der herbeigeführten demokratischen Entscheidungen sicherstellen, frei von nicht legitimierten Filtern, herbeigeführt durch justierend eingreifende Volksvertreter im Nachgang der Abstimmungen. Der sich bereits in der Ökonomie oft als unnötig oder ineffizient erwiesene „Mittelsmann“ wäre damit auch im Bereich des Politischen eliminiert &#8211; die letztliche Konsequenz für die repräsentative Demokratie also ein „Parlament ohne Parlamentarier“.</p>
<h2>Liquid Democracy &amp; Blockchain</h2>
<p>Besondere Relevanz entfaltet die Anwendung von Blockchain und Smart Contracts für den Themenkomplex der „Liquid Democracy“. In Deutschland werden damit vor allem die Bestrebungen der „Piratenpartei“ verbunden, mittels der Verschränkung von direkten und repräsentativen Elementen demokratische Leistungsdefizite zu beheben. Im internationalen Kontext und in einer breiteren, allgemeineren Diskussion beschreibt dieser Ansatz unterschiedliche Ausprägungen der Mandatsgebundenheit, meist mit dem Fokus auf einer stärkeren individuellen Partizipation. Kleinster gemeinsamer Nenner der unter dem Etikett der „Liquid Democracy“ kursierenden Konzepte ist das „Delegated Voting“. Nach diesem Prinzip können die Wahlberechtigten flexibel bestimmen, ob sie ihr Stimmrecht in einer spezifischen Entscheidungssituation selbst ausüben oder an einen Delegierten übertragen, etwa weil jener über die in diesem Fall notwendige Expertise verfügt.</p>
<h2>Smart Contracts für den aggregierten Wählerwillen</h2>
<p>Um auch in großen Wahlsystemen mit vielen Stimmberechtigten effizient zu bleiben, bedarf Liquid Democracy eines leistungsfähigen technischen Verfahrens, das die Stimmdelegation sowie mögliche Inhaltsvereinbarungen speichert und für die Wahlberechtigten transparent hält. Für diese Funktionen ist die Blockchain prädestiniert, zumal sie aufgrund ihrer dezentralen Beschaffenheit auch für ausreichende Wahlsicherheit sorgen kann. Darüber hinaus besteht damit die Möglichkeit, das tatsächliche Wahlverhalten der Delegierten zu verdeutlichen und für alle sichtbar zu machen, indem in der Blockchain archiviert wird, ob diese sich an die Wünsche oder auch Vorgaben der einzelnen Wähler gehalten haben. Auch können auf diese Weise imperative Mandate kreiert und überwacht werden. In der Kombination mit Smart Contracts ist es schließlich sogar denkbar, einen Automatismus zu erzeugen, der den aggregierten Wählerwillen zwingend zur Umsetzung bringt, indem die eigentliche Ausübung des Mandats gar nicht mehr im Verfügungsbereich des Delegierten liegt, sondern die in der Blockchain festgehaltene inhaltliche Bindung zu einer nicht beeinflussbaren Mechanisierung der Abstimmung führt.</p>
<h2>Grenzen von Liquid Democracy</h2>
<p>Das Konzept der Liquid Democracy wurde vielfach kritisiert. Hierzulande bemängelte man vor allem – auch beim vergleichsweise weniger radikalen Vorstoß der Piratenpartei – die Unvereinbarkeit mit dem Prinzip des freien Mandats. Der Ansatz erfuhr aber auch Ablehnung als wenig effizient und praxisnah, da es kaum möglich sei, die Vielzahl an Themen und unterschiedlichen Delegierten zu überblicken und zu koordinieren. Als problematisch erachtet wurde auch die Einbindung der durch Stimmkumulation entstehenden „Superdelegierten“ in ein System von Checks&amp;Balances sowie deren Verantwortlichkeit gegenüber den Wählern. In diesen letzten beiden Fällen zumindest wäre die Blockchain als technische Grundlage und „Vertrauensprotokoll“ geeignet, Abhilfe zu schaffen.</p>
<p>Die Rezeption des Blockchain-Ansatzes darüber hinaus ist in Deutschland eher noch unterentwickelt. Anders in den USA wo die Adaption in der praktischen Diskussion bereits deutlich weiter reicht. Dies soll Gegenstand des <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/blockchain-im-politischen-system-ein-libertaerer-gegenentwurf/" target="_blank" rel="noopener">nächsten Teils</a> der Artikelreihe sein.</p>
<p>Der Text ist ein Auszug aus:</p>
<p><strong>Wagener, Andreas (2018): Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain</strong>. In: Liebold, Sebastian / Mannewitz, Tom / Petschke, Madeleine / Thieme, Tom (Hrsg.): Demokratie in unruhigen Zeiten, Baden Baden, 2018, S. 387 &#8211; 398</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche </strong><strong>Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>.</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/">Die Blockchain als disruptive Innovation in der Politik</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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		<item>
		<title>Politische Disruption: wenn Technologie Gesellschaft und politisches System revolutioniert</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/10/politische-disruption-wenn-technologie-gesellschaft-und-politisches-system-revolutioniert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2018 09:24:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff der Disruption wurde in der Vergangenheit vor allem auf ökonomische Szenarien bezogen. Insbesondere die Nutzung neuer digitaler Technologien führte dazu, dass neue Geschäftsansätze die Spielregeln auf den Märkten aufbrachen und grundlegend veränderten. Als gesamtgesellschaftliches Phänomen ist die Auswirkungen der Digitalisierung sicherlich breiter zu betrachten. Auch politische und gesellschaftliche Zusammenhänge sind unbestreitbar von den [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/10/politische-disruption-wenn-technologie-gesellschaft-und-politisches-system-revolutioniert/">Politische Disruption: wenn Technologie Gesellschaft und politisches System revolutioniert</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Begriff der Disruption wurde in der Vergangenheit vor allem auf ökonomische Szenarien bezogen. Insbesondere die Nutzung neuer digitaler Technologien führte dazu, dass neue Geschäftsansätze die Spielregeln auf den Märkten aufbrachen und grundlegend veränderten. Als gesamtgesellschaftliches Phänomen ist die Auswirkungen der Digitalisierung sicherlich breiter zu betrachten. Auch politische und gesellschaftliche Zusammenhänge sind unbestreitbar von den neuen Technologien betroffen. Befinden wir uns in der Phase der Politischen Disruption?</strong><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" /><br />
<span id="more-1382"></span><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/ba155677c96849beac9e5a7e5dd3c36d" alt="" width="1" height="1" />Das Thema der Digitalisierung führt in der deutschen Politik wie auch in der Politikwissenschaft immer noch ein Nischendasein. Darin spiegelt sich jedoch die politische wie auch gesamtgesellschaftliche Realität, die Angela Merkel vor einigen Jahren mit ihrer Aussage „das Internet ist für uns alle Neuland“ auf den Punkt brachte. Von der angeblichen „Digitalen Avantgarde“ dafür viel und auch – nach fast 25 Jahren „World Wide Web“ – völlig zurecht kritisiert, beschreibt dies allerdings recht eindrücklich die Situation der digitalen Entwicklung hierzulande, die in fast allen Bereichen internationalen Standards hinterher hinkt. Dabei wird inzwischen die Veränderungskraft der „digitalen Revolution“ allgemein anerkannt, ein Privat- aber auch ein Geschäftsleben ohne digitale Technik erscheint für die meisten kaum mehr vorstellbar.</p>
<h2>Der Disruptionsbegriff in den Wirtschaftswissenschaften</h2>
<p>In der Wirtschaftswissenschaft findet für die Erklärung digitaler Veränderungsprozesse oft der Begriff der Disruption Verwendung, der in seiner weitverbreiteten und vielzitierten Konkretisierung im Management- und Technologieumfeld auf den Harvard-Professor Clayton Christensen zurückzuführen ist. Damit wurde eigentlich eine Form der unternehmerischen Innovation beschrieben, der es, ermöglicht durch neue Technologien, gelingt, neue Märkte und Marktprinzipien zu etablieren und dadurch bestehende Märkte und ihre konventionellen Regelmuster aufzubrechen. Derartige „disruptive Innovationen“ verbessern grundsätzlich unternehmerisch erbrachte Leistungen in einer von den Märkten unerwarteten Weise und verdrängen damit lange Zeit erfolgreiche und tradierte Geschäftsmodelle und -prinzipien.</p>
<h2>Politische Disruption und gesellschaftliche Veränderungsprozesse</h2>
<p>Inzwischen findet der Begriff jedoch nicht mehr nur allein auf ökonomische Szenarien Anwendung, sondern wird auch auf weitere Sachverhalte, auf den grundsätzlichen Wandel komplexer Systeme bezogen. Auch explizit „Politische Disruption“ wird dabei zunehmend zur Charakterisierung von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen aufgegriffen. Wesentlicher Kern des Begriffs ist der Aspekt der Innovation und die Funktion von Technologie als Haupttreiber.</p>
<h2>Die Digitalisierung der Politik und deren Disruption</h2>
<p>Digitale Technologie – auf die der Disruptionsbegriff heute vornehmlich bezogen wird – ist nicht nur in der Lage, althergebrachte Spielregeln auf Märkten auszuhebeln und durch neue zu ersetzen. Sie führte unzweifelhaft ebenso zu einer Veränderung der politischen Prozesse, der politischen Meinungsbildung sowie der Verhaltensweisen politischer Akteure und auch zu einer Verschiebung des Handlungsrahmens der praktischen Politik. Das zeigt sich in vielfältigster Weise, sei es im Aufkommen von „Fake News“ und „Hatespeech“ verbreitenden Social Bots in Sozialen Netzwerken, in der tatsächlichen oder bloß behaupteten Verwendung von Profildaten als „Big Data“ für die Wählergewinnung im US-Präsidentschaftswahlkampf wie auch in Form direkt ans Staatsvolk twitternder US-Präsidenten. Doch nicht nur derartige, eher auf die Beeinflussung der Meinungsbildung gerichtete, politische Kommunikation kann digital und unter Verwendung innovativster Methoden erfolgen. Auch die eigentlichen politischen Prozesse, gewissermaßen im „Maschinenraum der Politik“, sind potenziell durch die Innovationskraft digitaler Technologien betroffen. Dies gilt sowohl für die politische Entscheidungsfindung als auch die Artikulierung und Aggregierung des Wählerwillens sowie ebenso für die Ausübung politischer Macht. Diese Technologien haben das Potenzial, gegenwärtige politische Systeme „im Kern“ zu disruptieren, indem sie alternative Spielregeln des politischen Miteinanders schaffen.</p>
<h2>Technologietreiber Blockchain, Künstliche Intelligenz, 3D-Druck und Virtual Reality</h2>
<p>Insbesondere die Trendthemen Blockchain und Künstliche Intelligenz, die auch im ökonomischen Umfeld den größten Veränderungsdruck bewirken, dürften auch im Politischen Treiber dieser Entwicklung sein. Politische Entscheidungen können beispielsweise unter Rückgriff auf Algorithmen getroffen werden, die entsprechenden Prozesse lassen sich im Wege von Blockchain-basierten Smart Contracts abbilden. Ähnliches Potenzial kann womöglich auch anderen Technologien wie 3D-Druck und Virtual Reality zugeschrieben werden. Politik und Technik werden in Zukunft deutlich enger miteinander verwoben &#8211; mit allen Vor- und Nachteilen. Wie immer wird es darauf ankommen, wie wir diese Zukunft gestalten. Wegducken und Ignoranz sind dabei nicht gestattet. Es handelt sich dabei um eine gesamtgsellschaftliche und somit zu tiefst politische Aufgabe.</p>
<p>In den kommenden Wochen werden wir an diese Stelle auf das Thema der Politischen Disruption intensiver eingehen und die einzelnen Technologien unter diesem Aspekt näher betrachten. Den Auftakt macht dabei das Blockchain- &amp; Distributed Ledger-Verfahren. (<a href="https://nerdwaerts.de/2018/11/die-blockchain-als-disruptive-innovation-in-der-politik/" target="_blank" rel="noopener">Dazu bitte hier entlang</a>.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Text ist ein Auszug aus:</p>
<p><strong>Wagener, Andreas (2018): Politische Disruption: Die Digitalisierung der Politik und die libertäre Technologie der Blockchain</strong>. In: Liebold, Sebastian / Mannewitz, Tom / Petschke, Madeleine / Thieme, Tom (Hrsg.): Demokratie in unruhigen Zeiten, Baden Baden, 2018, S. 387 &#8211; 398</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 17.10.2018:<br />
&#8222;Willkommen in der Matrix! Wie KI und Blockchain in der Industrie 4.0 zusammenwachsen&#8220;</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/aAg44C6-oWo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener, Hochschule Hof am 22.10.2016 Industrie 4.0, Datenökonomie und Künstliche </strong><strong>Intelligenz: Wie Daten und Algorithmen Wirtschaft und Gesellschaft verändern:</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/_kfXmqJevFs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://ad1.adfarm1.adition.com/tagging?type=image&amp;network=196&amp;tag[nerdwaerts.nerdwaerts]=markiert" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Plattformökonomie als Geschäftsmodell</title>
		<link>https://nerdwaerts.de/2018/02/1294/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Wagener]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Feb 2018 13:09:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Daten- & Algorithmusökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[eCommerce]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie 4.0]]></category>
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		<category><![CDATA[3D-Druck]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff der „Plattformökonomie“ ist schon seit längerem in aller Munde. Wohl nirgends sonst wird die disruptive Kraft der Digitalisierung augenfälliger. Allerdings könnte die Dominanz der Plattformen bald durch ein andere digitale Errungenschaft abgelöst werden. Die Nutzung und die Relevanz von Daten im Wirtschaftsleben hat nicht nur das operative Marketing verändert, sondern führte auch zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Begriff der „Plattformökonomie“ ist schon seit längerem in aller Munde. Wohl nirgends sonst wird die disruptive Kraft der Digitalisierung augenfälliger. Allerdings könnte die Dominanz der Plattformen bald durch ein andere digitale Errungenschaft abgelöst werden.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c23cfa42eea44a489d1bdafee01ab4bd" alt="" width="1" height="1" /><br />
<span id="more-1294"></span><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c23cfa42eea44a489d1bdafee01ab4bd" alt="" width="1" height="1" />Die Nutzung und die Relevanz von Daten im Wirtschaftsleben hat nicht nur das operative Marketing verändert, sondern führte auch zu tiefgreifenden Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle im Ganzen. Den sogenannten „Plattformen“ ist es als einer neuen Gattung von Unternehmen gelungen, die bestehenden Strukturen aufzubrechen und sich selbst im Zentrum verschiedenster Branchen einzunisten.</p>
<h2>Das Prinzip der Plattformökonomie</h2>
<p>Oft wird in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den US-Taxidienst „Uber“, ins Feld geführt, der als größtes Taxiunternehmen der Welt gilt, aber selbst kein einziges Taxi besitzt. Gleiches gilt für AirBnB oder Booking.com, die weltweit und in großem Maße Unterkünfte und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten, jedoch selbst über keine eigenen Immobilien und Hotels verfügen. Und Google kann als wichtigster und größter Informationsanbieter der Welt gelten, beschäftigt jedoch keine Redakteure und produziert keine eigenen Inhalte. Dennoch haben sich all diese Unternehmen eine dominante Position in ihrem jeweiligen Markt erobert. Sie sind dort der zentrale Anlaufpunkt sowohl für Nachfrager als auch für die eigentlichen Anbieter. Sie haben es geschafft, sich als Zwischen- und Vermittlerstation, als „Intermediäre“, in die oft bereits jahrzehntelang ohne sie bestehenden Geschäftsbeziehungen einzuklinken und sich auf diesen Märkten unverzichtbar zu machen.</p>
<h2>Plattformen als &#8222;Gatekeeper&#8220;</h2>
<p>Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt in der Errichtung von Plattformen, die der Vernetzung der Marktteilnehmer auf beiden Seiten dienen. Damit wird die klassische Wirtschaftsbeziehung zwischen Produzenten und Abnehmern aufgebrochen. Die Produzenten als Eigentümer der „Hard Assets“, der „Produktionsmittel“ im klassischen Sinne, werden dabei ihres direkten Zuganges zu den Kunden beraubt. Stattdessen nehmen die Plattformen nun die maßgebliche Rolle als „Gatekeeper“ ein, kontrollieren damit den jeweiligen Markt und partizipieren an dieser Wertschöpfungskette auf Kosten der Produzenten, was sich bei diesen zwangsläufig auch in gesunkenen Margen bemerkbar macht.</p>
<h2>Mehrwert durch Vernetzung</h2>
<p>Diese Regeländerungen beeinflussen die Geschäftsstrategien grundsätzlich. Wettbewerb beruht dann weniger auf der Beschaffenheit der Produkte, eine Differenzierung erfolgt nicht allein anhand der Qualität der Produktmerkmale, sondern verstärkt über komplementäre Leistungen, insbesondere über diejenigen, die aus dem Charakter der Plattform resultieren: Produzenten und Konsumenten werden sich für die Plattform entscheiden, die ihnen die beste Vernetzung liefert. Für die Produzenten erhöhen sich damit ihre Absatzchancen, die Konsumenten erhalten auf diese Weise Zugriff auf ein möglichst großes Angebot, gleichzeitig wird der Markt für sie damit transparenter.</p>
<h2>Netzeffekte: Standards schaffen</h2>
<p>Ein wesentlicher Aspekt der Plattform besteht in der Schaffung von sogenannten „Netzeffekten“. Diese entstehen, wenn sich ein gemeinsamer Standard – wie ein übergreifendes Netz – etabliert und beruhen auf den wechselseitigen Auswirkungen einer Teilnahme an diesem für alle kompatiblen Standard. Am besten lässt sich dies mit der rationalen Wahl einer neu zu erlernenden Sprache erklären: Wer ökonomisch vorgeht, wird sich diejenige Sprache aussuchen, deren Erlernen es ihm gestattet, mit möglichst vielen Menschen zu kommunizieren – etwa Englisch, Arabisch, Spanisch oder Mandarin. Durch das Erlernen dieser Sprache profitiert man allerdings nicht nur selbst, auch alle anderen, die bereits diese Sprache beherrschen, ziehen einen Vorteil daraus, da sie nun mit einer weiteren, zusätzlichen Person kommunizieren können.</p>
<h2>Standards reduzieren Risiko</h2>
<p>Von der Einigung auf einen gemeinsamen Standard profitieren damit letztlich alle. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass auf diese Weise Marktsicherheit entsteht: Existiert nur ein einziger Standard, so besteht kein Risiko, auf das falsche Pferd zu setzen. In letzter Konsequenz bedeutet das aber auch, dass alle Beteiligten von einer Monopolisierung profitieren. Paradoxerweise haben also – entgegen der klassischen Markttheorie –alle, auch die Nachfrager, ein Interesse an einem eingeschränkten Wettbewerb auf diesen Netzwerkmärkten.</p>
<h2>Plattformökonomie als Größenstrategie</h2>
<p>Google, AirBnB, Uber &amp; Co ist es gelungen, auf ihren Märkten entsprechende Standards zu schaffen, indem sie ihre jeweilige Plattform als die maßgebliche Stelle zur Marktkoordinierung etablieren konnten. Konzentriert sich die gesamte Nachfrage und das gesamte Angebot an einem zentralen Punkt, wird der Markt für alle effizienter. Angebot und Nachfrage können zielgenauer befriedigt werden. Es ist nicht notwendig, andernorts nach Marktpartnern zu suchen, das spart Zeit und senkt die Transaktionskosten. Alle Teilnehmer binden sich damit an die etablierten Plattformen. Für die Plattformbetreiber bedeutet dies, stets auf radikale Wachstumsstrategien zu setzen, um möglichst schnell eine ausreichende Größe zur Errichtung und Aufrechterhaltung eines Standards zu erreichen.</p>
<h2>Die Relevanz von Daten in der Plattformökonomie</h2>
<p>Daten und ihre Nutzbarmachung spielen in diesem Kontext ebenfalls eine entscheidende Rolle. Die Plattformen funktionieren, weil sie die Bedürfnisse der Teilnehmer jeweils gut kennen, daraus ziehen sie ihre Vorteile als Mittler zwischen den Akteuren. Folgerichtig werden die meisten dieser Plattformen als Datensammelpools geführt, die nicht nur die Vernetzung der wechselseitigen Kundenbeziehungen protokollieren, sondern auch das Nutzungsverhalten und die Bedürfnisse sämtlicher Beteiligter detailliert erfassen.</p>
<h2>Die Kraft der Disruption</h2>
<p>Diese Plattformen zerstören tradierte Szenarien und stülpen den Märkten kompromisslos ihr Geschäftsmodell über. Die anderen Marktteilnehmer sind dadurch gezwungen, sich diesem Änderungsprozess zu beugen. Fast in jeder Branche sind derartige Entwicklungen denkbar oder bereits Realität. Neben den bereits genannten Unternehmen lassen sich als weitere prominente Vertreter etwa auch Amazon für den Handel und Facebook im Bereich der Kommunikation und der Sozialen Netzwerke nennen. Es dürfte oft nur eine Frage der Zeit sein, bis sich auch auf anderen Märkten Plattformen entwickeln. Darin liegt einerseits eine Chance für schnelle und zielbewusste Akteure, andererseits aber auch ein beachtliches Bedrohungspotenzial für die traditionellen Anbieter.</p>
<h2>Plattform in der Nische</h2>
<p>Plattformen können jedoch auch in Nischen funktionieren, was wiederum Perspektiven für neue, alternative Geschäftsansätze bietet. Durch die effiziente Zusammenführung von Nachfragen und Anbietern werden auf einmal Geschäftsmodelle möglich, die bislang nicht als wirtschaftlich galten. Zeitliche und örtliche Differenzen lassen sich durch ein digitales und breit distribuiertes Angebot überbrücken, was ebenfalls eine Senkung von Transaktionskosten nach sich zieht – also das Zustandekommen eines Abschlusses wahrscheinlicher macht. Das führt in der Summe dazu, dass auch Nischenprodukte für wenig Nachfrager profitabel angeboten werden können.</p>
<h2>Individualisierung und Mass Customization</h2>
<p>Bezog sich dies ursprünglich allein auf digitale Produkte, wie digitale Musik, Videos, Software oder eBooks, die aufgrund ihrer „immateriellen“ Beschaffenheit kaum Lager- und Vertriebskosten verursachen (der sogenannte „Long Tail“), entstehen heute immer mehr Plattformanbieter, die diesen Gedanken auf „greifbare“ Güter ausweiten und die sogar Personalisierung und Individualisierung von Produkten ermöglichen. Vorreiter in Deutschland wie „myMuesli“ ermöglichten es den Kunden, Produkte – in diesem Fall „Müslimischungen“ – selbst zusammenzustellen oder zu konfigurieren. Die höheren Preise rechtfertigen sich durch den hohen Individualisierungsgrad und die damit einhergehende tieferreichende Befriedigung der Bedürfnisse des einzelnen Nachfragers. Die Geschäftsmodelle haben sich inzwischen in vielen Segmenten bewährt, als Beispiele anführen lassen sich etwa „chocri.de“ für Schokolade, „MyBoshi.net“ für gehäkelte Mützen und „uniquefragrance.de“, bei dem man sich ein personalisiertes Parfum zusammenstellen kann – um nur einige zu nennen.</p>
<h2>Plattformökonomie und 3D-Druck</h2>
<p>Auch neue digitale, datenbasierten Produktionstechniken ermöglichen individuell gestaltete Angebote und Leistungen. Während Designer ursprünglich, um ihre Produkte zu verkaufen, gezwungen waren, in Vorleistung zu gehen, also Muster produzieren lassen und sich um eine Vertriebsorganisation kümmern mussten, ermöglichen die Fortschritte beim 3D-Druck heute potenziell eine individuelle und auftragsbezogene Produktion „on demand“.</p>
<h2>Digitale Güter und Plattformen</h2>
<p>Auch wenn diese Verfahren aktuell zumindest im B2C-Bereich noch in den Kinderschuhen stecken, leiten sich aus der Kombination mit Plattformökonomieansätzen hochinteressante Potenziale ab: Auf Plattformen wie „Shapeways.com“ können fertige Entwürfe – Alltagsgegenstände, Spielzeug, Schmuck – nun direkt durch Designer feilgeboten und von den Kunden gegen Gebühr „heruntergeladen“ werden, um diese dann am heimischen, mit 3D-Drucker ausgestatten Computer selbst auszudrucken. Unter Umständen ließen sich diese Dateien auch noch individuell modifizieren, so dass der Konsument sehr eng in den Produktionsprozess miteingebunden ist. Das vereinfacht es erheblich, derartige Ideen zur Marktreife zu bringen; das unternehmerische Risiko wird reduziert, da keine Vorabinvestitionen in die Produktfertigung oder die Verkaufskanäle notwendig sind.</p>
<h2>Mikromarketing und Diversifizierung</h2>
<p>Dieses, durch die Plattformen ermöglichte „Mikromarketing“ ist eine Errungenschaft der Digitalisierung, wobei hier anders als bei den großen monopolhaften Plattformen auch eine Diversifizierung des Angebotes bewirkt wird. Aber auch hier tragen Internet und Digitalisierung zu einer Koordinierungsleistung maßgeblich bei. Die Art und Weise, wie damit Märkte „gemacht“ werden können, hat tiefgreifende Auswirkungen, und zwar nicht nur hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Absatzkanäle. Das Prinzip der Plattformökonomie verändert damit auch den Kern des wirtschaftlichen Miteinanders von Grund auf.</p>
<h2>Blockchain: Das Ende der Plattformökonomie?</h2>
<p>Allerdings ist jeder technologische Trend stets durch eine weiterführende innovative Entwicklung latent gefährdet. <a href="http://nerdwaerts.de/2017/11/1248/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aktuell wird vor diesem Hintergrund oft auf das Prinzip der „Blockchain“ verwiesen</a>, der Technologie hinter Bitcoin und Ethereum, womit eine dezentrale und autonome Netzwerk- und Marktorganisation möglich ist. Sofern wirklich – wie zumindest in der Theorie bei Bitcoin – kein Gatekeeper den Marktzugang kontrolliert, weil die Netzwerkleistung streng dezentral durch die Netzteilnehmer selbst und gleichberechtigt geschultert wird, könnte dies dazu führen, dass die revolutionäre Entwicklung der zentralistisch geprägten Plattformökonomie bereits selbst der folgenden, „disruptiven“ Revolution zum Opfer fällt. Dann könnten Systeme wie Bitcoin tatsächlich die Netzwerkmacht distribuieren und diese wieder zurück auf die einzelnen Teilnehmer übertragen.<br />
Das zeigt, dass wir uns hier nicht am Ende einer Entwicklung, sondern eher noch ganz an deren Anfang befinden. Im Zeitalter der Digitalisierung wird damit der ständige Wandel zur einzigen Konstante auf den Märkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag ist ein Exzerpt aus:<br />
<em>Wagener, Andreas (2018): Marketing 4.0 In: Wolff, Dietmar / Göbel, Richard (Hrsg.). Digitalisierung: Segen oder Fluch. Wie die Digitalisierung unsere Lebens- und Arbeitswelt verändert,</em> <a href="http://www.springer.com/de/book/9783662548400" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.springer.com/de/book/9783662548400</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr zum Thema &#8222;Plattformökonomie &amp; Blockchain&#8220; hier:</strong><br />
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Wagener nach, gehalten m Rahmen der jährlichen Vortragsreihe zur Digitalisierung der Fakultät Wirtschaft an der Hochschule Hof &#8211; &#8222;Digitale Wirtschaft, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge&#8220;:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Blockchain und Industrie 4.0 &#8211; Das Ende der Plattformökonomie?</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://www.youtube.com/embed/wMZ3bw4eKeE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><br />
Prof. Dr. Andreas Wagener. Professur für Digitales Marketing: eCommerce &amp; Social Media, Hochschule Hof</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mehr zu Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Künstliche Intelligenz, Digital Commerce und Digitaler Ökonomie finden Sie auf unserer <a href="https://www.xing.com/news/pages/nerdwarts-de-316?sc_o=da980_e" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Newsseite auf XING</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/nerdwaerts/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://nerdwaerts.de/2018/02/1294/">Plattformökonomie als Geschäftsmodell</a> erschien zuerst auf <a href="https://nerdwaerts.de">Nerdwärts.de</a>.</p>
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